München. Jedes vierte Mädchen erleidet eine Beschneidung durch medizinisches Personal. Die weibliche genitalverstümmelung medizin wird zunehmend verbreitet, obwohl sie gravierende gesundheitliche Folgen haben kann.
FGM durch Mediziner
Medikalisierung der weiblichen Genitalverstümmelung: Hintergründe und Ursachen
Die Verlagerung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM/C) in den medizinischen Bereich hat mehrere Ursachen. Viele Angehörige und Gesundheitspersonal gehen davon aus, dass der Eingriff hygienischer und risikoärmer durchgeführt wird. Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen jedoch, dass die Risiken – etwa aufgrund größerer Schnitttiefen – sogar steigen können. Zudem sind viele Gesundheitsdienstleister selbst Teil der Gemeinschaften, die die FGM/C praktizieren, und halten aus religiösen oder kulturellen Gründen daran fest. Ein weiterer Faktor ist die finanzielle Motivation, denn in einigen Ländern des globalen Südens existiert ein wachsender „Markt“ für solche Eingriffe im Gesundheitssektor.
Verbreitung und Strafverfolgung in verschiedenen Regionen
In Süd- und Südostasien, etwa in Indonesien, nimmt die Medikalisierung der FGM rapide zu. Dort sind über 60 Millionen Mädchen und Frauen betroffen, wobei in städtischen Gebieten 62 Prozent der Mädchen zwischen 0 und 11 Jahren durch medizinisches Personal beschnitten werden. Trotz Verbots wird die Praxis selten strafrechtlich verfolgt. Ähnliche Trends zeigen afrikanische Länder wie Sudan und Ägypten, wo die Raten bei 67 beziehungsweise 38 Prozent liegen. In Ägypten existieren zwar strengere Strafen für medizinisches Personal als für traditionelle Ausführende, allerdings werden gesetzliche Vorgaben oft nicht konsequent durchgesetzt.
„Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, für die es keine medizinische Rechtfertigung gibt. Gerade Gesundheitspersonal sollte sich der Gefahren der Beschneidung bewusst sein. Wir müssen die Aufklärungsarbeit hier stärker vorantreiben und auf der strafrechtlichen Verfolgung dieser Menschenrechtsverletzung beharren“, sagte Boris Breyer, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.
Unterstützung durch die SOS-Kinderdörfer
Die SOS-Kinderdörfer engagieren sich weltweit gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Ihre Arbeit umfasst Aufklärungsprogramme in Schulen und Gemeinden sowie Initiativen zur Stärkung der Rechte und Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen. Betroffene erhalten in medizinischen Einrichtungen der Organisation kostenlose Behandlungen und psychosoziale Unterstützung für die Bewältigung traumatischer Folgen der Verstümmelung.
- Aufklärungsarbeit an Schulen und in Gemeinden
- Programme zur Förderung weiblicher Selbstermächtigung
- Kostenlose medizinische und psychologische Betreuung
Weitere Informationen gibt es bei den SOS-Kinderdörfern und der WHO unter who.int.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Schlussbetrachtung: Bedeutung für Deutschland und das Engagement vor Ort
In Deutschland spielt das Thema weibliche genitalverstümmelung medizin vor allem vor dem Hintergrund von Migration und Menschenrechtsschutz eine Rolle. Fachkräfte im Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen sind aufgerufen, über die Risiken aufzuklären und Betroffene zu unterstützen. Die internationale Arbeit von Organisationen wie den SOS-Kinderdörfern liefert wichtige Impulse für Prävention und Heilung, die auch hierzulande relevant sind. Geplant sind zudem verstärkte Sensibilisierungsprogramme sowie der Ausbau von Hilfeangeboten für betroffene Mädchen und Frauen. Für weiterführende Informationen und Hilfsangebote verweisen wir auf die Beiträge bei regionalupdate.de.