Nahaufnahme von reifem Roggenfeld mit goldenen Ähren im Sonnenlicht.

20 Jahre Roggenfeld und neue Weichenstellungen für die Landwirtschaft

Anzeige

Berlin. Gleich drei zentrale Themen bewegten in dieser Woche den Deutschen Bauernverband (DBV): das 20-jährige Jubiläum des Roggenfelds im ehemaligen Grenzstreifen in Berlin, die kontrovers diskutierte Ausweitung der 70-Tage-Regelung auf 90 Tage sowie die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung. Während das Roggenfeld ein symbolträchtiges Zeichen für Frieden und Nachhaltigkeit setzt, zeigen die anderen Themen die wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der deutschen Landwirtschaft auf.

Mitten im einstigen Todesstreifen zwischen Ost und West wächst seit 2005 Roggen. Was zunächst wie ein einfaches Agrarprojekt wirken mag, ist in Wahrheit ein vielschichtiges Symbol: Das Roggenfeld steht für Hoffnung, Erinnerung, die Kraft der Natur – und vor allem für Frieden und Völkerverständigung. Initiator des Projekts war der Künstler Michael Spengler in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Versöhnungsgemeinde. Heute ist das Roggenfeld Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer und des internationalen FriedensBrot-Netzwerks.

Nachhaltigkeit und Frieden – das Roggenfeld als Mahnmal und Hoffnungsträger

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens wurde die Ausstellung „20 Jahre Roggenfeld – Symbol des Lebens im ehemaligen Grenzstreifen“ erneut präsentiert. Nach einer Station im Wandelgang der Kapelle der Versöhnung ist sie nun bis Ende Januar 2026 im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin zu sehen. Unterstützt wird das Projekt vom Deutschen Bauernverband, dem Bund der Deutschen Landjugend (BDL) und dem Deutschen LandFrauenverband (dlv), die als fördernde Mitglieder das FriedensBrot-Netzwerk aktiv begleiten.

Gerald Dohme, stellvertretender Generalsekretär des DBV, betont die Verbindung zwischen dem Friedenssymbol Roggenfeld und moderner Agrarpolitik: „Frieden und Völkerverständigung sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche, nachhaltige Landwirtschaft. Und nachhaltige Landwirtschaft trägt ihrerseits dazu bei, Frieden und Stabilität zu sichern.“

Betreut wird das Feld seit 2006 von der Humboldt-Universität zu Berlin, die den agronomischen Teil des Projekts verantwortet. So verbindet sich hier Gedenkkultur mit wissenschaftlicher Forschung und zukunftsorientierter Agrarbildung.

DBV kritisiert 90-Tage-Regelung als unzureichend

Während das Roggenfeld auf die großen Linien von Frieden und Nachhaltigkeit verweist, schlägt sich der Berufsstand der Landwirte im politischen Alltag mit sehr konkreten Fragen herum. Jüngstes Beispiel: Die Ausweitung der sogenannten 70-Tage-Regelung auf 90 Tage im Rahmen des SGB VI-Anpassungsgesetzes. Diese erlaubt eine versicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung in landwirtschaftlichen Betrieben.

Stefanie Sabet, Generalsekretärin des DBV, sieht in der Entscheidung zwar eine gewisse Entlastung für Betriebe, stellt jedoch klar: „Die Anhebung wird das Ziel, den Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse zu erhöhen, nicht erreichen.“ Als entscheidenden Grund nennt sie die gestiegenen Lohnkosten: Der gesetzliche Mindestlohn liegt ab 2024 bei 14,60 Euro. Damit verlieren viele deutsche Betriebe den Preiswettbewerb gegenüber Ländern wie Polen, Spanien oder Griechenland, in denen deutlich geringere Löhne gelten.

„Die Ausweitung der Zeitgrenzen wird ohne eine flankierende Entbürokratisierung und steuerliche Entlastung nicht ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen“, warnt Sabet. Zudem sei es versäumt worden, bestehende Rechtsunsicherheiten bei der Regelung zu beseitigen – etwa bei der genauen Definition von Einsatzzeiten und Arbeitsverhältnissen.

Agrardieselrückvergütung: Bauernverband sieht Erfolg politischen Drucks

Für positive Schlagzeilen in der Branche sorgt dagegen die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung. Der Bundestag hatte sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Maßnahme wieder in Kraft zu setzen, nachdem sie zeitweise zur Disposition stand. DBV-Präsident Joachim Rukwied sieht darin ein klares Zeichen der politischen Wirksamkeit des Bauernverbandes: „Das ist ein Erfolg unseres gesamten Berufsstandes. Wir haben gezeigt, dass wir mit Argumenten und Geschlossenheit etwas bewegen können.“

Die Rückvergütung wird als notwendige Entlastung angesehen, um die hohen Betriebskosten bei der landwirtschaftlichen Nutzung von Dieselfahrzeugen und Maschinen zumindest teilweise abzufedern. „Dies ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Binnenmarkt“, so Rukwied. Weitere Maßnahmen müssten aber folgen – darunter eine steuerlich begünstigte Risikorücklage für Betriebe sowie eine umfassende Entbürokratisierungsinitiative.

Frieden, Fairness und Wettbewerbsfähigkeit – worauf es jetzt in der Landwirtschaft ankommt, lesen Sie nach dem Pagebreak.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Friedenssicherung und nachhaltige Entwicklung sind zentrale Anliegen der Landwirtschaft – symbolisch wie politisch. Das Roggenfeld erinnert an die Kraft der Versöhnung, während die Debatten um Arbeitsrecht und Agrardiesel zeigen, wie dringend politische Rahmenbedingungen angepasst werden müssen. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht nicht nur Erinnerungskultur, sondern auch faire Wettbewerbsbedingungen, Planungssicherheit und klare gesetzliche Regelungen.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel