Berlin – Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die von der EU-Kommission vorgestellte Omnibus-Initiative zur Vereinfachung von Berichtspflichten grundsätzlich begrüßt, sieht aber weiterhin große Herausforderungen für die deutsche Automobilbranche. Besonders der Mittelstand sei durch überbordende Bürokratie stark belastet, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.
EU-Lieferkettengesetz und Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die geplante Verschiebung der Umsetzungsfristen des EU-Lieferkettengesetzes und der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) sei laut Müller zwar ein richtiger Schritt, komme für viele Unternehmen jedoch zu spät: „Viele Großunternehmen haben bereits enorme Vorbereitungen getroffen, sodass die Verschiebung kaum Wirkung entfaltet. Kleine Unternehmen hingegen können von der zusätzlichen Zeit profitieren.“
Besonders kritisch sieht der VDA die weiterhin hohen bürokratischen Hürden für den industriellen Mittelstand. Der Verband fordert eine Anhebung der Mitarbeiterschwelle für die Berichtspflichten auf 3.500 Beschäftigte, da Umsatzwerte in der Industrie nicht verlässlich die Größe eines Unternehmens widerspiegeln.
CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM): Licht und Schatten
Die Anpassungen am europäischen CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) bewertet der VDA gemischt. Während die Erhöhung der Freigrenzen und die flexiblere Nutzung von CO₂-Durchschnittswerten begrüßt werden, kritisiert Müller die geplante CBAM-Ausweitung bereits ab 2026: „Es dürfen keine voreiligen Fakten geschaffen werden, bevor die Evaluierung der Maßnahmen Ende 2025 abgeschlossen ist.“
EU-Taxonomie und Entwaldungsverordnung – Weitere Entlastungen nötig
Die Anhebung der Berichtsschwellenwerte reicht nach Einschätzung des VDA nicht aus, um den automobilen Mittelstand ausreichend zu entlasten. Auch die Finanzierung von Übergangsaktivitäten innerhalb der Taxonomie müsse stärker berücksichtigt werden.
Unverständnis äußert der Verband darüber, dass die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) nicht Teil der Omnibus-Initiative ist. Müller fordert dringend eine praxisnahe Umsetzung, die Bürokratie abbaut und Doppelregulierungen vermeidet.
Fazit: Entlastung noch unzureichend
Die Initiative der EU-Kommission sei ein erster Schritt, reiche aber bei Weitem nicht aus, so Müller: „Die angekündigten Vereinfachungen müssen konsequent umgesetzt werden. Es geht nicht nur darum, künftige Belastungen zu vermeiden, sondern auch bestehende Regulierungslasten zu reduzieren.“
Weitere Informationen gibt es auf der Website des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).