Heppenheim. Nach dem Abbruch des letzten von vier Kühltürmen auf dem Gelände des Kernkraftwerks Biblis sind die Nistplätze für 800 Mehlschwalben in 80 Meter Höhe endgültig zerstört worden. Der Mehlschwalben Rettungsplan Biblis steht im Mittelpunkt, da die vorhandenen Ausgleichsmaßnahmen bisher nicht angenommen werden und die bedeutendste Mehlschwalben-Kolonie in Hessen in Gefahr ist.
Schwalbenschutz sichern
Der Rückgang der Mehlschwalben im Gebiet von Biblis ist auf den Abriss der Kühltürme zurückzuführen, die einst wichtige Brutstätten boten. Trotz der von RWE Nuclear eingerichteten Ersatznistplätze durch acht Schwalbentürme mit 430 Nestern außerhalb der Bebauung, wurden diese laut jährlichen Monitoring-Berichten seit 2023 nicht besiedelt. Bereits vor dem Abbruch war die geringe Erfolgsaussicht der Ausgleichsmaßnahmen den Behörden bekannt.
Rechtliche Situation und Widerspruch
Das Naturschutzbündnis, bestehend aus MUNA, BUND Kreis Bergstraße und Wildtierschutz Deutschland, hat den Kreis Bergstraße formell aufgefordert, den zuvor eingelegten Widerspruch gegen die Abbruchgenehmigung zu behandeln und die Maßnahmen zu verbessern. Der beauftragte Anwalt betont, dass diese Ausgleichsmaßnahmen nicht nur bestehen, sondern auch effektiv sein müssen, um Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz zu vermeiden.
Aktuelles Geschehen rund um den Abriss
Trotz laufender Widersprüche wurde der letzte Kühlturm vorzeitig abgerissen, um Gefahren durch eine angebliche Instabilität abzuwehren. Beobachtungen vor Ort zeigen, dass seit dem Eingang des Widerspruchs am 13. Januar intensiv am Abriss gearbeitet wurde und der kontrollierte Einsturz zehn Tage vor dem ursprünglichen Termin erfolgte. RWE hat vorgeschlagene gemeinsame Lösungen zur Verbesserung der Situation mit den Naturschutzorganisationen mehrfach abgelehnt.
Bevorstehende Brutzeiten erfordern nun schnelle und wirksame Maßnahmen, da die Mehlschwalben ab Mitte März an ihre früheren Nistplätze zurückkehren.
Beispiel:
„Ziel muss es sein, bis zur Ankunft der Mehlschwalben ab Mitte März ausreichende Brutmöglichkeiten an den höchsten Gebäuden der Anlage in Biblis zu schaffen“, erläutert Florinde Stürmer von Wildtierschutz Deutschland.
Einige Fakten auf einen Blick:
- 800 Mehlschwalben verloren Nistplätze durch Abriss der Kühltürme
- 8 Ersatz-Schwalbentürme mit 430 Nestern wurden nicht angenommen
- Naturschutzbündnis fordert wirksame Maßnahmen und rechtliche Nachbesserungen
- RWE lehnte Kooperation zur Lösung der Probleme ab
Weitere Informationen zum Thema Naturschutz und Flora/Fauna in der Region finden Sie bei regionalupdate.de sowie auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Bedeutung und Ausblick für die Region Biblis
Der Verlust der Mehlschwalben-Kolonie hat erhebliche ökologische Auswirkungen im Kreis Bergstraße. Die Mehlschwalben übernehmen wichtige Rollen im Ökosystem, etwa durch die Regulierung von Insektenpopulationen. Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit, wirksame Naturschutzmaßnahmen zu implementieren, die über reine Ersatzstrukturen hinausgehen und die Lebensbedingungen der Vögel tatsächlich sichern.
Für Bürgerinnen und Bürger vor Ort ist es wichtig, dass die Behörden zügig reagieren und den von den Naturschutzverbänden vorgelegten Maßnahmenplan unterstützen. Bis Mitte März sollen neue Brutmöglichkeiten an den Anlagen geschaffen werden. Das Naturschutzbündnis bietet seine Beratung hierfür an. Die Umweltbehörden müssen die Nebenbestimmungen zur Abbruchgenehmigung anpassen und wirksame Maßnahmen zur Kompensation festlegen.
Bleiben Sie informiert über den aktuellen Stand und weitere Entwicklungen in Hessen auf regionalupdate.de.