Hamburg. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass medizinische Innovation für Ärzt:innen in Deutschland zentral für den Therapiealltag ist, jedoch der Zugang zu neuen Therapien nicht flächendeckend gewährleistet ist. Die Fokus-Keyphrase medizinische innovation ärzte deutschland unterstreicht die Bedeutung von Reformen und Investitionen im Gesundheitssystem, die von vielen Befragten gefordert werden.
Mehr Innovation jetzt
Die Onlineumfrage unter 267 Ärzt:innen aus sechs Fachrichtungen verdeutlicht, wie wichtig neue medizinische Entwicklungen im Praxisalltag sind. 99 Prozent der Teilnehmenden bewerten Innovationen als sehr wichtig, insbesondere bei therapieresistenten Erkrankungen, seltenen Erkrankungen ohne Behandlungsoptionen und Fällen, in denen bestehende Therapien nicht ausreichend wirksam sind. Trotz des Nutzens innovativer Therapien für Patient:innen gibt es deutliche Defizite beim Zugang.
Deutschland steht im internationalen Vergleich unter Druck, insbesondere in Bezug auf die Verfügbarkeit neu zugelassener Arzneimittel. 74 Prozent der Befragten sehen es kritisch, dass Deutschland hinter anderen Ländern wie den USA zurückliegt, wo seit 2015 zahlreiche „Breakthrough Therapy“-Medikamente zugelassen wurden. Ein Großteil der Ärzt:innen fordert höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie regulatorische Anpassungen, um die Position Deutschlands im Gesundheitsbereich zu stärken.
Reformbedarf im Arzneimittelbewertungssystem
Fast 90 Prozent der Ärzt:innen sind für eine Reform des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG). Sie wünschen sich eine Anpassung der Bewertung und Erstattung neuer Medikamente an aktuelle wissenschaftliche Standards. Zudem sollten zusätzliche patient:innenrelevante Kriterien, wie therapiefreie Zeiten neben der Lebensqualität, stärker berücksichtigt werden. Die Verfügbarkeit verschiedener Therapieoptionen erachten 99 Prozent der Befragten als essenziell.
„Ein modernes AMNOG muss den tatsächlichen Nutzen für Patient:innen genauso ernst nehmen wie klassische Studiendaten“, erklärte Dr. Niko Andre, Head of Oncology bei AstraZeneca Deutschland.
Internationale Vergleiche und gesundheitspolitische Sorgen
Die Mehrheit der Ärzt:innen betrachtet die gesundheitspolitischen Entwicklungen in den USA, etwa die „Most Favored Nation“-Strategie, kritisch, da sie negative Auswirkungen auf die Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel in Deutschland befürchten. Nur 13 Prozent halten das aktuelle Niveau der Investitionen für ausreichend, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und die Gesundheitssouveränität Europas zu sichern.
„Nur durch gemeinsames Handeln können wir es schaffen, dass neue Therapien schneller in der Versorgung ankommen“, so Alexandra Bishop, Geschäftsführerin von AstraZeneca Deutschland.
- 99 % der befragten Ärzt:innen sehen Innovationen als wichtig an
- 78 % betonen den Bedarf bei therapieresistenten Erkrankungen
- 80 % fordern mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung
- 90 % sprechen sich für AMNOG-Reformen aus
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Bedeutung für Hamburg und die breite Öffentlichkeit
Die Ergebnisse der Umfrage betreffen Hamburg als wichtigen Standort im Gesundheitswesen und Pharmabereich, der von Investitionen in Forschung und Entwicklung profitieren könnte. Für Patient:innen bedeutet dies langfristig einen besseren Zugang zu neuen Therapien, insbesondere bei schwer behandelbaren Erkrankungen. Die Forderungen nach Reformen des AMNOG und einer stärkeren Berücksichtigung patient:innenzentrierter Kriterien sind sowohl für Ärzt:innen als auch für Patient:innen relevant.
Politische Entscheidungsträger und Gesundheitsinstitutionen in Hamburg und bundesweit sind gefordert, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um medizinische Innovationen nicht zurückfällt. Weitere Informationen zu medizinischer Innovation und Gesundheitspolitik finden Sie bei regionalupdate.de sowie auf den Seiten des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa).
Der geplante Reformbedarf und die Forderung nach mehr Investitionen deuten auf anstehende Entwicklungen hin, die für Ärzt:innen und Patient:innen gleichermaßen von Bedeutung sind.