Weltwassertag 2026: Grüner Plan für Wasser

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Stuttgart. Der Klimawandel erfordert in Deutschland einen neuen Umgang mit Wasser: Industrie, Kommunen und private Haushalte müssen den Wasserverbrauch senken und insbesondere das Wasser mehrfach nutzen. Beispiele aus Dortmund, Potsdam und Berlin zeigen, wie Regen- und Abwasser sinnvoll aufbereitet und in Kreisläufen gehalten werden können, um den Herausforderungen durch Wasserknappheit und Starkregenereignisse zu begegnen.

Wasser nachhaltig nutzen

Die Notwendigkeit des Wandels im Wassermanagement

Die Rekordhitzeperioden und häufigeren Starkregenereignisse führen zu einem Ungleichgewicht im Wasserhaushalt, wodurch das Grundwasser in vielen Regionen sinkt. Versiegelte Flächen verhindern das Versickern von Regenwasser, während Böden nach Trockenphasen kaum noch Wasser aufnehmen. Dr. Stephan Wasielewski, Leiter Wasserinfrastruktur bei Drees & Sommer SE, betont:

„Wir müssen das sorglose System aus Entnahme, Verbrauch und Ableitung hinter uns lassen. Zukunftsfähige Regionen werden jene sein, die Wasser mehrfach nutzen und in Kreisläufen halten – das wird auch für die Industrie zur entscheidenden Standortfrage.“

Die Folgen sind vielfältig – vom niedrigen Wasserstand des Rheins bis zu Einschränkungen in der Industrieproduktion und Umweltschäden.

Industrie und Industrie-Wasserverbrauch

Industrieunternehmen, insbesondere Chemie, Pharma, Lebensmittelindustrie und Rechenzentren, sind für rund 16 bis 20 Prozent des jährlichen Wasserverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Die Mehrzahl davon entfällt auf die Chemieindustrie. Die EU kommunale Wasserrichtlinie verpflichtet Kläranlagen, bis 2045 eine vierte Reinigungsstufe einzuführen, um Schadstoffe wie PFAS und Mikroplastik zu entfernen.

Gleichzeitig eröffnet dieser Strukturwandel Chancen: Innovatives industrielles Wassermanagement ermöglicht es, Abwasser und Regenwasser als Ressource zu nutzen. Dr. Wasielewski erklärt:

„Industrielle Wasserkreisläufe schaffen eine Win-Win-Situation. Sie sichern den Betrieb und entlasten die Umwelt. Ein Gebäude, das statt schmutzigem Abwasser sauberes Betriebswasser produziert, ist die Richtung, in die wir denken müssen.“

Kommunale Maßnahmen: Schwammstädte und urbane Wasserrückhaltung

Auch Städte und Gemeinden sind gefordert, klimafeste Konzepte zur Wasserrückhaltung umzusetzen. Im Projekt Phoenixsee in Dortmund wurde beispielhaft eine ehemalige Industriebrache in eine multifunktionale Fläche verwandelt, die Hochwasser schützt und Wasser speichert – nach dem Schwammstadt-Prinzip. In Potsdam zeigt ein Landschaftsprojekt am Telegrafenberg, wie dezentrale Mulden das Wasser besser verteilen und den Baumbestand stabilisieren können.

In Berlin-Lichtenberg wurden Gutachten erstellt, wie etwa 24 Schulen Regenwasser sammeln und versickern lassen können. So können überlastete Mischkanalisationen entlastet und gleichzeitig Aufenthaltsqualität und Vegetation verbessert werden. Dennoch erfordert die Umsetzung eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Behörden und mehr personelle Ressourcen. Förderprogramme des Bundes unterstützen dabei kommunale Anpassungsvorhaben.

  • Regenwasser speichern, um Hitze und Überschwemmung zu mindern
  • Versiegelte Flächen entsiegeln und umwandeln
  • Beteiligung verschiedener Behörden zur Koordination
  • Nutzung von Fördermitteln zur Klimaanpassung

Rolle der privaten Haushalte

Privathaushalte können ebenfalls Wasser mehrfach nutzen, indem sie etwa Regenwasser für Gartenbewässerung oder Toilettenspülung einsetzen. Der gezielte Einbau wassersparender Armaturen, die frühzeitige Erkennung von Leckagen und bedarfsgerechte Bewässerung helfen, den Verbrauch zu senken. Dr. Wasielewski mahnt:

„Wir behandeln Trinkwasser wie ein alltägliches Betriebsmittel. Dabei ist es unser wertvollstes Lebensmittel. Für alle anderen Zwecke müssen wir andere Quellen nutzen.“

Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.

Regionale Anpassung und Bedeutung für die Bürgerinnen und Bürger

In Baden-Württemberg wurde ein Masterplan Wasserversorgung erarbeitet, der die Versorgung von 11,1 Millionen Menschen auf rund 3,57 Millionen Hektar dauerhaft sichern soll. Er enthält kommunenscharfe Karten, Bewertungskriterien und Handlungsempfehlungen bis 2050. Solche umfassenden Planungen sind auch für andere Bundesländer relevant.

Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies konkret, dass sie künftig verstärkt auf eine nachhaltige Nutzung und Wiederverwendung von Wasser achten müssen. Kommunale und industrielle Maßnahmen sollen Versorgungssicherheit gewährleisten und Umweltbelastungen reduzieren. Förderprogramme unterstützen die Umsetzung von Projekten vor Ort.

Weitere Informationen zur nachhaltigen Wassernutzung und Klimaanpassung finden Sie etwa bei Drees & Sommer SE und auf den Seiten des Bundesumweltministeriums.


Quellen:

  • Drees & Sommer SE – Pressemitteilung vom 22. März 2026
  • Boston Consulting Group & NABU: „Every Drop Counts“ (2026)
  • Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Masterplan Wasserversorgung (2025)
  • EU-Kommunalwasserrichtlinie 2024/3019

Für weiterführende Artikel zur regionalen Entwicklung und Nachhaltigkeit besuchen Sie regionalupdate.de.

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