Hann. Münden. Dr. Leon Weintraub, Shoa-Überlebender, sprach in der Polizeiakademie Niedersachsen vor rund 400 Gästen, vor allem Polizeistudierenden, über seine bewegende Lebensgeschichte und die Bedeutung des Erinnerns. Die Veranstaltung unter dem Fokus „Shoa Überlebender Polizeiakademie“ stärkte das Bewusstsein für demokratische Werte und die Verantwortung der Polizei heute.
Erinnerung aktiv leben – Shoa Überlebender Polizeiakademie
Bewegende Lebensgeschichte und historische Verantwortung
Dr. Leon Weintraub, geboren 1926, erlebte als Jugendlicher die nationalsozialistische Verfolgung aus nächster Nähe. Im Getto Litzmannstadt und später im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gefangen, entkam er den NS-Mördern nur knapp. Nach mehreren Verlegungsaktionen überlebte er den Holocaust trotz der Ermordung vieler Familienangehöriger. Ab 1946 begann er in Göttingen ein Medizinstudium, das er trotz vieler Hürden als Überlebender absolvierte. Später arbeitete er als Facharzt in Polen und wanderte 1969 nach Schweden aus. Dort engagiert er sich bis heute für die Shoa-Erinnerung.
Die Polizeiakademie Niedersachsen lädt ihn seit mehreren Jahren ein, um angehenden Polizistinnen und Polizisten die historische Bedeutung der Shoa und ihre Verantwortung für Demokratie und Menschenwürde nahe zu bringen. Die Auseinandersetzung mit der Rolle der Polizei im Nationalsozialismus ist dabei ein zentraler Baustein.
Begegnungen und Zeichen der Anerkennung
An der feierlich gestalteten Veranstaltung nahm neben Studierenden auch der Direktor der Polizeiakademie, Carsten Rose, teil. Gemeinsam mit Dr. Weintraub pflanzte er einen Baum auf dem Akademiegelände als Symbol der Erinnerung und des Dankes. Carsten Rose betonte:
„Der Baum ist Ihnen, lieber Leon Weintraub, gewidmet – als Zeichen tiefster Dankbarkeit und Hochachtung für Ihren unermüdlichen Einsatz gegen das Vergessen.“
Weintraub ermutigte die jungen Polizistinnen und Polizisten, ihr Wissen aktiv zu nutzen:
„Wir haben ein Gehirn zum Denken, zum Bewerten und zum Entscheiden. Nutzt es!“
Die Verbindung Dr. Weintraubs zur Region Niedersachsen bleibt eng. Im November 2024 sprach er im Niedersächsischen Landtag und nahm gemeinsam mit seiner Familie an einer Gedenkveranstaltung in Hann. Münden teil. Außerdem begleitet er Bildungsreisen der Polizeiakademie an historische Orte wie Lodz und Chelmno.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Abschluss: Erinnerungskultur und zukünftige Entwicklungen in Südniedersachsen
Die Veranstaltungen mit Dr. Leon Weintraub stärken die Erinnerungskultur in Südniedersachsen und verankern das Thema Shoa im polizeilichen Bildungsauftrag. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies eine bewusste Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ein klares Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten, die im Alltag geschützt werden müssen.
In den kommenden Wochen wird Dr. Weintraub in Göttingen mit dem Friedenspreis ausgezeichnet und erhält die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät, womit seine Lebensleistung weiter gewürdigt wird. Die Polizeiakademie plant auch künftig, junge Polizeikräfte aktiv in Bildungsreisen und Workshops einzubinden, die historische Verantwortung und ethisches Handeln fördern.
Weitere Informationen zur Polizeiakademie Niedersachsen und deren Bildungsarbeit finden Sie auf regionalupdate.de. Vertiefende Hintergründe zum Thema Shoa bietet die Webseite der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.
Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der Polizeiakademie Niedersachsen
