Krankheitstage in Europa: Deutschland landet auf Platz 7

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Berlin. Eine neue Datenanalyse vergleicht die Krankheitstage in Europa und beleuchtet insbesondere die Position Deutschlands. Die Studie zeigt, dass bei den krankheitstagen europa deutschland im Mittelfeld liegt, mit 3,6 Wochen Krankenstand pro Jahr – über dem EU-Durchschnitt, aber deutlich unter Spitzenreitern wie Norwegen.

Fehlzeiten in Europa

Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern

Die Untersuchung basiert auf harmonisierten Daten der OECD und vergleicht 25 europäische Länder. Deutschland belegt gemeinsam mit Belgien Rang sieben bei der Anzahl der Krankheitstage. Spitzenreiter sind Norwegen mit fast sechs Wochen sowie Finnland mit fünf Wochen Krankenstand pro Jahr. Der europäische Durchschnitt liegt bei 2,6 Wochen.

Einfluss von Karenztagen und Krankengeldregelungen

Die Studie zeigt keinen messbaren Zusammenhang zwischen der Höhe der finanziellen Sanktionen für Krankmeldungen und der Zahl der Fehlzeiten. So haben Länder wie Portugal, die die ersten drei Krankheitstage unbezahlt lassen, mit 4,1 Wochen sogar höhere Fehlzeiten als Deutschland. Litauen hingegen zahlt ab dem ersten Tag volles Gehalt und verzeichnet nur 1,5 Wochen Krankenstand.

Ursachen für Fehlzeiten in Deutschland

In Deutschland sind die allgemeinen Fehlzeiten bei klassischen Erkrankungen stabil. Drei Faktoren sorgen jedoch für einen Anstieg der Krankheitstage:

  • Psychische Erkrankungen verursachen 12,5 Prozent aller Fehltage und haben ihre Anzahl seit 2014 um 47 Prozent erhöht.
  • Postpandemische Atemwegserkrankungen sorgen seit 2021 für ein erhöhtes Grundniveau.
  • Weniger als sechs Prozent der Arbeitnehmer sind Langzeiterkrankte (29 oder mehr Tage), verursachen dabei aber über die Hälfte aller Fehltage.

Produktivität und Fehlzeiten

Trotz hoher Fehlzeiten ist die Produktivität in Deutschland und anderen Ländern mit hohem Krankenstand vergleichsweise hoch. Norwegen, das die meisten Krankheitstage aufweist, hat gleichzeitig die zweithöchste Produktivität in Europa. Deutschland rangiert in beiden Bereichen auf Platz sieben, während Länder mit niedrigen Fehlzeiten oft am unteren Ende der Produktivitätsskala stehen.

„Hohe Fehlzeiten sind kein Todesstoß für die Wirtschaftsleistung“, erläutert die Studie.

Für weiterführende Informationen kann die vollständige Studie mit interaktiven Grafiken bei DataPulse Research eingesehen werden: Krankenstand in Europa.

Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.

Bedeutung der Ergebnisse für Deutschland

Die Analyse liefert wichtige Einblicke in die Arbeitsunfähigkeitszeiten und zeigt, dass Deutschland im europäischen Vergleich weder Spitzen- noch Schlusslicht ist. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet dies ein realitätsnahes Bild der Krankheitslage unter Berücksichtigung internationaler Daten. Für Betriebe und Politik können solche Daten helfen, Fehlzeiten differenzierter zu bewerten und zielgerichtete Maßnahmen zu entwickeln.

Zudem weist die Studie auf die besondere Rolle psychischer Erkrankungen und langwieriger Krankheitsverläufe hin, die zunehmend an Relevanz gewinnen. Die Ergebnisse könnten die Diskussion um betriebliche Gesundheitsförderung und Präventionsangebote verstärken.

Weitere Informationen zur Arbeit von Betriebsräten und arbeitsrechtlichen Themen finden Interessierte bei regionalupdate.de und auf der Informationsseite des ifb – Institut zur Fortbildung von Betriebsräten.

Eine umfangreiche Aufarbeitung der internationalen Krankheitsdaten und Methodik bietet das OECD-Portal: OECD Labour Force Surveys.

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