Gedenkstätten kritisieren AfD-Relativierung

Anzeige
Digitale Realität

Halle. Die Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt äußern deutliche Kritik am Umgang der AfD mit der deutschen Geschichte. Insbesondere wird der AfD vorgeworfen, mit ihrem Wahlprogramm zur Landtagswahl eine Relativierung der NS-Verbrechen zu betreiben. Die Fokus-Keyphrase AfD Kritik Gedenkstaetten steht dabei im Mittelpunkt der Debatte.

AfD-Programm kritisiert

Die Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt, die insgesamt neun Einrichtungen zur Erinnerung an Opfer von Nationalsozialismus und SED-Diktatur betreibt, sieht in der AfD-Position eine problematische Wendung in der Kultur- und Bildungspolitik. Kai Langer, Direktor der Stiftung, warf der Partei gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung vor, sie wolle „ungebrochenen Nationalstolz und Patriotismus“ fördern und damit die kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit vernachlässigen.

Kritik an der Soldatenehrung im Wahlprogramm

Ein zentrales Diskussionsthema ist die geplante Neuausrichtung des Gedenkens an Gefallene der Kriege im AfD-Wahlprogramm. Die Partei fordert eine Ehrung von Soldaten mit der Begründung, sie hätten „ihr Leben für die Verteidigung ihres Landes gegeben“. Langer betrachtet dies als eine unreflektierte Heldenverehrung, die die „Verbrechen der Wehrmacht und der Waffen-SS“ bewusst ausblende. Er warnte vor einer „Rehabilitierung durch die Hintertür“ und verwies darauf, dass der Zweite Weltkrieg als aggressiver und vernichtender Krieg maßgeblich von Deutschland ausgegangen sei.

AfD-Landesvize verteidigt Position

Hans-Thomas Tillschneider, Landesvize der AfD, verteidigt die geplante Ehrung. Er betonte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, die Mehrheit der Angehörigen von Wehrmacht und Waffen-SS seien keine Verbrecher gewesen. Einzelne Kriegsverbrechen dürften nicht den Blick auf die gesamte Truppe verstellen. Die Waffen-SS wurde jedoch 1946 vom Nürnberger Militärgerichtshof aufgrund ihrer Verbrechen, einschließlich der Beteiligung am Holocaust, als verbrecherische Organisation verurteilt.

Diese Kontroverse ist Teil einer breiteren Debatte über den Umgang mit der deutschen Geschichte und deren politische Instrumentalisierung. Mehr dazu finden Sie im Beitrag auf regionalupdate.de.

Bezüglich weiterer Hintergrundinformationen zum Zweiten Weltkrieg empfiehlt sich die Webseite des Bundeszentrale für politische Bildung.

Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.

Regionale Einordnung und Ausblick

Die Debatte um das AfD-Wahlprogramm und die Kritik der Gedenkstätten hat in Sachsen-Anhalt eine besondere Bedeutung. Die Region mit einem reichen historischen Erbe sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies eine erhöhte Sensibilisierung im Umgang mit historischen Themen. Die Landtagswahl am 6. September 2021 wird nach Einschätzung von Experten auch eine inhaltliche Richtungsentscheidung über den Stellenwert der Erinnerungskultur in der Region sein. Beobachter erwarten, dass die Bedeutung dieser Auseinandersetzung in den kommenden Monaten im öffentlichen Diskurs weiter zunehmen wird.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel