Salzburg. Flechten sind erstaunlich widerstandsfähige Organismen, die selbst extremskalte Regionen wie die Antarktis besiedeln. Forscherinnen der Universität Salzburg untersuchen aktuell, wie sich Flechten angesichts des Klimawandels, insbesondere unter dem Aspekt Flechten Klimawandel Antarktis, in ihrer Verbreitung und Symbiose verändern.
Flechten widerstehen Klima
Flechten — Überlebenskünstler in extremen Lebensräumen
Flechten bilden eine komplexe Symbiose aus Pilzen, Algen und Bakterien, die zusammen das sogenannte Flechten-Holobiom bilden. Diese Organismen können trotz harscher Umweltbedingungen Fotosynthese betreiben und sich anpassen. Die Krustenflechten sind dabei besonders widerstandsfähig und kommen weltweit, auch in der extremen Antarktis, vor. Dort sind sie neben Moosen prägende Elemente der Vegetation und aktivieren ihren Stoffwechsel, sobald Feuchtigkeit vorhanden ist.
Forschung im Eis: Proben aus der Antarktis und den Alpen
Ein Forscherteam unter Leitung von Ulrike Ruprecht von der Universität Salzburg reiste mehrfach in die Antarktis, um Flechtenmuster an unterschiedlichen Standorten zu erfassen. Die Proben werden mit modernster molekularbiologischer Technologie untersucht, um die Zusammensetzung ihres Holobioms zu analysieren. Zusammen mit Klimadaten werden diese Informationen benutzt, um mit ökologischer Nischenmodellierung Aussagen über zukünftige Veränderungen der Flechtenverbreitung unter verschiedenen Klimaszenarien zu treffen.
„Wenn das Eis schmilzt, werden viele Krustenflechten einen neuen Lebensraum finden“, erklärt Ulrike Ruprecht, Projektleiterin der Studie.
Veränderungen der Lebensräume bis zum Jahr 2100
Basierend auf einer umfangreichen Analyse von 673 antarktischen Proben prognostizieren die Forscherinnen, dass sich die Lebensräume der Flechten in der maritimen Antarktis teilweise verkleinern, während sie sich in den trockeneren und kälteren Gebieten der kontinentalen Antarktis ausdehnen könnten. Das Anwandern neuer Gebiete wird vor allem für generalistische Arten erwartet, die flexibel in ihrer Symbiose sind. Spezialisierte Flechten könnten hingegen stärker unter den Veränderungen leiden.
Alpen als begrenzter Rückzugsort für Flechten
Im Alpenraum erscheint die Anpassung für Flechten schwieriger, da die Lebensraumvariationen durch Höhenbegrenzungen eingeschränkt sind. Ulrike Ruprecht und ihr Team sammelten dort im Nationalpark Hohe Tauern 175 Proben auf verschiedenen Höhenstufen, um die Veränderungen in der Holobiom-Zusammensetzung durch unterschiedliche klimatische Bedingungen zu untersuchen. Erste Auswertungen zeigen deutliche Unterschiede abhängig von der Höhe.
Bedeutung der Erkenntnisse zu Flechten Klimawandel Antarktis
Die Forschung rund um Flechten Klimawandel Antarktis liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie zentrale Bestandteile antarktischer und hochalpiner Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren. Diese Ergebnisse tragen dazu bei, zukünftige ökologische Entwicklungen besser abzuschätzen und bieten Hinweise, wie sensible Lebensräume geschützt werden können. Die Studien laufen noch bis Ende 2026 und werden vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF gefördert.
Für Interessierte bietet regionalupdate.de einen weiteren Überblick zu aktuellen Umweltthemen, während detaillierte wissenschaftliche Publikationen über die Universität Salzburg oder das Wissenschaftsmagazin Scilog eingesehen werden können.
Ausblick: Wie Flechten als Indikatoren für den Klimawandel dienen können
Mit der erforschten Methode der ökologischen Nischenmodellierung lassen sich nicht nur aktuelle Verbreitungsgebiete abbilden, sondern auch Prognosen zu künftigen Verschiebungen unter dem Einfluss des Klimawandels erstellen. Dies ermöglicht ein tieferes Verständnis, wie sich Ökosysteme anpassen oder verändern könnten. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das, dass Flechten als natürliche Klimasensoren fungieren und durch ihre Reaktionen auf Temperatur oder Niederschlag genaue Hinweise auf die ökologische Entwicklung ihrer Region geben können.
Die Universität Salzburg plant, die Forschung im Rahmen des Projekts mit weiteren Proben aus polaren und alpinen Regionen fortzuführen. Damit soll die Aussagekraft für die Anpassungsfähigkeit von Flechten gegenüber dem Klimawandel weiter verbessert werden. Dies zeigt eindrucksvoll die Rolle kleiner Lebensformen im großen Ökosystem unserer Erde und deren Bedeutung für den Schutz der natürlichen Umwelt.