Hannover. Die Zahl der Fälle weiblicher Genitalverstümmelung steigt weltweit weiter an, immer häufiger wird der Eingriff von medizinischem Fachpersonal durchgeführt. Die Fokus-Keyphrase weibliche genitalverstuemmelung medizinisch steht dabei im Mittelpunkt einer aktuellen Analyse.
Neue Studie warnt vor steigender Zahl medizinisch durchgeführter weiblicher Genitalverstümmelung
Eine aktuelle Analyse von End FGM zeigt, dass weibliche Genitalverstümmelung mittlerweile in mindestens 94 Ländern dokumentiert ist. Etwa 230 Millionen Frauen weltweit leiden unter den Folgen dieses Eingriffs, dies sind rund 30 Millionen mehr als noch im Jahr 2016. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass inzwischen jede vierte Genitalverstümmelung von medizinischem Fachpersonal durchgeführt wird.
Angela Bähr, Vorständin Programme der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), warnt vor einer zunehmenden Medikalisierung des Eingriffs. Sie sieht darin die Gefahr, dass die Menschenrechtsverletzung gesellschaftlich akzeptiert werden könnte. Zwar verfügen bereits 58 Staaten über Gesetze, die weibliche Genitalverstümmelung explizit verbieten. Doch der Gesetzsschutz allein reicht häufig nicht aus, wie die große Zahl betroffener Mädchen und Frauen vor allem in Europa zeigt.
Formen und Folgen weiblicher Genitalverstümmelung
Weibliche Genitalverstümmelung wird meist an jungen Mädchen vor der Pubertät durchgeführt. Dabei werden Teile der weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen entfernt oder verletzt. Die Eingriffe reichen von der teilweisen oder vollständigen Entfernung der Klitoris und Schamlippen bis hin zum Verschluss der Vaginalöffnung.
Die gesundheitlichen Folgen sind vielfältig und oft lebenslang: Probleme beim Wasserlassen, Schwierigkeiten bei der Menstruation, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, ein erhöhtes Risiko bei Geburten sowie psychische Traumata. Viele Mädchen überleben den Eingriff nicht. Die Tatsache, dass medizinisches Personal den Eingriff durchführt, macht ihn nicht ungefährlicher. Im Gegenteil, Studien deuten darauf hin, dass medizinisch durchgeführte Genitalverstümmelungen oft tiefer und schwerer ausfallen können.
Rechtliche und gesellschaftliche Herausforderungen
Trotz bestehender Gesetze bleiben Aufklärung und Prävention entscheidend. Angela Bähr betont, dass es vor allem in Gemeinschaften wichtig ist, Mädchen, Jungen und Eltern die Folgen und Hintergründe der Tradition zu vermitteln. Weibliche Genitalverstümmelung ist kein religiöser Ritus, sondern tief verwurzelte Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. Aktuell sind weltweit rund 4,4 Millionen Mädchen bedroht, täglich sind es 1200. Ohne verstärkte Präventionsmaßnahmen wird die Zahl bis 2030 auf 4,6 Millionen steigen.
- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört zu den Organisationen, die sich für ein Ende dieser Praxis einsetzen.
- Präventionsprogramme sind bisher chronisch unterfinanziert.
- Nach dem Rückzug der USA aus UN-Institutionen sei die Rolle anderer Staaten wie Deutschland umso wichtiger.
„Der Schaden, den weibliche Genitalverstümmelung verursacht, ist unabhängig davon, wer sie durchführt“, sagte Angela Bähr.
„Vermeintlich hygienische und meist teure Beschneidungen durch Fachpersonal machen den Eingriff nicht besser, sie können sogar gefährlicher sein.“
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Lokaler Bezug und Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung mit Sitz in Hannover engagiert sich international gegen weibliche Genitalverstümmelung und beteiligt sich an politischen und gesellschaftlichen Initiativen, um das Ziel der Vereinten Nationen zu unterstützen. Obwohl weibliche Genitalverstümmelung vorwiegend in anderen Regionen praktiziert wird, leben auch in Deutschland und Niedersachsen viele betroffene Mädchen und Frauen. Deshalb ist die Sensibilisierung und Information vor Ort von großer Bedeutung für Prävention und Unterstützung.
Für die Bürgerinnen und Bürger in Hannover und darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass Aufklärung in Schulen und Gemeinden zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die DSW fordert stärkere finanzielle Förderung von Präventionsprogrammen und die Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen, um bewährte Schutzmaßnahmen umzusetzen. Weitere Informationen gibt die Organisation auf ihrer Webseite unter DSW – weibliche Genitalverstümmelung.
Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema empfehlen wir zudem den Beitrag der WHO unter WHO-Website zum Thema FGM.
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