Erste psychiatrische Präventionsambulanz in Niedersachsen eröffnet

Lüneburg. Die Psychiatrische Klinik Lüneburg (PKL) richtet mit Unterstützung des Landes Niedersachsen die erste psychiatrische Präventionsambulanz in Niedersachsen ein. Das Modellprojekt zielt darauf ab, psychisch erkrankte Menschen mit erhöhtem Risiko für gewalttätiges Verhalten frühzeitig zu unterstützen und potenzielle Opfer zu schützen. Die Maßnahme wird mit zwei Millionen Euro für vier Jahre gefördert.

Neue Psychiatrie-Vorsorge: psychiatrische präventionsambulanz niedersachsen

Die neu entstehende psychiatrische Präventionsambulanz ist ein spezialisiertes Angebot, das die Versorgung psychisch Erkrankter im Bereich Lüneburg und Harburg ergänzt. Im Fokus stehen Menschen, deren psychische Erkrankung mit einem möglichen straffälligen Verhalten einhergehen könnte. Das Angebot der PKL richtet sich dabei auch an Menschen, die bisher von vorhandenen Hilfeangeboten nicht erreicht werden.

Zielsetzung des Modellprojekts

Die Präventionsambulanz soll als niedrigschwelliges, freiwilliges Angebot vermehrt Risikopatienten begleiten und vor einer Eskalation schützen. Dabei ist ein interdisziplinärer Ansatz zwischen Allgemeinpsychiatrie und Forensik vorgesehen. Der Fokus liegt auf einer differenzierten Risikoabschätzung und frühzeitigen präventiven Behandlung mit proaktivem Charakter.

Förderung und Aufbau

Das Land Niedersachsen unterstützt das auf vier Jahre angelegte Projekt mit zwei Millionen Euro. „Das Konzept einer Präventionsstelle hat sich bereits an anderen Standorten, wie am Bezirksklinikum Ansbach in Bayern, bewährt“, erklärt Jan-Hendrik Kramer, Geschäftsführer der PKL. Aktuell wird Personal für das Team rekrutiert, um die Arbeit der Ambulanz aufnehmen zu können.

„Mit der ersten psychiatrischen Präventionsambulanz in Niedersachsen wird ein wichtiger Schritt unternommen, um die Lücken zwischen Allgemeinpsychiatrie und Maßregelvollzug zu schließen“, betont Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi.
„Durch den interdisziplinären Wissensaustausch wird eine differenzierte Risikoabschätzung ermöglicht, die präventive Behandlung psychisch erkrankter Menschen verbessert und den Opferschutz stärkt.“

Regionale Bedeutung und Angebot

Die Präventionsambulanz richtet sich zunächst an Menschen im Einzugsgebiet der Erwachsenenpsychiatrie der PKL, also in Lüneburg sowie im Landkreis Harburg. Das Angebot ergänzt das bestehende Versorgungssystem und schafft eine Anlaufstelle für eine klar definierte Personengruppe. Die kontinuierliche und individuelle Begleitung soll nachhaltig wirken und schwer erreichbare Erkrankte einbinden.

Zahlen zur Problematik

In Deutschland leben rund 18 Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen. Von diesen werden etwa 15.000 in forensischen Kliniken behandelt, nach straffälligem Verhalten aufgrund ihrer psychischen Störung. Das entspricht einem Anteil von 0,083 Prozent, zeigt jedoch einen Versorgungsbedarf besonders im Bereich Prävention und Früherkennung.

Ausblick auf die psychiatrische Präventionsarbeit in Niedersachsen

Das Modellprojekt „psychiatrische präventionsambulanz niedersachsen“ soll zeigen, wie ein spezialisiertes und präventives Versorgungsangebot gestaltet werden kann, das die Allgemeinpsychiatrie ergänzt. Nach den Vorbereitungen und der Personalakquise ist der Start der Ambulanz geplant. Ziel ist es, die Versorgung schwerpunktmäßig für den Raum Lüneburg und Harburg zu etablieren und damit bundesweit Impulse für die psychiatrische Prävention zu setzen.

Interessierte finden weitere Informationen auf der Webseite der Psychiatrischen Klinik Lüneburg und auf den offiziellen Seiten des Niedersächsischen Sozialministeriums.

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