Berlin. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zwei zentrale Stellungnahmen veröffentlicht, die energiepolitische Entwicklungen in Deutschland und Europa zum Jahreswechsel prägen. Sowohl das neue Automobil-Paket der EU-Kommission als auch der Jahresabschlussbericht der Energiewirtschaft 2025 stehen im Zeichen der Frage, welche politischen Rahmenbedingungen 2026 bestimmen werden. Im Mittelpunkt steht die BDEW Energiepolitik 2026, die verlässliche Investitionssignale und klare Regulierung fordert.
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae begrüßt die Bestrebungen der EU-Kommission, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu stärken. Gleichzeitig warnt sie davor, bestehende Investitionsgrundlagen zu untergraben. Unternehmen hätten allein in Deutschland bereits rund 200.000 Ladepunkte aufgebaut. Diese Investitionen seien langfristig angelegt und abhängig von stabilen und berechenbaren politischen Rahmenbedingungen.
BDEW sieht Anpassungsbedarf am EU-Automobil-Paket
Der Verband fordert Rat und Europäisches Parlament auf, das Automobil-Paket weiterzuentwickeln und ein ausgewogenes Gesamtsystem zu schaffen. Der Vorschlag zur Regulierung sauberer Unternehmensflotten („Green Corporate Fleets“) könne dabei ein wichtiger Baustein sein. Positiv bewertet der BDEW zudem die stärkere Gewichtung kleiner Elektrofahrzeuge bei künftigen Grenzwerten sowie die geplante Förderung einer europäischen Batteriewertschöpfungskette.
Konkrete Maßnahmen seien entscheidend, um den Markthochlauf der Elektromobilität zu sichern. Dazu gehöre die Fortführung attraktiver Ladeangebote, technische Standards und Rahmenbedingungen, die Investitionen nicht ausbremsen.
Energiewirtschaft legt Jahresbilanz 2025 vor
Der aktuelle Jahresbericht des BDEW zeigt: Die Energiewende bleibt trotz Herausforderungen auf Kurs. 2025 lag die Stromerzeugung mit knapp 500 Milliarden Kilowattstunden leicht über dem Vorjahr. Der Anteil erneuerbarer Energien beträgt 58 Prozent. Windkraft bleibt klar führend, während Photovoltaik erstmals vor Erdgas auf Platz zwei liegt.
Die Energiebranche investiert laut Bericht stark in Netzinfrastruktur. Auch der Bedarf an neuen regelbaren Kraftwerken wächst – die Bundesnetzagentur geht von mindestens 22 Gigawatt aus. Der BDEW fordert ein zügiges Kraftwerksicherheitsgesetz und einen technologieoffenen Kapazitätsmarkt, um den Zubau wasserstofffähiger Kraftwerke anzureizen.
Wärmewende und Gasnetze im Fokus
Weiterhin bestehen große Herausforderungen im Wärmemarkt. Drei Viertel der Haushalte heizen noch immer mit Gas oder Öl. Zwar erreicht die Wärmepumpe im Neubau einen Anteil von 67 Prozent, doch der Umbau des Bestands bleibt laut BDEW eine „Mammutaufgabe“. Für die Transformation der Gasnetze müssten schnell rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen geschaffen werden, um Kostenrisiken für Haushalte und Netzbetreiber zu vermeiden.
Auch ein konsequenter Bürokratieabbau sei notwendig. Optimierte Ausschreibungsdesigns, etwa im Offshore-Bereich, und eine verlässliche Förderkulisse sollen Investitionen erleichtern. Zudem kritisiert der BDEW den Einsatz von Mitteln des Klima- und Transformationsfonds für konsumtive Zwecke statt für Zukunftsinvestitionen.
Bedeutung für Deutschland und Europas Energiezukunft
Mit Blick auf die neue Bundesregierung begrüßt der Verband erste Impulse zur Entlastung der Energiepreise. Entscheidend sei aber ein Gesamtpaket, das Wettbewerbsfähigkeit, Investitionssicherheit und eine verlässliche Energie- und Industriepolitik verbindet. Die BDEW Energiepolitik 2026 wird damit zum zentralen Leitmotiv für den Hochlauf erneuerbarer Energien, den Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Transformation der Wärmetechnik.
