München. Die loyale stromkunden treuestrafe belastet Haushalte in Deutschland erheblich, wie eine aktuelle Studie von Octopus Energy und der RWTH Aachen zeigt. Demnach zahlen Verbraucher*innen im Jahr 2025 insgesamt rund 11 Milliarden Euro mehr, nur weil sie ihren Stromanbieter nicht wechseln.
Stromkosten unfair steigen
Studie deckt strukturelle Probleme im Strommarkt auf
Die Untersuchung analysierte erstmals tausende Preisanpassungsschreiben von privaten Stromkunden und zeigt, dass etwa 30 Millionen Haushalte – knapp drei Viertel aller Haushalte in Deutschland – von der sogenannten Treuestrafe betroffen sind. Bestandskundinnen zahlen im Schnitt rund 13 Cent pro Kilowattstunde mehr als Neukundinnen, was einem Preisaufschlag von etwa 47 Prozent entspricht. Viele Anbieter locken mit günstigen Einstiegstarifen, erhöhen die Preise jedoch nach 11 bis 14 Monaten um durchschnittlich 19 bis 24 Prozent.
Weitreichende Folgen für Verbraucher*innen
Von den insgesamt 11 Milliarden Euro Mehrausgaben entfallen nur etwa 4 Milliarden Euro auf Kund*innen der Grundversorgung, was zeigt, dass das Problem alle Kundengruppen betrifft. Haushalte mit wettbewerblichen Versorgern könnten im Schnitt 304 Euro jährlich sparen, wenn sie zu günstigeren Tarifen wechseln. Bei Grundversorgungsverträgen liegt die mögliche Ersparnis sogar bei bis zu 492 Euro. Die Energiekrise hat die Preisschere zusätzlich vergrößert; vor 2021 betrug die durchschnittliche Ersparnis durch einen Wechsel zwischen 121 und 241 Euro.
Transparenzmangel verschärft die Situation
Die Studie kritisiert auch erhebliche Defizite bei der Marktransparenz: Während Neukundentarife eng an den Energiemarktpreisen ausgerichtet sind, entwickeln sich Bestandskundentarife oft unabhängig davon. Preisanpassungen werden meist pauschal mit „Beschaffung und Vertrieb“ begründet, ohne nachvollziehbare Bezugnahme auf tatsächliche Kostenentwicklungen.
„Der deutsche Strommarkt zerfällt immer mehr in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während Versorger sich für Neukunden mit negativen Margen unterbieten, werden loyale Kundinnen und Kunden ausgenommen“, sagte Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany.
Forderungen an Politik und Aufsicht
Octopus Energy fordert die Politik und die Bundesnetzagentur zum Handeln auf. Vorgeschlagen werden:
- Einführung eines Preisdeckels, um exzessive Strompreise für wenig wechselaktive Kund*innen zu verhindern.
- Systematische Erfassung und Veröffentlichung von Preisunterschieden zwischen Neu- und Bestandskund*innen.
- Reform der Grundversorgung durch regelmäßige Ausschreibungen für mehr Wettbewerb.
Diese Maßnahmen sollen für mehr Fairness im deutschen Strommarkt sorgen und das Problem der Treuestrafe adressieren.
Weitere Informationen zur Studie und eine Visualisierung der Ergebnisse sind online verfügbar.
Beispiel:
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Konsequenzen für Verbraucher in München und Umgebung
Auch in München und der umliegenden Region zeigt sich das Problem der Treuestrafe. Verbraucher*innen zahlen hier ebenso deutlich mehr, wenn sie ihre Anbieter nicht regelmäßig wechseln. Für viele Haushalte bedeutet dies eine vermeidbare finanzielle Belastung, die insbesondere in Haushalten mit geringer Wechselbereitschaft auf Dauer hohe Kosten erzeugt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten auch regional zu spürbaren Einsparungen führen.
Verbraucherinnen und Verbraucher können sich auf regionalupdate.de weiter über regionale Energie- und Strompreisentwicklungen informieren. Zudem bietet die Bundesnetzagentur zahlreiche Tipps zum Stromanbieterwechsel auf ihrer offiziellen Webseite bundesnetzagentur.de.
Langfristig sind klare Regulierungen und transparente Marktinformationen notwendig, um die Benachteiligung loyaler Kunden zu beenden und den Wettbewerb im Strommarkt sowie die Verbraucherrechte nachhaltig zu stärken.
