München. Klaus-Peter Stöppler, Bau- und Immobilienfachmann, warnt, dass die Politik Wirtschaft und Bau nicht retten werde. Statt auf staatliche Unterstützung zu hoffen, müssten Unternehmen angesichts der aktuellen Lage eigenständig aktiv werden.
Wirtschaft neu denken: Wie Unternehmen Politik, Wirtschaft und Bau selbst gestalten können
Eingeschränkte Rolle der Politik für die Bauwirtschaft
Die aktuelle Regierung setze keine nennenswerten Impulse, um die wirtschaftliche Lage der Bauwirtschaft zu verbessern, so Stöppler. Nach eineinhalb Jahren zeige sich kaum Unterstützung seitens der Politik, weshalb Unternehmen nicht auf Hilfe aus Berlin hoffen sollten.
Viele Verantwortliche schöben notwendige Veränderungen vor sich her, obwohl es zahlreiche interne Möglichkeiten gebe, um Prozesse zu optimieren und Kosten zu senken.
Praxisbeispiele von Innovationslücken in der Bauindustrie
Stöppler nennt konkrete Schwachstellen: Vertriebspotenziale bleiben oft ungenutzt, weil Kundendaten nicht systematisch ausgewertet werden und Angebote ohne klare Differenzierung spät eintreffen. Interne Abläufe entsprechen häufig noch einem veralteten Stand von vor zehn Jahren, obwohl Digitalisierung und Automatisierung erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen würden.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird zwar von etwa 20 bis 25 Prozent der Unternehmen genutzt, liegt damit aber deutlich hinter dem US-amerikanischen Niveau von knapp 40 Prozent zurück. So werde etwa KI in Microsoft Office-Programmen nur rudimentär genutzt, während weiterreichende Anwendungen im Baugewerbe selten zum Einsatz kämen.
Innovationsträgheit trotz Digitalisierungschancen
Das Building Information Modeling (BIM) hat sich in der Branche bisher nur langsam verbreitet. Unter 20 Prozent der Bau- und Ausbauunternehmen setzen BIM-Software ein, obwohl der Bund mit dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen seit 2015 auf eine flächendeckende Nutzung von BIM abzielt. Die teilweise geringe Nutzung liege vor allem an mangelnder Akzeptanz und Umsetzungsbereitschaft in den Betrieben.
Eine positivere Entwicklung zeigt sich bei modularer und serieller Bauweise. Über ein Viertel der neuen Wohngebäude wurde im vergangenen Jahr mit vorgefertigten Elementen errichtet, was Bauzeit, Qualität und Kosten verbessere. Herausforderungen bestünden hier vor allem in langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozessen sowie der fehlenden Verfügbarkeit großer standardisierter Projekte.
Zukunftsträchtige Verfahren wie 3D-Betondruck und Automatisierung
3D-Betondruck und automatisierte Bauverfahren gelten als zentrale Innovationen, die langfristig Fachkräftemangel und Produktivitätsprobleme reduzieren könnten. Trotz dieses Potenzials seien strukturelle Probleme wie Überbürokratisierung und Personalmangel in Bauämtern weiterhin ungelöst.
Stöppler betont, dass positive Meldungen keine Entwarnung bedeuten:
„Die vagen Positivmeldungen der letzten Zeit sind noch kein Anlass zum Jubeln, weil die strukturellen Probleme bislang keineswegs gelöst sind.“
Bedeutung der Bau- und Immobilienbranche für die deutsche Wirtschaft
Eine Umfrage unter 550 Interim Managern zeigt, dass 87 Prozent der befragten Führungskräfte der Bau- und Immobilienbranche eine hohe Bedeutung für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands beimessen. Klaus-Peter Stöppler selbst gilt als einer der renommiertesten Experten in diesem Bereich und unterstützt Firmen als Interim Manager und Beirat.
Weitere Informationen zur Bauwirtschaft und aktuellen Entwicklungen finden Sie auf regionalupdate.de. Zum Thema Digitalisierung und Wirtschaftspolitik bietet das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) ausführliche Informationen an: BMDV Stufenplan Digitales Planen und Bauen.
Zukunftsperspektiven für Politik, Wirtschaft und Bau in Deutschland
Unternehmen sind aufgefordert, aktiv an Prozessen zur Effizienzsteigerung und Innovation mitzuwirken. Digitalisierung, Automatisierung und neue Bauverfahren bieten Chancen, die Branche zukunftsfähig zu gestalten. Zugleich müssen politische Rahmenbedingungen verbessert werden, insbesondere durch Digitalisierung der Verwaltung und Bürokratieabbau bei den Bauämtern.
Klaus-Peter Stöppler empfiehlt Unternehmern, nicht auf politische Rettung zu warten, sondern die vorhandenen Potenziale selbst zu nutzen und so den Strukturwandel im Baugewerbe voranzutreiben. Zukünftige Entwicklungen werden zeigen, ob sich diese Einstellungen in der deutschen Wirtschaft durchsetzen.
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