Hannover. Die Milchpreise in Niedersachsen sind weiterhin sehr niedrig, was viele Milchviehbetriebe wirtschaftlich gefährdet. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte fordert daher eine kurzfristige politisch gestützte milchpreis entlastung niedersachsen durch einen freiwilligen Lieferverzicht bei gleichzeitigen Entschädigungszahlungen.
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Die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt ist angespannt. Die Preise für Rohmilch liegen teilweise unter 35 Cent pro Kilogramm, während die Produktionskosten im Bundesdurchschnitt bei mindestens 53,73 Cent liegen. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte diskutierte zusammen mit Verbandsvertretern, wie kurzfristig gegengesteuert werden kann, um die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe in Niedersachsen zu verbessern.
Eine gesetzliche Pflicht zu schriftlichen Verträgen zwischen Landwirten und Abnehmern, die im Rahmen der EU-Gemeinsamen Marktordnung (GMO) geplant ist, soll langfristig zu stabileren Preisen beitragen. Kurzfristig reiche dies jedoch nicht aus, so die Ministerin. Niedersachsen hat auf der anstehenden Agrarministerkonferenz einen Antrag eingebracht, der den Bund auffordert, sich in Brüssel für einen freiwilligen Lieferverzicht mit Entschädigungszahlungen einzusetzen.
Forderungen der Verbände im Überblick
Jens Scherb vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter weist auf den starken Preisverfall hin und betont die Notwendigkeit schnellen Handelns. Das Instrument des freiwilligen Lieferverzichts habe sich bereits 2016 bei der Stabilisierung des Milchmarktes bewährt und könne die Milchmenge an die Nachfrage anpassen. Diese Maßnahme sei für Steuerzahler kostenneutral, da sie aus bereits vorhandenen Krisenfonds finanziert werden könne.
Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) sieht in dem Lieferverzicht eine Möglichkeit, die gegenwärtige Überangebotssituation zu verbessern. Er fordert außerdem eine langfristige Stärkung der Marktposition der Landwirte.
Volker Emshoff von „Land schafft Verbindung“ spricht sich für einen grundlegenden Systemwechsel in der Milchvermarktung aus. Er kritisiert, dass gegenwärtig nur die Milchproduzenten die Konsequenzen von Preisverfällen tragen, nicht jedoch Molkereien oder der Lebensmitteleinzelhandel.
„Der seit mehreren Monaten andauernde Preisverfall bei Rohmilch auf zum Teil deutlich unter 35 Cent pro Kilo gefährdet die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Milchviehbetriebe“, sagte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte.
Hintergrund zur Agrarministerkonferenz und EU-Regelungen
Die Agrarministerkonferenz findet am 19. und 20. März in Bad Reichenhall statt. Dort wird der Antrag Niedersachsens behandelt, der den Bund auffordert, bei der Europäischen Kommission einen Lieferverzicht mit Entschädigung durchzusetzen. Diese Maßnahme basiert auf den Artikeln 219 ff der Gemeinsamen Marktordnung der EU.
Ein weiterer relevanter Punkt ist die geplante Ausweitung der Vertragsverpflichtungen zwischen Landwirten und Abnehmern, die die Marktstabilität verbessern soll. Genossenschaften sind allerdings ausgenommen, sofern ihre Satzungen ähnliche Regelungen enthalten. Etwa 70 Prozent der Milch in Niedersachsen werden genossenschaftlich verarbeitet.
In Niedersachsen gibt es derzeit 7.064 Milchviehbetriebe mit insgesamt 759.037 Milchkühen. Die angespannte Lage macht schnelle und zielgerichtete Lösungen notwendig.
Weitere Informationen zur Agrarministerkonferenz und Milchpreisentwicklung in Niedersachsen finden Sie bei regionalupdate.de und auf der offiziellen Seite des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Niedersachsen. Zusätzliche Informationen zur EU-Gemeinsamen Marktordnung bietet die offizielle EU-Kommissionsseite: Europäische Kommission – Gemeinsame Marktordnung.
Weitere Schritte zur Milchpreis Entlastung in Niedersachsen
Niedersachsen setzt auf der Agrarministerkonferenz eine kurzfristige Entlastung der Milchviehbetriebe durch einen freiwilligen Lieferverzicht mit Entschädigung um. Ziel ist es, die Milchpreise rasch zu stabilisieren und die wirtschaftliche Situation der Landwirte zu verbessern. Langfristig wird parallel an einer Verbesserung der Vertragsregelungen zwischen Erzeugern und Abnehmern gearbeitet. Die Umsetzung der EU-Verordnung und die nationale Rechtsanpassung stehen noch aus.
Die nächsten Beratungen auf EU-Ebene sowie die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen werden in den kommenden Monaten entscheidend für die Entwicklung des Milchmarktes sein. Bauern, Verbände und Politik bleiben in engem Austausch, um die Situation für Milchviehbetriebe in Niedersachsen nachhaltig zu verbessern.
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