Freren. Daniela Jasper ist vieles: Extrembergsteigerin, Speakerin, Mutter. In ihren Vorträgen spricht sie über mentale Stärke, Entscheidungen unter Unsicherheit und Teamarbeit unter Druck – Erfahrungen, die sie in Eis und Fels gesammelt hat. Doch ihre Geschichten gehen weit über das Bergsteigen hinaus. Im Interview erzählt sie, was Menschen im Alltag von Expeditionen in Grenzbereiche lernen können.
Die erste Frage scheint fast banal: Wie bringt man diese Rollen unter einen Hut – Vortragsrednerin, Mutter, Abenteurerin? Daniela Jasper lacht. „Für mich gehören diese Rollen zusammen“, sagt sie. Die Berge hätten sie gelehrt, worauf es ankommt: Fokus, Achtsamkeit, Prioritäten. „Ich versuche, in jeder Rolle ganz präsent zu sein, statt alles gleichzeitig zu wollen. Es gelingt nicht immer perfekt, aber ich habe gelernt, flexibel zu bleiben und mich nicht zu streng zu bewerten.“
Ihre Stimme wird ruhiger, als sie über den wohl prägendsten Moment ihrer Bergkarriere spricht. Es war der Tag, an dem ihr Mann mit einem abbrechenden Eiszapfen in die Tiefe stürzte – direkt vor ihren Augen. „In dieser Sekunde stand für mich die Welt still“, sagt sie. Nur mit viel Glück sei es nicht schlimmer ausgegangen. Was sie daraus mitgenommen hat? „Das Leben ist zerbrechlich. Und genau deshalb sollten wir es mit voller Präsenz, Dankbarkeit und Bewusstsein leben.“


Zwischen Gipfelsturm und Verantwortung
Wenn Jasper über ihre Bergtouren spricht, wird klar: Es geht nicht um Adrenalin oder Selbstverwirklichung. Es geht um Klarheit. Um das bewusste Treffen von Entscheidungen – gerade dann, wenn die Bedingungen unübersichtlich sind. „Zuerst ist es extrem wichtig, Ruhe zu bewahren“, erklärt sie. Panik sei der schlechteste Berater. Stattdessen sortiere sie: Was ist sicher? Was unklar? Wo liegt das größte Risiko?
Diese Herangehensweise lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen – insbesondere auf die Führung in Unternehmen. Für Jasper ist der Vergleich naheliegend: „Auch in der Wirtschaft geht es darum, gemeinsam einen ‚Gipfel‘ zu erreichen, der für alle Sinn ergibt. Dazu braucht es ehrliches Risikomanagement und Vertrauen in der Seilschaft.“ Führung bedeute nicht, perfekte Pläne zu haben – sondern Mut zu machen, auch wenn der Weg ungewiss ist.
Ein zentrales Thema in ihren Vorträgen ist der Umgang mit Emotionen in Extremsituationen. „Ich nehme Angst, Zweifel und Rückschläge ernst – sie sind Signale“, sagt Jasper. Angst fordere sie auf, wachsam zu bleiben. Zweifel seien hilfreich, um Entscheidungen zu überprüfen. Und Rückschläge? „Das sind Lernschleifen. Wichtig ist nur, nicht im Gefühl stecken zu bleiben, sondern weiterzugehen.“
Mentale Stärke im Alltag
Dass ihre Erkenntnisse aus dem Bergsteigen vielen Menschen helfen, Orientierung im Alltag zu finden, merkt Jasper nicht nur auf der Bühne. Auch in Gesprächen nach Vorträgen hört sie oft: „Ich erkenne mich in Ihrer Geschichte wieder.“ Was also hilft, wenn man im Leben die Richtung verliert? „Richtung entsteht durch innere Klarheit, nicht durch äußere Ruhe“, sagt sie. Ihr selbst helfe es, sich auf ihre Werte zu konzentrieren: „Was zählt wirklich – auch langfristig? Wenn man den inneren Kompass wieder spürt, wird der Weg nach außen automatisch klarer.“
Ein Aspekt, der Jasper besonders am Herzen liegt, ist das Thema Team. Ob in der Seilschaft am Berg oder auf der Bühne – für sie zählt dasselbe: Vertrauen, Kommunikation, Verantwortung. „Ein gutes Team besteht aus Menschen, die wissen, wann sie führen und wann sie folgen müssen“, erklärt sie. „Stärke heißt auch, andere zu tragen – und sich manchmal tragen zu lassen.“


Der größte Gipfel ist kein Berg
Auf die Frage nach dem „größten Gipfel“, der kein Berg war, antwortet sie ohne Zögern: ihre Familie. Krankheiten, Verluste, Unsicherheiten – das seien die eigentlichen Extremsituationen. „Dort zeigt sich, wie stark man wirklich ist und wie sehr man zusammenhält. Kein Gipfelerfolg der Welt bedeutet mir mehr als diese gemeinsame Stärke.“
Daniela Jasper ist jemand, der große Worte mit gelebter Erfahrung füllen kann. Sie kennt das Scheitern, die Angst, die Einsamkeit in Extremsituationen. Aber auch den Mut, weiterzugehen. Ihre Botschaft ist klar: Wir müssen nicht alle auf einen Achttausender steigen – aber wir können lernen, unser Leben mit der gleichen Klarheit und Entschlossenheit zu führen, wie es am Berg nötig ist.
Für all jene, die sich von Danielas Geschichten inspirieren lassen möchten, bietet sich ein Blick in ihre Speaker-Profile und Vortragstermine an. Weitere Inhalte rund um mentale Stärke und Veränderungsprozesse findet man auf regionalupdate.de sowie auf ihrem LinkedIn-Profil.

