Berlin. Am Tag der Menschenrechte appellieren Handicap International e. V. und 26 weitere Organisationen an die Bundesregierung, die Rechte geflüchteter und migrierter Menschen mit Behinderungen ernst zu nehmen. Insbesondere fordern sie einen diskriminierungsfreien Zugang zu Integrations- und Berufssprachkursen, da dieses Recht in Deutschland regelmäßig verletzt wird. Diese Notwendigkeit verdeutlicht die zentrale Rolle der inklusiven Bildung für Menschen mit Behinderungen.
Herausforderungen bei der inklusiven Bildung
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die in Deutschland geltendes Recht ist, garantiert das Recht auf Gleichberechtigung und Zugänglichkeit sowie auf Bildung und Teilhabe. Trotz dieser rechtlichen Rahmenbedingungen bestehen weiterhin massive Barrieren für geflüchtete Menschen mit Behinderungen im Bildungssystem. Oftmals sind die Einrichtungen nicht barrierefrei, was den Zugang zu Integrationskursen erheblich einschränkt.
Ein konkretes Beispiel sind Menschen mit Sehbehinderungen, die nicht zu regulären Kursen zugelassen werden, obwohl geeignete Inklusionsmaßnahmen vorhanden sein könnten. Zudem gibt es nur an wenigen Standorten geeignete Angebote für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen, und die bestehenden Kurse sind häufig von langen Wartezeiten betroffen.
Fehlende Angebote für kognitive Beeinträchtigungen
Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen existieren bundesweit kaum bedarfsgerechte Sprachkurse. Dies führt dazu, dass eine enorme Gruppe von geflüchteten Menschen vom Lernprozess ausgeschlossen bleibt. „Teilhabe beginnt mit Sprache. Ohne sprachliche Verständigung bleiben die meisten Türen verschlossen“, erklärt Sophia Eckert von Handicap International. Der Zugang zu Integrationskursen ist somit nicht nur eine Frage der Bildung, sondern eine der gesellschaftlichen Teilhabe.
Teilhabe durch Sprache sichern
Die Organisationen fordern, dass die Bundesregierung umfassendere Maßnahmen ergreift, um inklusives Lernen zu gewährleisten. Im Rahmen des Appells an die politischen Entscheidungsträger wird konkret gefordert:
- Die Bereitstellung von ausreichend barrierefreien Integrations- und Berufssprachkursen für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen – flächendeckend und ohne lange Wartezeiten.
- Die Einführung von Integrationssprachkursen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, die auf unterschiedliche Lernbedarfe Rücksicht nehmen.
- Eine inklusive und diskriminierungsfreie Gestaltung des Integrationskurssystems, das durch angemessene finanzielle Mittel unterstützt wird.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Praktische Bedeutung und Ausblick
Die Forderungen nach inklusiver Bildung für Menschen mit Behinderungen sind nicht nur von rechtlicher, sondern auch von sozialer Bedeutung. Sie fordern eine Verbesserung der Lebensqualität vieler betroffener Familien und stärken die gesellschaftliche Integration. In Berlin und darüber hinaus ist es entscheidend, dass alle geflüchteten Menschen gleichberechtigt Zugang zu Bildung erhalten.
Handicap International und andere Organisationen setzen sich weiterhin dafür ein, dass allerorts die geltenden Menschenrechtsverpflichtungen eingehalten werden. Nur wenn Inklusion in Bildungseinrichtungen Realität wird, kann den Herausforderungen der geflüchteten Menschen mit Behinderungen wirksam begegnet werden.
