Mainz. Die aktuelle Recherche des SWR-Formats „team.recherche“ wirft kritische Fragen zur Secondhand Plattform Nachhaltigkeit von „Sellpy“, einem Unternehmen von H&M, auf. Die Reportage zeigt anhand getrackter Kleidungsstücke, dass die Angaben zum Verkauf, Spenden oder Recycling nicht immer der Realität entsprechen.
Nachhaltigkeit hinterfragt bei der Secondhand Plattform Nachhaltigkeit
Umfangreiche Tracker-Recherche über 18 Monate
Die Reporterinnen von „team.recherche“ verfolgten 12 Kleidungsstücke über anderthalb Jahre, nachdem sie sie an „Sellpy“ geschickt hatten. Dabei stellte sich heraus, dass viele Artikel auf weite Reisen bis in andere Kontinente geschickt wurden. Einige Stücke wurden verkauft, andere hingegen landeten an ungewöhnlichen Orten, die „Sellpy“ auf der eigenen Website nicht nennt. Beispielsweise wurde eine Hose, die laut „Sellpy“ gespendet werden sollte, auf einem Autoteilehof in Polen entdeckt. Der dortige Händler bestätigte, Kleidung von „Sellpy“-Partnern weiterzuverkaufen, teils nach Afrika.
Reaktionen von „Sellpy“ und den Partnern
„Sellpy“ erklärte, Verträge mit Spendenpartnern sähen vor, dass verkaufte Artikel nicht außerhalb Europas gehandelt werden dürfen. Man überprüfe die Einhaltung dieser Verträge. Der Spendenpartner kündigte eine Untersuchung an, um Regelverstöße zu verhindern. Zudem führte eine Spur nach Pakistan: Dort wird offenbar Kleidung, die als reif für das Recycling gilt, auf einem Großmarkt in Karachi aussortiert und teilweise zum Verbrennen verwendet. Ob ein getracktes Kleidungsstück diese Endstation fand, ist unklar, erscheint aber wahrscheinlich. Ein von „Sellpy“ genannter Recycling-Partner betont, er halte sich an europäische Vorgaben und habe 2025 nur einen kleinen Teil (10 Prozent) der Kleidung entsorgt.
„Die Produktionsressourcen eines neuen Kleidungsstücks sind höher als die Transportkosten gebrauchter Ware“, so die Argumentation von Sellpy zur Kritik an langen Transportwegen.
Verbraucherschützer kritisieren fehlende Transparenz
Die Projektleiterin Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kritisiert die Versprechen von „Sellpy“ als nicht haltbar. Wer nicht genau nachvollziehen könne, wohin die Kleidung am Ende komme, täusche Verbraucher über die tatsächliche Nachhaltigkeit. Sie spricht von einer Vortäuschung von Nachhaltigkeit und damit von möglicher Verbrauchertäuschung.
- Wichtige Fakten der Recherche:
- 12 Kleidungsstücke mit Trackern verfolgt über 1,5 Jahre
- Artikel kamen u.a. nach Polen und Pakistan
- Kleidung wird teilweise weiterverkauft oder verbrannt
- „Sellpy“ überprüft Verträge mit Partnern
- Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Schlussbetrachtung zur Secondhand Plattform Nachhaltigkeit in Mainz und Umgebung
Die Recherchen verdeutlichen, dass auch in regionalen Angeboten gebrauchter Kleidung Fragen zur nachhaltigen Abwicklung bestehen. Für Verbraucher in Mainz bedeutet dies, bei Angeboten zum nachhaltigen Secondhand-Handel genau hinzuschauen und nicht blind auf Versprechen zu vertrauen. Wichtig sind transparente Informationen über den Verbleib der Kleidungsstücke. Die ARD-Mediathek stellt seit 5. März 2026 die Doku „Inside Secondhand – wo deine Kleider wirklich landen“ bereit, die weiterführende Einblicke bietet. Bürgerinnen und Bürger in der Region können sich dort umfassend informieren. Eine verbesserte Kontrolle von Plattformen wie „Sellpy“ könnte eine Folge der verstärkten öffentlichen Kritik sein.
Weiterführende Informationen zum Thema Nachhaltigkeit im Textilhandel bietet die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz unter verbraucherzentrale-rlp.de. Mehr zur Reportage „team.recherche“ finden Sie auf regionalupdate.de.
team.recherche – Inside Secondhand (externer Link zur ARD-Mediathek)
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
