Haselünne. Mit vier thematisch gestalteten Informationstafeln und einer digitalen Ergänzungsebene ist auf dem Schulhof des Kreisgymnasiums St. Ursula ein neuer Geschichtspfad eröffnet worden. Der dauerhafte Erinnerungsort macht zentrale Stationen der Schulgeschichte sichtbar – von der Zeit des Klarissenklosters bis zur NS-Vergangenheit und dem Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg.
Schulgeschichte im Wandel – für alle Generationen erlebbar
Die vier Module des Geschichtspfades gliedern sich in bedeutende Epochen: das Klarissenkloster (1652–1812), die Mädchenvolksschule und das Lyzeum (1854–1941), die nationalsozialistische NPEA Emsland (1941–1945) sowie der Neuanfang nach dem Krieg bis in die Gegenwart. Über QR-Codes auf den Tafeln lassen sich vertiefende Inhalte wie Zeitzeugenberichte, Bilder und historische Dokumente digital abrufen.
„Mit dem Geschichtspfad ist ein Ort entstanden, der Geschichte nicht nur vermittelt, sondern erlebbar macht“, sagte Kulturmanagerin Katja Kuhlmann bei der Einweihung. Auch Philipp Scheid vom Landkreis Emsland betonte die Bedeutung des Projekts für den Heimatverein Haselünne, der als offizieller Träger fungiert.
Aufarbeitung, Mahnung und digitale Vermittlung
Bürgermeister Werner Schräer würdigte die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten – darunter Stadt, Landkreis, Schule, Gedenkstätte Esterwegen, Bistum Osnabrück sowie die Geschichtsmanufaktur aus Dortmund. Letztere war mit der Konzeption, Gestaltung und inhaltlichen Aufbereitung beauftragt. „Neben der historischen Einordnung steht auch die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im Fokus. Der Pfad ist nicht nur ein Erinnerungsort, sondern auch Mahnung“, so Schräer.
Zeitzeugenberichte und generationsübergreifender Austausch
Ein besonderes Moment der Einweihung war die Teilnahme des ehemaligen NPEA-Schülers Dr. Peter Brockmann. Er berichtete aus erster Hand über seine Erlebnisse in der NS-Zeit und die Prägung durch das Regime. Seine Erinnerungen flossen ebenso wie die von Karl-Hermann Harmsen aus Nordhorn in die inhaltliche Gestaltung des Pfades ein.
Schulstandort mit tiefen Wurzeln
Die Geschichte der heutigen Schule reicht bis 1658 zurück, als Klarissen aus den Niederlanden in Haselünne ein Mädchenpensionat gründeten. Später übernahmen Ursulinen das Gelände, bevor es in der NS-Zeit zur Kaderschmiede der Nationalsozialisten wurde. Seit 1972 ist der Landkreis Emsland (ehemals Meppen) Träger der Schule, die längst auch Jungen offensteht.
Finanzierung und Beteiligung
Die Kosten von rund 32.500 Euro für den Geschichtspfad tragen der Landkreis Emsland, die Stadt Haselünne, die Angela-Merici-Stiftung sowie die Emsländische Sparkassenstiftung gemeinsam.