Berlin. Beim internationalen Fachkongress „Kinder und Kommerz“ in Berlin forderten Expertinnen und Experten aus Recht, Medizin, Politik und Ethik ein konsequentes Vorgehen gegen Leihmutterschaft. Die Debatte drehte sich um die kritische Betrachtung der Leihmutterschaft in Berlin und die Anforderungen an eine strikte Bekämpfung dieser Praxis.
Leihmutterschaft stoppen jetzt
Internationale Perspektiven und Kritik an Leihmutterschaft
Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, bezeichnete Leihmutterschaft als „Gewalt gegen Frauen“ und „Sklaverei“. Sie kritisierte, dass Frauen oft unter unverständlichen Verträgen stehen, die deren Verhalten während der Schwangerschaft kontrollieren. Dies wertete sie als Ausbeutung und forderte einen internationalen Aktionsplan gegen den globalen Handel mit Leihmutterschaft.
„Frauen und Mädchen werden bei Leihmutterschaft ausgenutzt. Leihmutterschaftsverträge sind unverständlich, diktieren Frauen, wie sie zu leben, zu essen und zu gebären haben. Die Normalisierung von Leihmutterschaft bedeutet Ausbeutung und Ausnutzung von Frauen als akzeptabel zu bezeichnen“, sagte die UN-Sonderberichterstatterin auf dem Kongress.
Der Kongress erläuterte, dass die Perspektive der betroffenen Kinder oft vernachlässigt wird. Olivia Maurel, selbst durch Leihmutterschaft geboren, berichtete von ihrer belastenden Erfahrung mit fehlender Bindung und Identitätsproblemen. Die Kinderpsychiaterin Dr. Anna Kováčová stellte die psychologischen Folgen anhand einer Fallstudie dar.
Rechtliche Aspekte und Herausforderungen bei der Durchsetzung
Rechtsfachleute wiesen darauf hin, dass Deutschland über die gesetzlichen Grundlagen verfügt, um Leihmutterschaft vollständig zu verbieten. Allerdings mangelt es nach Angaben von Dr. Felix Böllmann und Eva Engelken am politischen Willen zur konsequenten Umsetzung der Verbote. Frauenheldinnen e.V. klagt gegen Babywunschmessen, auf denen trotz Verbots Kontakte zu Leihmutterschaftsagenturen entstehen.
Birgit Kelle, Bestsellerautorin, kritisierte auch die sogenannte „altruistische Leihmutterschaft“. Sie betonte, dass dabei zwar andere Beteiligte Geld verdienen, die Leihmutter jedoch die gesundheitlichen Risiken trägt, ohne eine Entlohnung zu erhalten.
Medizinische und ethische Sichtweisen
Medizinexperten warnten vor den gesundheitlichen Risiken für Leihmütter, die bislang unzureichend erforscht und thematisiert würden. So sprach PD Dr. Dr. Kai Witzel über die Kommerzialisierung der Medizin im Zusammenhang mit dem wachsenden Leihmutterschaftsmarkt. Ethiker wie Prof. Dr. Dorian Winter bewerteten den Handel mit Kindern als Form der Sklaverei und verwiesen auf die moralischen Probleme.
Prof. Dr. Peter Schallenberg und andere Fachleute betonten die globalen Dimensionen des Geschäfts mit der Leihmutterschaft und forderten eine internationale Ächtung.
„Dass mitten in Deutschland trotz Verbot dieser Praxis auf Babywunschmessen Leihmutterschaftsgeschäfte angebahnt werden, ist skandalöses Unrecht. Die Expertise auf unserem Kongress zeigt: Deutschland muss handeln und sich an die Speerspitze einer internationalen Bewegung setzen, die dies auf höchster Ebene fordert“, erklärte Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA).
Organisationen und Zielsetzungen
Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Veranstalterin des Kongresses, vertritt das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen und zählt etwa 11.000 Mitglieder. Gemeinsam mit anderen Organisationen setzt sie sich für ein weltweites Verbot von Leihmutterschaft ein. Ein kontroverses Podium verdeutlichte die ablehnende Haltung gegenüber Leihmutterschaft als Verstoß gegen den Schutz von Frauen, Kindern und Familien.
Weitere Informationen zu den ethischen und rechtlichen Hintergründen bietet unter anderem die Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung sowie Hintergrundberichte bei regionalupdate.de.
Weitere Schritte im Kampf gegen Leihmutterschaft
Der Kongress in Berlin hat der Politik und der Gesellschaft klare Handlungsempfehlungen übermittelt. Die Durchsetzung bestehenden Rechts gegen Leihmutterschaft soll verstärkt und der internationale Kampf gegen kommerzielle Praktiken intensiviert werden. Zukünftige Veranstaltungen und Lobbyarbeit sind geplant, um das Bewusstsein für die Problematik weiter zu schärfen und verbindliche Maßnahmen zu erreichen.
