Stuttgart. Der Aufbau des neuen 1 und 1 Mobilfunknetz gehört zu den größten Telekommunikationsprojekten in Deutschland. Von der Frequenzauktion 2019 bis zu Verzögerungen und Rechtstreitigkeiten zeichnet SMARTWEB die Entwicklung nach.
1&1 Mobilfunknetz Update
Startschuss mit Frequenzauktion und Ausbauvorgaben
Im Jahr 2019 nahm 1&1 an der großen 5G-Frequenzauktion teil und sicherte sich den Status eines vierten Netzbetreibers neben Telekom, Vodafone und o2. Die Bundesnetzagentur erteilte Lizenzrechte verbunden mit strengen Ausbauvorgaben: 1.000 5G-Basisstationen bis Ende 2022, 25 Prozent Bevölkerungsabdeckung bis Ende 2025 und 50 Prozent bis Ende 2030. Allerdings eigneten sich die erworbenen Frequenzen vor allem für städtische Ballungsräume, während Low- und Midband-Frequenzen für die Fläche fehlten.
Um den Netzausbau zu starten und Netzkapazitäten sicherzustellen, verlängerte 1&1 Verträge mit Telefónica und schloss eine National Roaming-Vereinbarung. Die technische Basis lieferte Rakuten mit seinem Open-RAN-Konzept, das flexibel Herstellerkomponenten vereint und Betriebskosten senken soll. Für den Aufbau von bis zu 5.000 Antennenstandorten engagierte 1&1 die Vodafone-Tochter Vantage Towers.
Rückschläge und Anpassungen im Ausbau
Erste funktionale Tests starteten im Sommer 2022, doch die angestrebten Ausbauziele für 2022 wurden mit nur fünf betriebenen Antennen weit verfehlt. Dadurch drohten hohe Bußgelder, die aufgrund eines Gerichtsurteils der Frequenzauktion später eingestellt wurden. Eine Kernursache waren erhebliche Lieferengpässe bei Vantage Towers, die auch das Bundeskartellamt zum Prüfen möglicher Wettbewerbsbehinderungen veranlassten.
Um Verzögerungen zu kompensieren, setzte 1&1 verstärkt auf Eigenausbau und verschob den Start eigener Mobilfunktarife mehrfach nach hinten. Überraschend erklärte 1&1 im August 2023, Vodafone als neuen National Roaming-Partner zu wählen, welcher ab Sommer 2024 Telefónica ablösen soll.
Technische Herausforderungen und rechtliche Folgen
Ende Mai 2024 brachte ein Software-Update das 1&1 Mobilfunknetz für mehrere Tage zum Erliegen. Die Untersuchung zeigte, dass Kernrechenzentren zuerst nachgerüstet werden mussten. Aufgrund des Gerichtsurteils im August 2024 wurde die Frequenzauktion von 2019 rückwirkend für rechtswidrig erklärt und eine Neuvergabe geprüft. Das führte zur Einstellung des Bußgeldverfahrens gegen 1&1, aber auch zur Verlängerung der Frequenznutzungsrechte der Konkurrenten ohne Auktion.
Trotz fehlender eigener Low- und Midband-Frequenzen versucht 1&1, Nutzungsrechte über Verhandlungen mit Mitbewerbern zu erlangen. Die Berichte zeigen weiterhin keine ernsthaften Angebote. Mit Stolz meldete 1&1 aber im März 2025 die Erfüllung der Ausbauziele von 2022 mit 1.000 funktionsfähigen 5G-Standorten. Ende 2025 folgte die Abdeckung von 25 Prozent der Haushalte.
„Wir sind aus dem Schlimmsten draußen. Warum sollten wir jetzt das Unternehmen verkaufen, die Party hat ja noch gar nicht begonnen“, sagte United Internet-Chef Ralph Dommermuth im November 2025.
- Lizenzierte Frequenzen seit 2019
- National Roaming-Partnerwechsel von Telefónica zu Vodafone
- Netzstart mit 5G-Homespot 2022 in Frankfurt und Karlsruhe
- Technische Probleme und Netzstörung 2024
- Rechtliche Auseinandersetzung zur Frequenzvergabe
- Erfüllung der Ausbauziele bis Ende 2025
1&1 Mobilfunknetz Update
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Bedeutung für Verbraucher und regionale Entwicklung
Für Verbraucher in Stuttgart und ganz Deutschland bedeutet der Ausbau des 1&1 Mobilfunknetzes eine verbesserte Netzvielfalt und weitere Wahlmöglichkeiten bei Mobilfunktarifen. Die Etablierung eines vierten Netzbetreibers fördert den Wettbewerb und kann zu günstigeren Angeboten führen. Darüber hinaus entstehen durch den Netzausbau zahlreiche neue Arbeitsplätze im technischen Bereich und bei Dienstleistern.
Für die Zukunft plant 1&1, den Netzausbau weiter voranzutreiben und die vollständige Kundenmigration bis Ende 2025 abzuschließen. Angesichts der anhaltenden Frequenzproblematik bleibt die Entwicklung zwar herausfordernd, doch ein kontinuierliches Wachstum der Kundenbasis wird erwartet. Informationen zu Netzabdeckung und Tarifen bietet das Verbraucherportal SMARTWEB für Interessierte.
Mehr zum Thema Mobilfunk und regionalen Netzentwicklungen finden Sie bei regionalupdate.de sowie auf den offiziellen Seiten der Bundesnetzagentur.
