Glasgow. Vor 40 Jahren begann die Karriere von Jimmy Somerville, dessen Lebenswerk weit über Musik hinausgeht und bis heute als Symbol für gesellschaftliche Befreiung und queeren Aktivismus gilt. Mit der Band Bronski Beat, später The Communards, und seiner unverkennbaren Stimme prägte er eine ganze Generation.
Jimmy Somerville feiern: Ein Lebenswerk zwischen Musik und Aktivismus
Von Glasgow nach London: Der Anfang eines Wegbereiters
Jimmy Somerville wuchs in einem armen Viertel von Glasgow auf, einer Stadt, in der Homosexualität damals noch strafbar war. 1979 verließ er im Alter von 17 Jahren seine Heimatstadt, um in London eine Gemeinschaft zu finden, in der er offen leben konnte. Dort engagierte er sich in der London Gay Teenage Group, die jungen Homosexuellen Halt und Unterstützung bot. Ohne formale musikalische Ausbildung begann Somerville, eigene Songs zu schreiben, die zunächst als Soundtrack für einen queeren Dokumentarfilm dienten.
Bronski Beat und der Durchbruch mit „Smalltown Boy“
Mit den Musikern Larry Steinbachek und Steve Bronski gründete Somerville die Band Bronski Beat. Die Single „Smalltown Boy“ wurde 1984 ein internationaler Hit und schilderte die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Heimat verlassen muss, weil er dort nicht als schwul akzeptiert wird. Dieses Lied wurde nicht nur zu einem musikalischen Erfolg, sondern auch zu einem politischen Statement, das gesellschaftliche Missstände anprangerte. Das Album The Age of Consent beinhaltete neben ehrlichen Texten auch eine Liste mit Schutzalterregelungen für sexuelle Beziehungen in verschiedenen Ländern – ein Protest gegen diskriminierende Gesetze im Vereinigten Königreich.
The Communards: Weitere musikalische und gesellschaftliche Akzente
Nach dem Austritt aus Bronski Beat gründete Somerville zusammen mit Richard Coles das Duo The Communards. Mit ihrem Hit „Don’t Leave Me This Way“ erreichten sie 1986 die Spitze der britischen Charts. Die Band setzte auch auf eine politische Botschaft: Sie wollte dominierende männliche Strukturen in der Rockmusik hinterfragen und förderte Frauen in der Musikindustrie. Der Tod von Jimmys Freund Mark Ashton durch AIDS beeinflusste sein Engagement stark und führte zu verstärktem Aktivismus für HIV-Patienten und queere Rechte.
Rückzug und fortbestehendes Erbe
Trotz des großen Erfolgs zog sich Somerville in den 1990er Jahren aus dem Rampenlicht zurück. Er galt als schwierig im Umgang mit der Musikindustrie und konzentrierte sich auf seine künstlerische Freiheit, auch wenn er kommerziell nie wieder an frühere Erfolge anknüpfen konnte. Heute wird sein Lebenswerk wiederentdeckt und gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Rückschritte gewinnt seine Musik und sein Engagement an Bedeutung. Junge queere und trans Künstler sehen in seinen Liedern eine wichtige Quelle der Kraft und Identifikation.
„Jimmy Somerville mag heute ein stiller Mensch sein, der Interviews meidet und den Kontakt zu alten Weggefährten nur sporadisch pflegt. Doch wenn man die Augen schließt und ‚Smalltown Boy‘ hört, spürt man ihn wieder: diesen unbändigen Willen zur Freiheit“, heißt es in der Rückschau.
Zukunftsperspektiven und Bedeutung von Jimmy Somervilles Lebenswerk
Auch vier Jahrzehnte nach seinem Debüt bleibt die Musik von Jimmy Somerville ein Maßstab in der Darstellung queerer Lebensrealitäten. Initiativen und Künstler sollten sein Erbe weitertragen und die Botschaften gegen Diskriminierung und für Akzeptanz in die heutige Zeit übersetzen. Zudem steht dem 40-jährigen Jubiläum seines ikonischen Albums The Age of Consent eine Reihe von Veranstaltungen und Veröffentlichungen bevor.
Weitere Informationen zu queeren Künstlern und Themen bietet das Magazin regionalupdate.de. Hintergrundinformationen zur Geschichte der LGBTQ+-Bewegung finden Interessierte auf der Webseite des Deutschen Historischen Museums.
Jubiläum und Wirkung: Das Fortbestehen von Jimmy Somervilles Einfluss
Somervilles Wirken zeigt, wie eng Kunst und politisches Engagement sein können. Die Verschmelzung von musikalischem Erfolg und gesellschaftlicher Botschaft macht sein Lebenswerk zu einem Vorbild. In einer Zeit, in der homophobe Tendenzen wieder zunehmen, erinnert sein Schaffen daran, wie wichtig Solidarität und Sichtbarkeit sind. Künftige Projekte, Konzerte und Veröffentlichungen zum 40-jährigen Jubiläum unterstreichen die bleibende Relevanz seiner Musik und Haltung.