Holocaust-Gedenktag im Cloppenburger Rathaus mit Rabbi Ufferfilge

Anzeige
Digitale Realität

Cloppenburg. Beim Holocaust Gedenktag Cloppenburg versammelten sich rund 100 Gäste im Rathaus, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken und aktuelle Erfahrungen mit Antisemitismus zu thematisieren. Der Vortrag des Oldenburger Rabbiners Levi Israel Ufferfilge sowie Berichte von Schülerinnen über ihre Eindrücke in Auschwitz setzten dabei eindrucksvolle Zeichen für Erinnerung und Wachsamkeit.

Gedenken verbindet alle beim Holocaust Gedenktag Cloppenburg

Erinnerungen an Auschwitz: Berichte der Schülerinnen

Im Rahmen der Veranstaltung im Ratssaal informierten zwei Schülerinnen des Clemens-August-Gymnasiums Cloppenburg über ihre Teilnehmerreise nach Krakau und Auschwitz. Sarah Hagedorn und Charlotte Lüken schilderten die bedrückende Atmosphäre vor Ort eindrücklich. Besonders die Besichtigung der Kinderbaracken, der Räume für medizinische Experimente und der Gaskammern sowie die Ausstellung mit persönlichen Gegenständen der Opfer hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Diese direkte Begegnung mit den Gedenkstätten verdeutlichte, dass der Holocaust keine abstrakte Geschichte ist, sondern ein tatsächliches Unrecht in einem Ausmaß, das kein Geschichtsbuch vermitteln könne.

Der Vortrag von Rabbi Levi Israel Ufferfilge

Als Hauptredner berichtete Rabbi Levi Israel Ufferfilge aus seinem Alltag als Jude in Deutschland. Er schilderte, wie er bereits als Kind lernte, seine jüdische Identität zu verbergen, und wie er sich später bewusst dafür entschied, seine Kippa offen zu tragen. Trotz wiederholter antisemitischer Angriffe und Diskriminierungen blieb er standhaft. Mit seinem Buch „Nicht ohne meine Kippa! Mein Alltag in Deutschland zwischen Klischees und Antisemitismus“ beschreibt er diese Erfahrungen.

„Wir müssen miteinander reden und wachsam bleiben“, betonte Rabbi Ufferfilge, der zugleich mit Humor und emotionaler Tiefe spricht.

Er wies darauf hin, dass Antisemitismus heute als virulentes und aktuelles Phänomen von Polizei und Behörden ernster genommen wird. Dennoch sei der Schutz jüdischer Einrichtungen unverzichtbar, was Sicherheitsmaßnahmen wie Zäune, Sicherheitspersonal und schussfestes Glas zeigten.

Bedeutung und Organisation der Gedenkfeier

Bürgermeister Neidhard Varnhorn eröffnete die Veranstaltung mit der Mahnung, den Holocaust nicht zu vergessen oder zu relativieren. Er hob hervor, dass Verantwortung für die Erinnerung übernommen werden müsse. Organisiert wurde die Feierstunde von Dr. Irmtraud Kannen, die im Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Oldenburg tätig ist. Sie würdigte auch das langjährige Engagement von Karl Sieverding, der trotz Alters- und Gesundheitsgründen an der Gedenkfeier teilnahm.

Im Foyer des Rathauses waren zudem Friedensstelen der Pfarreiengemeinschaft Artland ausgestellt. Die Kunstwerke aus Glas-Collagen symbolisierten die Hoffnung auf Frieden und sind noch bis Mitte Februar zu sehen.

Begleitende Angebote und Empfehlungen

Am Büchertisch konnten Besucher das Buch von Rabbi Ufferfilge sowie ein empfohlenes Kinder-Sachbuch über den Holocaust von Carla Infanta Gabor erwerben. Dr. Kannen empfahl dieses Buch ausdrücklich für Familien und Schulen als eine sachlich richtige und verständliche Einführung in das Thema.

Ausblick: Erinnerung lebendig halten

Der Holocaust Gedenktag Cloppenburg unterstreicht die Notwendigkeit, Erinnerung aktiv zu gestalten und gesellschaftliche Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus zu fördern. In den kommenden Wochen sind die Friedensstelen weiterhin im Rathaus zu besichtigen. Zudem plant die GCJZ weitere Bildungsangebote und Initiativen, um junge Menschen für die Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens zu sensibilisieren.

Für weiterführende Informationen zur Geschichte des Holocaust und Bildungsangebote empfehlen wir den Besuch der Seite der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau sowie die Themenseiten von regionalupdate.de.

Sie möchten wissen, was sonst noch im Kreis Cloppenburg passiert? Alle weiteren Nachrichten finden Sie in unserer Kategorie „Kreis Cloppenburg“.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel