Illustration eines jungen Menschen, der auf einem Smartphone TikTok nutzt und Informationen über Datensammlung teilt.

„Auf einmal ist eine ganze Stunde weg.“ Junge Menschen auf TikTok – zwischen Wertschätzung und Widerstand

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Hamburg. Die Kurzvideoplattform TikTok gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Verbreitung von Nachrichten und politischen Inhalten. Eine aktuelle Studie des Leibniz Instituts für Medienforschung untersucht die Nutzung von TikTok unter jungen Menschen und deren Fähigkeiten im Umgang mit Algorithmen. Diese Erkenntnisse zur TikTok und Nachrichtenkompetenz sind entscheidend für die Medienbildung heutiger Jugendlicher.

Lernen über TikTok!

Die Studie „Zwischen Wertschätzung und Widerstand: Algorithmische Kompetenz junger Menschen am Beispiel der Kurzvideoplattform TikTok“ zeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene häufig nur wenig über die Funktionsweise der Plattform Bescheid wissen. Insbesondere sind die Teilnehmenden sich nicht bewusst, wie TikTok ihre Daten sammelt und verarbeitet. Laut Dr. Leonie Alatassi, einer der Studienautorinnen, haben viele Befragte kaum Bedenken hinsichtlich der Preisgabe ihrer personenbezogenen Daten. Auf die Frage nach ihren Gedanken zur Datensammlung antwortete ein 16-jähriger Teilnehmer:

„Ich habe mir allgemein über die App noch nie so Gedanken gemacht. Einfach runtergeladen, benutzt und mehr auch nicht.“

Ein anderes zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Nutzung der For-You-Page oft unbewusst geschieht. Jugendliche interagieren mit Inhalten, ohne explizit darüber nachzudenken, wie dies den Algorithmus beeinflusst. Eine 16-jährige Nutzerin bemerkte dazu:

„Jedes Video gefällt einem halt. Wenn das so individualisiert ist, ist das der perfekte Zeitvertreib.“

Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit

Die Untersuchung dokumentiert zudem, dass junge Menschen ihre Handlungsfähigkeit als situativ und begrenzt erleben. Sie empfinden die Möglichkeit, den Algorithmus aktiv zu beeinflussen, als wichtig, reagieren jedoch oft frustriert auf unpassende Inhalte. Viele versuchen, den Algorithmus aktiv zu steuern oder nehmen Nutzungspausen. Diese Verhaltensweisen verdeutlichen das Streben nach Autonomie. Eine Teilnehmerin äußerte sich dazu:

„Wenn ein Video dabei ist, was mich nicht interessiert, dann swipe ich einfach weiter und durch den Algorithmus wird mir das dann weniger angezeigt.“

Obwohl die emotionalen Erlebnisse beim Nutzen von TikTok meist positiv sind, empfinden es nur wenige als vertrauenswürdig, die Plattform für politische Inhalte zu nutzen. Ein 22-jähriger Nutzer gab zu Protokoll:

„Für die Wahl habe ich das jetzt nicht genutzt, weil ich da zu viel bearbeiteten Kram und zu viele Memes dazwischen hatte.“

Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.

Bedeutung für die Medienbildung

Die Studie verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Nachrichtenkompetenz junger Menschen zu stärken. Der Chief Operating Officer von #UseTheNews, Vanessa Bitter, betont: „TikTok ist eine der wesentlichen Informationsquellen junger Menschen. Das gilt auch für Nachrichten und andere journalistische Angebote auf der Plattform“. Daher ist es wesentlich, in der Medienbildung gezielt Aufklärung über die Funktionsweise und die Risiken von Plattformen wie TikTok zu leisten.

Für Städte wie Hamburg, in denen innovative Bildungsinitiativen gefördert werden, sind die Ansätze der #UseTheNews-Studie von hoher Relevanz. Die Ergebnisse bieten Ansätze für Fördermaßnahmen, die sich an Schulen und Bildungseinrichtungen richten sollten. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Sozialen Medien in der Informationsvermittlung ist die Auseinandersetzung mit TikTok und Nachrichtenkompetenz unerlässlich für die Entwicklung einer kritischen Mediennutzung.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie sind verfügbar unter diesem Link.

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