Hannover. Die Ärztekammer Niedersachsen fordert die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende. Trotz eines leichten Anstiegs der Organspenden bleibt der Bedarf in Niedersachsen und Deutschland weiterhin deutlich höher.
Mehr Organspenden jetzt: Widerspruchslösung Organspende Niedersachsen
Die Zahl der Organspenden in Deutschland hat im Jahr 2025 mit 985 Spenderinnen und Spendern den höchsten Stand seit 2012 erreicht. Dennoch stehen dem gegenüber 8.207 Patientinnen und Patienten auf der Warteliste, die auf eine Organspende angewiesen sind. Um die Versorgungslücke zu schließen, setzt sich die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) für eine Gesetzesreform ein, die die Widerspruchslösung als Basis für Organspenden vorsieht.
Aktuelle Situation der Organspenden und Warteliste
2016 bis 2025 schwankte die Anzahl der postmortalen Organspender zwischen 797 und 985 Personen. Die Entscheidungslösung, bei der die Zustimmung zur Organspende aktiv dokumentiert werden muss, führte bisher nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Situation. Die Ärztekammer Niedersachsen sieht daher in der Einführung der Widerspruchslösung einen Weg, mehr Spenden zu ermöglichen.
Was bedeutet die Widerspruchslösung?
Bei der Widerspruchslösung gilt jede Person als Organspenderin, sofern sie zu Lebzeiten keinen Widerspruch eingelegt hat. Die individuelle Entscheidung wird dadurch vereinfacht, dass sich die Bürgerinnen und Bürger nicht aktiv mit einem Organspendeausweis registrieren müssen. Der Wille der Verstorbenen wird jedoch weiterhin respektiert; Angehörige werden zur Klärung befragt, wenn keine schriftliche Dokumentation vorliegt.
„Viele Menschen stehen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber, haben dies aber nicht dokumentiert. Daher kommt es zu weniger Spenden als theoretisch möglich“, sagte ÄKN-Präsidentin Dr. med. Marion Charlotte Renneberg.
Die Ärztekammer Niedersachsen appelliert an den Bundestag, das Gesetzgebungsverfahren zur Einführung der Widerspruchslösung zügig voranzutreiben. Die Unterstützung fußt auch auf einer Umfrage aus 2022, die zeigt, dass 84 Prozent der Bevölkerung Organspenden positiv gegenüberstehen.
Bedeutung für Niedersachsen und Deutschland
Die Widerspruchslösung ist in mehreren europäischen Nachbarländern bereits erfolgreich umgesetzt worden. Deutschland profitiert über Eurotransplant von der hohen Spenderzahl in Ländern mit dieser Regelung. Die Ärztekammer Niedersachsen fordert daher eine bessere Aufklärung und Transparenz, damit alle Bürgerinnen und Bürger sich informiert für oder gegen eine Organspende entscheiden können.
Weitere Informationen zur Organspende und Wartelisten bietet die Deutsche Stiftung Organtransplantation unter dso.de. Die Ärztekammer Niedersachsen informiert zu ihren Aktivitäten auf regionalupdate.de.
Ausblick: Gesetzgebung und weitere Schritte
Die Ärztekammer Niedersachsen erwartet, dass der Bundestag die vom Bundesrat eingebrachte Gesetzesinitiative zur Widerspruchslösung zügig behandelt. Nach fast zehn Jahren mit schwankenden Spenderzahlen soll diese Änderung die Organspendezahlen nachhaltig erhöhen. Parallel dazu sind umfassende Aufklärungsmaßnahmen vorgesehen, um Bürgerinnen und Bürger umfassend zu informieren und die Organspende weiterhin transparent zu gestalten.
