LINGEN. Die geplante Neuregelung im Bereich der Cybersicherheit Energieversorgung sorgt bundesweit für Unruhe – auch bei regionalen Energieversorgern. In einem gemeinsamen Positionspapier warnen der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vor den Folgen des neuen § 41 BSIG im Regierungsentwurf zum NIS2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsgesetz.
Kritisiert wird insbesondere, dass das vorgesehene Prüfverfahren aus dem Telekommunikationssektor eins zu eins auf die Energiewirtschaft übertragen werden soll. Laut BDEW und VKU ist das realitätsfern: Während im Mobilfunkbereich nur wenige Betreiber betroffen seien, müsste die Energiebranche mit hunderten Unternehmen und tausenden IT-Komponenten jährlich zehntausende Meldungen an Behörden übermitteln.
„Wir teilen das Ziel, Cybersicherheit zu stärken“, betont Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Aber die aktuellen Verfahren führen zu Rechtsunsicherheit, zusätzlichen Kosten und Engpässen in den Lieferketten.“ Besonders kritisch sehen die Verbände ein mögliches rückwirkendes Verbot bereits installierter IT-Komponenten – ohne zwingende Sicherheitsbegründung.
Für regionale Netzbetreiber im Emsland und der Grafschaft Bentheim könnten solche Vorgaben erhebliche Auswirkungen haben. Neben unnötiger Bürokratie drohen Verzögerungen bei Projekten zur Energiewende oder Digitalisierung, etwa beim Ausbau intelligenter Netze oder neuer Versorgungsinfrastruktur.
Der VKU fordert deshalb konkrete Anpassungen: Bestandsschutz, klare Definitionen kritischer Komponenten, praxisnahe Fristen sowie eine Harmonisierung mit europäischen Vorgaben. Auch ein nationales Alleingang sei laut Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing kontraproduktiv: „Nur mit einem europäischen Rahmen lassen sich Wettbewerb, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen.“
Das gemeinsame Positionspapier plädiert für einen risikobasierten Ansatz: Statt pauschaler Verbote sollen gezielte Maßnahmen zur Risikominderung im Fokus stehen – etwa durch Blacklists nicht vertrauenswürdiger Hersteller oder Whitelists für geprüfte Komponenten.
Die Debatte betrifft auch lokale Stadtwerke und Energieunternehmen, die bereits jetzt mit Fachkräftemangel und knappen Budgets zu kämpfen haben. Für sie steht viel auf dem Spiel: Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und die Zukunft der regionalen Energiewende.
Quelle: BDEW / VKU.
