Berlin – Auf der Jahrespressekonferenz des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hat Präsidentin Hildegard Müller umfassende wirtschaftliche Reformen gefordert, um Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Sie betonte die Notwendigkeit eines politischen und gesellschaftlichen Neustarts: „Ohne einen Mentalitätswandel und einen klaren wirtschaftspolitischen Kurswechsel können Wachstum, Klimaschutz und Wohlstand nicht langfristig gesichert werden.“
Kernforderungen des VDA
- Wettbewerbsfähigkeit stärken: Die hohen Energiepreise in Deutschland sind ein massiver Nachteil. Müller fordert günstigere Stromkosten, eine technologieoffene Energiepolitik und eine stärkere Nutzung von Wasserstoff.
- Digitalisierung vorantreiben: Fehlende Infrastruktur und zu viel Bürokratie bremsen Innovationen. Besonders wichtig sei eine praxisorientierte Umsetzung des AI Acts und eine überarbeitete KI-Strategie.
- Bürokratie abbauen: Deutschland ist Spitzenreiter bei Steuer- und Bürokratiebelastungen. Die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und verbesserte Abschreibungsbedingungen gehören zu den Vorschlägen des VDA.
- Mittelstand fördern: Der Mittelstand, besonders die Zulieferindustrie, ist von hohen Finanzierungshürden und bürokratischen Vorgaben betroffen. Der VDA fordert praxistaugliche Regelungen auf EU- und Bundesebene.
Investitionen und Prognosen der Autoindustrie
Die deutsche Automobilindustrie plant zwischen 2025 und 2029 Investitionen in Höhe von 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung sowie 220 Milliarden Euro in Produktionsstandorte. Ein Großteil dieser Gelder fließt jedoch ins Ausland, was Müller als „alarmierend“ bezeichnete, da 70 % der Arbeitsplätze vom Export abhängen.
Markt- und Produktionsprognosen für 2025:
- Leichter Anstieg des deutschen Pkw-Markts um 1 % auf 2,8 Millionen Einheiten.
- Starkes Wachstum der Elektrofahrzeuge: 53 % mehr Neuzulassungen, darunter ein Plus von 75 % bei batterieelektrischen Fahrzeugen.
- Steigerung der Inlandsproduktion von Elektro-Pkw um 24 % auf 1,7 Millionen Einheiten.
„Mehr EU wagen“
Müller forderte zudem eine engere Zusammenarbeit in der EU, insbesondere durch Handelsabkommen und eine gemeinsame Energie- und Kapitalmarktunion. Gleichzeitig sprach sie sich gegen zusätzliche Bürokratie aus: „Es geht um die großen Fragen und nicht um kleinliches Reglement.“
Mit Zuversicht blickte Müller auf die Zukunft: „Deutschland hat das Potenzial, weltweit führend bei Innovationen zu sein. Dafür brauchen wir eine klare wirtschaftsfreundliche Agenda, die Kreativität und Leidenschaft fördert.“
Weitere Informationen zur Pressekonferenz finden Sie auf der Website des VDA.