Baierbrunn. Nur 55 Prozent der Deutschen beginnen bei einem Herzstillstand mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Experten fordern deshalb, das Thema herzstillstand reanimation leben verstärkt in Schulen zu verankern.
10.000 Leben retten
Bei einem plötzlichen Herzstillstand sind schnelle Reaktionen entscheidend. Prof. Dr. Camilla Metelmann vom Arbeitskreis Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin erklärt, dass das Herz aufhört zu schlagen und dadurch die Sauerstoffversorgung unterbrochen wird. Nach drei bis fünf Minuten sterben Gehirnzellen unwiederbringlich ab. Die Rettungskräfte benötigen im Durchschnitt acht Minuten oder länger, besonders im ländlichen Raum. Deshalb können Laien durch eine Herzdruckmassage die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und die Überlebenschancen verdoppeln bis verdreifachen.
In Deutschland beginnen nur 55 Prozent der anwesenden Personen mit der Wiederbelebung, während Länder wie Dänemark, Norwegen oder Tschechien Quoten von über 80 Prozent erreichen. Prof. Dr. Bernd Böttiger, Vorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung, kritisiert:
„Deutschland ist in Sachen Reanimation nur unteres Mittelmaß. Hierzulande sterben viel zu viele Menschen inmitten von Menschen, die untätig auf den Rettungsdienst warten.“
Reanimationstraining an Schulen gefordert
Böttiger fordert die Politik auf, ab der siebten Klasse jährlich zwei Stunden Reanimationstraining in den Schulunterricht einzuführen. Dänemark zeigt, dass das funktioniert: Seit Einführung des Trainings im Jahr 2000 stieg die Laien-Reanimationsquote von unter 20 auf über 80 Prozent, wodurch sich die Überlebenschancen verdreifachten. Die Schulkinder wirken als Multiplikatoren und bringen das Wissen in ihre Familien.
Das Vorgehen bei der Wiederbelebung ist für Laien simpel:
- Prüfen, ob die Person reagiert.
- Die 112 anrufen.
- Mit der Herzdruckmassage beginnen, fest und schnell drücken, etwa im Takt von „Stayin’ Alive“.
Beatmung oder Einsatz eines Defibrillators ist für Laien nicht zwingend notwendig. Eventuell können Rippen brechen, was aber weniger schlimm ist als Tod oder bleibende Hirnschäden.
Herzstillstand passiert meistens zu Hause
Mehr als 70 Prozent der Herzstillstände ereignen sich im häuslichen Umfeld. Dr. Tanja Mansfeld vom Deutschen Roten Kreuz rät, Erste-Hilfe-Kurse zu besuchen und im Notfall sofort die 112 zu wählen. Die Leitstelle gibt live Anweisungen zur Reanimation. Ein Hindernis zum Helfen sind häufig Unsicherheit und Angst vor Fehlern.
„Das Einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun“, betont Böttiger.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Bedeutung für die Region und weitere Schritte
Auch in der Region ist die niedrige Reanimationsquote ein Thema mit hoher Relevanz. Die meisten Herzstillstände passieren im privaten Umfeld, weshalb es wichtig ist, dass Bürgerinnen und Bürger die Grundlagen der Reanimation kennen und sich sicher fühlen. Erste-Hilfe-Kurse und regelmäßige Trainings können die Bereitschaft zum Helfen erhöhen.
Geplante Initiativen, wie die Einführung von Reanimationstrainings in Schulen, könnten die Situation deutlich verbessern. Zudem sollten örtliche Organisationen und Kommunen verstärkt darüber informieren und Angebote zur Schulung bereitstellen.
Weiterführende Informationen sowie Kurse bietet beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz DRK Erste Hilfe. Für medizinische Fakten und aktuelle Empfehlungen ist die Seite der Deutschen Herzstiftung eine zuverlässige Quelle.
Einen Überblick über weitere regionale Gesundheitsthemen finden Sie auf regionalupdate.de.
