München. Der Cyberangriff SAF HOLLAND Anfang 2023 hat deutlich gemacht, dass Cybersicherheit für den deutschen Mittelstand eine zentrale Rolle spielt. Produktionsunterbrechungen und Lieferengpässe zeigten die Anfälligkeit digitalisierter Produktionsprozesse und die wirtschaftlichen Folgen von Cybervorfällen auf.
Cyberangriff trifft Mittelstand
Der Fall des Nutzfahrzeug-Zulieferers SAF-HOLLAND verdeutlicht, wie eng die Bereiche Cybersecurity, Produktionssicherheit und Unternehmensverantwortung miteinander verknüpft sind. Nach dem Angriff kam es an mehreren Standorten zu Ausfällen mit einem Rückstand bei Aufträgen von ein bis zwei Wochen, dessen Nachbereitung sich über Monate erstreckte. Trotz schneller Stabilisierung der Lage und Aufholmaßnahmen offenbarte der Vorfall die Schwachstellen digitaler Lieferketten, die nicht nur IT-Bereiche, sondern die gesamte Geschäftsstrategie betreffen.
SAF-HOLLAND hatte bereits vor dem Angriff Maßnahmen zur Absicherung getroffen, doch der Vorfall zeigt, dass jeder Mittelständler betroffen sein kann. Ralf Ebert, Group Chief Information Security Officer (CISO) bei SAF-HOLLAND, betont:
„Der Vorfall macht deutlich, dass Cyberresilienz längst kein reines IT-Thema mehr ist, sondern vielmehr die Voraussetzung für die Liefertreue und Planbarkeit unseres Geschäfts bildet.“
Neue Anforderungen durch NIS2
Mit der Umsetzung des NIS2-Gesetzes seit November 2025 sind zahlreiche mittelständische Unternehmen in Deutschland verpflichtet, Cyberrisiken als Managementaufgabe zu behandeln und persönliche Verantwortung auf Vorstandsebene zu übernehmen. Dr. Marco Lück, Experte für Cyberresilienz und NIS2, hebt hervor, dass die Geschäftsleitungen künftig nachweisen müssen, dass sie Risiken systematisch bewerten, Meldewege klar definiert und Cybervorfälle binnen 24 Stunden melden.
„Die Frage lautet nicht mehr: Welche Firewall haben wir? Sondern: Wie treffen wir haftungssichere Entscheidungen, wie priorisieren wir Risiken und wie stellen wir sicher, dass die Organisation im Ernstfall steuerbar bleibt?“, so Lück.
Versäumnisse können zu Bußgeldern von bis zu zehn Millionen Euro oder persönlichen Haftungen führen.
Wirtschaftliche Bedeutung von Cyberangriffen in der Industrie
Cyberangriffe sind keine Einzelfälle. 2024 und 2025 gab es europaweit mehrere Vorfälle mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Ein Beispiel ist der Angriff auf Jaguar Land Rover in Großbritannien mit geschätzten Schäden von 222 Millionen Euro. Besonders betroffen sind Branchen, in denen digitale Systeme direkt mit Produktion und Logistik verbunden sind. Daraus lassen sich für den deutschen Mittelstand drei zentrale Punkte ableiten:
- Produktion ist zunehmend digitalisiert und dadurch störanfällig.
- Cybersecurity wird zur betriebswirtschaftlichen Kernfunktion.
- Schnelles Handeln im Ernstfall ist entscheidend.
Handlungsempfehlungen für den Mittelstand
Dr. Marco Lück empfiehlt eine schnelle und pragmatische Herangehensweise:
- Prüfen, ob das Unternehmen von NIS2 betroffen ist und den aktuellen Sicherheitsreifegrad ermitteln.
- Verantwortlichkeiten klar festlegen, um Haftungsrisiken zu minimieren.
- Kritische Risiken priorisieren, insbesondere im Bereich der Produktion, Lieferketten und Meldeprozesse.
Diese Schritte helfen, Transparenz und Steuerbarkeit zu schaffen und damit wirtschaftliche Stabilität zu sichern.
Bezüglich der weiteren Bedeutung und Konsequenzen für die Region folgen nun abschließende Erläuterungen.
Regionale Bedeutung und praktische Folgen für Unternehmen
Der Cyberangriff SAF HOLLAND ist ein warnendes Beispiel für Unternehmen in und um München sowie bundesweit. Die Cyberbedrohung betrifft nicht nur große Konzerne, sondern auch den Mittelstand, der einen wesentlichen Anteil an Industrie und Produktion trägt. Für die betroffenen Firmen bedeutet dies konkret, dass sie ihre Cyberrisiken aktiv managen und sich auf gesetzliche Anforderungen einstellen müssen. Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie seit November 2025 zwingt zu klaren Verantwortlichkeiten und schnellen Reaktionen auf Vorfälle.
Firmen in der Region können sich auf Unterstützung durch Fachberater wie Dr. Marco Lück und Branchenverbände wie die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) verlassen, die praktische Hilfestellungen bieten. Weitere Informationen zur Cybersicherheit im Mittelstand bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
Für Unternehmen bedeutet dies einen Ausbau von Präventions- und Reaktionsstrategien, die Investitionen in IT-Sicherheit und eine engere Einbindung der Geschäftsleitungen. Damit soll die Produktionsfähigkeit langfristig gesichert und Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben.
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