München. Der Automotive Aftermarket steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Laut der aktuellen Studie „Automotive Aftermarket Pulse 2025“ der Unternehmensberatung Roland Berger haben sich das Verbraucherverhalten und die Marktbedingungen deutlich verändert – insbesondere im Hinblick auf den Kostendruck freier Werkstätten.
Kostendruck bei Werkstätten steigt!
Die Studie zeigt, dass Kunden in 11 von 13 untersuchten Märkten im Jahr 2025 real weniger für Fahrzeugreparaturen und Wartung ausgeben werden als im Vorjahr. Ein besonders auffälliger Trend ist die wachsende Preissensibilität der Autobesitzer: 57% der Verbraucher bevorzugen mittlerweile kostengünstigere Teile von unabhängigen Zulieferern gegenüber Originalteilen – ein Anstieg um 14 Prozentpunkte gegenüber 2024. Die sich stetig steigenden Kosten für Reparaturen tragen zu dieser Entwicklung wesentlich bei.
Herausforderungen für die Werkstätten
Die Ergebnisse verdeutlichen außerdem, dass viele Werkstätten mit der zunehmenden Technologisierung im Automobilbereich kämpfen. Insbesondere Reparaturen an modernen Fahrassistenzsystemen (ADAS) stellen eine Herausforderung dar: 47% der befragten Werkstätten mussten solche Reparaturen in den letzten zwölf Monaten ablehnen, da ihnen das benötigte Equipment oder die erforderlichen Kenntnisse fehlten. 58% der Werkstätten geben an, dass fehlende Kalibrierungsausrüstung der Hauptgrund für diese Ablehnungen sei.
„Die hohen Investitionskosten für Reparaturen moderner Fahrassistenzsysteme schrecken viele unabhängige Werkstätten ab“, erklärte Maximilian Wegner, Principal bei Roland Berger. Diese Probleme könnten dazu führen, dass der freie Markt Kunden an herstellergebundene Werkstätten verliert.
Convenience-Angebote als Wachstumsmotor
Ein weiterer Trend, der in der Studie hervorgehoben wird, ist die wachsende Bedeutung von Convenience-Services. Unabhängige Werkstätten setzen zunehmend auf Abhol- und Bringdienste, um sich von Wettbewerbern abzuheben. Diese Dienstleistungen sind besonders in urbanen Gebieten gefragt und könnten eine Schlüsselstrategie darstellen, um neue Kundengruppen wie Flottenkunden zu erreichen.
„Werkstätten, die in solche Dienstleistungen investieren, können neue Marktsegmente erschließen“, betont Wegner. In Europa und dem mittleren Osten sind diese Services bereits weit verbreitet, während der amerikanische Markt aufholt. Verbraucher in China zeigen sich ebenfalls aufgeschlossen gegenüber neuen Angeboten wie mobilen Werkstattservices.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Wachsende Online-Präsenz
Zusätzlich zu den genannten Trends wird auch die digitale Transformation des Marktes beleuchtet. Während B2C-Kunden beim Online-Kauf von Ersatzteilen sich zunehmend zurückziehen, wächst der B2B-Online-Handel rasant. Über 80% der Werkstätten in Ländern wie den USA, Deutschland und Großbritannien kaufen bereits einen signifikanten Teil ihrer Ersatzteile online. Die Mehrzahl erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg dieser Entwicklung.
Fazit
Der Kostendruck freier Werkstätten wird durch verschiedene Faktoren verstärkt, darunter die steigende Preissensibilität der Verbraucher und zunehmende Technologieforderungen. Für Werkstätten wird es entscheidend, sich an diese Veränderungen anzupassen. Während der Automobilmarkt vor Herausforderungen steht, bieten insbesondere Innovationsstrategien im Bereich Services und digitales Angebot Chancen zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.
