Berlin. Jährlich fallen in Deutschland bei vorverpackten Lebensmitteln etwa 18 Milliarden Einwegverpackungen an, die 1,3 Millionen Tonnen Müll verursachen. Eine neue Studie zeigt, dass eine Mehrwegquote vorverpackte Lebensmittel deutlich reduzieren und somit Abfall sowie CO2-Emissionen einsparen könnte.
Weniger Verpackungsabfall jetzt: Mehrwegquote vorverpackte Lebensmittel
Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung hat im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Mehrwegverbands Deutschland (MWV) untersucht, wie viel Verpackungsmüll in ausgewählten Produktkategorien anfällt. Dazu zählen Babybeikost, Brotaufstriche, Kaffee und Kakao, Molkereiprodukte, Obst- und Gemüsekonserven, Essig, Speiseöl und Wein. Diese Bereiche verursachen jährlich 1,3 Millionen Tonnen Einwegverpackungen, die ein Volumen von fast sieben Fußballstadien erreichen.
Einsparpotenziale durch Mehrweg
Ein kompletter Umstieg auf Mehrwegverpackungen bei Wein, Obst- und Gemüsekonserven, Öl und Essig würde folgendes einsparen:
- 710.000 Tonnen Verpackungsabfall
- 409.000 Tonnen CO2-Emissionen
- 143.000 Tonnen Rohstoffe wie Quarzsand und Stahl
Diese Einsparungen sind besonders relevant für den Klimaschutz und die Ressourcenschonung, erläutert Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH.
Forderung nach verbindlichen Mehrwegquoten
Die DUH fordert daher verbindliche Mehrwegquoten für vorverpackte Lebensmittel im Verpackungsgesetz. Bundesumweltminister Carsten Schneider habe laut Metz im neuen Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz eine Chance verpasst, eine solche Regelung einzuführen:
„Mehrweg reduziert Müll, schützt das Klima und verringert unsere Abhängigkeit von Rohstoffen. Deutschland muss bis 2030 rund eine Million Tonnen Verpackungsmüll einsparen. Ein vollständiger Umstieg auf Mehrweg bei Wein, Obst- und Gemüsekonserven, Speiseöl und Essig kann das bereits zu 70 Prozent abdecken.“
Mathias Gerspacher, Geschäftsführer des MWV, betont die Notwendigkeit von gemanagten Mehrweg-Poolsystemen, die mehrere Abfüller und Händler nutzen. Zudem sei eine gut sichtbare Platzierung und einfache Rückgabe der Mehrwegprodukte im Handel wichtig, um die Akzeptanz beim Kunden zu erhöhen.
Maßnahmen für Handel und Produzenten
Die Untersuchung basiert auch auf Interviews mit Produzenten, Abfüllern und Händlern, die folgende Empfehlungen hervorheben:
- Offenheit des Handels für neue Mehrwegprodukte
- Nutzung von Eigenmarken als Mehrwegangebote
- Strategische Verankerung von Mehrweg im Handel, z. B. als Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie
- Einfache Rückgabemöglichkeiten über bestehende Leergutautomaten
- Klare Kennzeichnung der Mehrwegprodukte im Supermarkt
Diese Schritte könnten zusammenwirken, um die derzeit niedrigen Mehrwegquoten zu steigern. Aktuell liegen die Mehrweganteile etwa bei Wein und Molkereiprodukten bei rund vier Prozent, bei Obst- und Gemüsekonserven sogar unter 0,1 Prozent.
Weitere Informationen und die vollständige Studie finden Interessierte auf den Webseiten der Deutschen Umwelthilfe und des Mehrwegverbands sowie im DUH-Kompendium zu Mehrwegpotenzialen.
Beispiel:
Mehrweg kann ein entscheidender Baustein sein, um die Verpackungsmüllproblematik in Deutschland zu adressieren. Damit die Umstellung gelingt, bedarf es klarer gesetzlicher Vorgaben und unterstützender Maßnahmen im Handel.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Die Reduzierung von Verpackungsmüll betrifft auch Verbraucherinnen und Verbraucher vor Ort. Für die meisten Haushalte in Deutschland bedeutet eine stärkere Mehrwegquote vorverpackte Lebensmittel weniger Müll und einen geringeren ökologischen Fußabdruck. Einzelhändler haben künftig die Möglichkeit, ihr Sortiment nachhaltiger zu gestalten und die Kunden beim umweltbewussten Einkauf zu unterstützen.
In den kommenden Jahren wird die gesetzliche Entwicklung entscheidend sein. Angestrebt sind verbindliche Mehrwegquoten auch für vorverpackte Lebensmittel ab 2030. Bis dahin sind weitere Initiativen von Handel und Herstellern gefragt, um Mehrwegsysteme auszubauen und eine breite Akzeptanz zu erzielen.
Für aktuelle Entwicklungen und Hintergrundinformationen rund um regionale Umweltthemen bietet regionalupdate.de regelmäßig Berichte und Analysen.
Mehr zur Verpackungsverordnung und nachhaltigen Verpackungsalternativen informiert das Bundesumweltministerium unter www.bmu.de.

