Berlin. Der Kabarettist und Autor Torsten Sträter spricht offen über seine Depressionen – mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit, Sprachwitz und entwaffnender Ehrlichkeit. Seine Beschreibungen bieten einen tiefen Einblick in das Erleben dieser psychischen Erkrankung und helfen, sie besser zu verstehen. Mit einer einfachen Metapher – einer symbolischen Karte – bringt er die unsichtbare Last der Depression auf den Punkt.
Sträter, der selbst an Depressionen leidet, suchte lange nach einer Möglichkeit, anderen seine Gefühlswelt verständlich zu machen, ohne jedes Mal alles erklären zu müssen. Er wünschte sich eine Karte, die man einfach hinlegen kann – mit einem Satz, der sagt, wie es einem geht. „Während der andere liest, kann man kurz duschen gehen“, erklärt Sträter.
Depression als täglicher Kampf
In seinen Erklärungen vergleicht Sträter Depression mit einem Zustand, in dem man „hüfthoch im nassen Sand“ geht. Es ist, als rudere man bergauf, in einem leeren Raum voller Wind, der alles betäubt. Freude sei einem zwar bekannt, aber gerade nicht erreichbar. Alles im Alltag werde zur unüberwindbaren Mauer. Die Scham ist dabei allgegenwärtig – oft ohne konkreten Anlass.
Er grenzt Depression klar von schlechter Laune ab. „Scheiße drauf sein“ vergleicht er mit einem „Tatort mit den Muppets“ – unschön, aber vorbei. Depression hingegen sei wie „alle drei Herr der Ringe-Teile in Zeitlupe“, begleitet von Andrea-Berg-Musik – ein Zustand von lähmender Dauer und Schwere.
Therapie, Medikamente und paradoxe Nebenwirkungen
Sträter entschied sich für professionelle Hilfe, als er privat nichts mehr geregelt bekam. Er begann eine Gesprächstherapie und erhielt Antidepressiva – die ironischerweise als Nebenwirkung unter anderem „Depression“ auflisteten. Neben typischen Symptomen wie Schwindel und Herzrasen schildert er auch skurrile Erfahrungen: Disney-Figuren, die ihm Haushaltstipps gaben. So erklärte ihm der Gestiefelte Kater, wie man Wachsflecken aus Büchern entfernt.
Trotz dieser Hürden wurde es mit der Zeit besser. Wichtig war für ihn, etwas zum „Gegenhalten“ zu finden – Dinge, die Freude bereiten. Inzwischen, sagt er, „leidet die Depression unter mir“.
Worte, die Mut machen
Torsten Sträter zeigt, dass Offenheit ein wichtiger Schritt im Umgang mit psychischer Erkrankung ist. Seine symbolische Karte endet mit einem Satz, der Hoffnung macht: „Du schaffst heute das, was du kannst. Ich bin für dich da.“
Weitere Einblicke in Sträters Arbeit finden sich etwa in seiner Lesung beim Podcast „Betreutes Fühlen“ oder auf seinem offiziellen YouTube-Kanal. Informationen zur Behandlung und zu Hilfsangeboten bietet u. a. die Deutsche Depressionshilfe.
