Essen. Die Bundesregierung plant Reformen in der Pflege – doch die Kritik aus der Branche reißt nicht ab. Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V. warnt eindringlich vor „politischer Flickschusterei“ und fordert eine grundlegende Strukturreform der Pflegeversicherung. Ein aktuelles Trendbarometer der Sozialbank bestätigt die wachsende Unsicherheit unter Trägern und Fachkräften.
Laut der Befragung halten 93 Prozent der Akteure die bisherigen Maßnahmen zur Pflegefinanzierung für unzureichend. Noch alarmierender: 41 Prozent nennen die gesetzliche Reformunsicherheit inzwischen als eines der drei größten Probleme – ein Anstieg um 20 Prozentpunkte.
Kritik an fehlender Beteiligung
bad-Bundesvorsitzender Andreas Kern kritisiert, dass Bundesgesundheitsministerin Warken die Leistungserbringerverbände in den Arbeitsgruppen zur Pflegereform außen vor lasse. „Es braucht keine Symbolpolitik, sondern tiefgreifende Lösungen“, so Kern. Die Refinanzierung steigender Personalkosten, etwa durch regionale Entgeltanpassungen, müsse rechtssicher sichergestellt werden.
Fachkräftemangel verschärft Lage
Neben der Finanzierung sieht das Trendbarometer den Fachkräftemangel als zentrales Problem: 90 Prozent der Einrichtungen nennen ihn als akutes Hindernis. Kern fordert unter anderem eine beschleunigte Anerkennung internationaler Abschlüsse sowie gezielte Programme zur Fachkräftezuwanderung. „Ohne qualifiziertes Personal laufen alle Reformen ins Leere“, warnt er.
Forderung: Strukturreform statt Einzelmaßnahmen
Der bad e. V. spricht sich für ein integriertes Reformkonzept aus, das langfristige Finanzierungssicherheit und eine Stärkung des Pflegeberufs vereint. Ziel sei eine tragfähige Struktur, die über punktuelle Gesetzesanpassungen hinausgeht.

