Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) übt scharfe Kritik am geplanten vierspurigen Ausbau der E233 zwischen Haselünne und der Landkreisgrenze nach Cloppenburg. Veraltete Gutachten, fehlende Umweltprüfungen und mangelhafte Planungen – die Liste der Beanstandungen ist lang.
Veraltete Daten als Grundlage
Die verkehrswirtschaftliche Untersuchung stammt aus dem Jahr 2019.
„Diese Gutachten sind schlichtweg veraltet und als Planungsgrundlage nicht mehr tragfähig“, kritisiert Katja Hübner vom NABU Emsland/Grafschaft Bentheim. Besonders problematisch: Die Verkehrsprognosen reichen lediglich bis zum Jahr 2030.
Was das bedeutet: Lärmbelastung und Verkehrsaufkommen könnten deutlich unterschätzt werden – mit direkten Folgen für die Anwohner entlang der Strecke.
Fehlende Variantenprüfungen sorgen für Unmut
Noch gravierender ist aus Sicht des Naturschutzbundes die unzureichende Transparenz der Planungsunterlagen. Wichtige Dokumente wurden der Öffentlichkeit gar nicht oder nur unvollständig zugänglich gemacht.
Vor allem im Übergangsbereich zwischen den Planungsabschnitten 3 und 4 fehlen nachvollziehbare Variantenvergleiche vollständig. Der NABU fordert daher eine erneute öffentliche Beteiligung mit vollständigen und aktuellen Unterlagen.
„Eine Katastrophe für die Natur“
Mit diesen deutlichen Worten fasst Katja Hübner die größten ökologischen Bedenken zusammen. Konkret kritisiert der NABU unter anderem:
- Veraltete Kartierungen: Faunistische Untersuchungen fehlen oder sind nicht mehr aktuell. Besonders streng geschützte Fledermausarten verlieren Lebensräume, ohne dass ausreichende Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen sind.
- Problematische Entwässerung: Tausalzbelastetes Niederschlagswasser soll direkt in ein ökologisch sensibles FFH-Gebiet an der Hase eingeleitet werden.
- Unzureichende Schallgutachten: Die tatsächliche Lärmbelastung für Anwohner wurde nach Ansicht des NABU nicht ausreichend untersucht.
Auch soziale Aspekte kommen zu kurz
Neben den Umweltfolgen bemängelt der Naturschutzbund auch Defizite bei der Berücksichtigung sozialer Auswirkungen. Die geplante Verlegung eines Sportplatzes sowie die Betroffenheit eines Reit- und Fahrvereins seien in den bisherigen Planungen nur unzureichend behandelt worden.
Das fordert der NABU konkret
Der Naturschutzbund verlangt eine grundlegende Überarbeitung der Planungsunterlagen. Dazu gehören:
- Aktualisierung aller Verkehrsgutachten mit Prognosen über 2030 hinaus
- Vollständige und nachvollziehbare Variantenvergleiche für alle Planungsabschnitte
- Aktuelle faunistische Kartierungen und Schallgutachten nach neuestem Stand
- Wirksame Schutzmaßnahmen für betroffene FFH-Gebiete
- Transparente Darstellung der sozialen Folgen für Vereine und Anwohner
- Eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit mit vollständigen Unterlagen
Was bedeutet das für die Region?
Für die Menschen im Emsland sind die aufgedeckten Planungsmängel keine theoretische Debatte. Ungenaue Prognosen könnten zu höheren Lärmbelastungen führen als erwartet. Fehlende Ausgleichsmaßnahmen gefährden die Artenvielfalt in der Region. Und die unzureichende Berücksichtigung betroffener Vereine und Einrichtungen sorgt für zusätzliche Unsicherheit vor Ort.
Ob und wann die Kritik des NABU zu einer überarbeiteten Planung führt, ist derzeit offen. Die zuständige Straßenbauverwaltung hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Weitere Informationen
- NABU Regionalverband Emsland/Grafschaft Bentheim
- Bundesministerium für Umwelt – Informationen zu Umweltverträglichkeitsprüfungen
Mehr zur Infrastrukturplanung in der Region finden Sie auf regionalupdate.de.
