München. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München gemeinsam mit internationalen Partnern haben die älteste Hunde-DNA entdeckt. Die Proben aus jungpaläolithischen Fundstätten sind rund 5.000 Jahre älter als bisher bekannte genetische Belege, was die Theorien zur Hunde-Domestizierung deutlich verändert.
Früheste Hunde-DNA – Neue Erkenntnisse zur Domestizierung
Die ältesten genetischen Belege von Haushunden
Bislang ging die Forschung davon aus, dass die Domestizierung von Hunden vor etwa 11.000 Jahren begann. Neue DNA-Analysen an Proben aus Gough’s Cave in Großbritannien (etwa 14.300 Jahre alt) und Pinarbasi in der Türkei (rund 15.800 Jahre alt) liefern nun den ältesten direkten Nachweis von Hunden. Diese Proben sind mithilfe von Kern-DNA-Analysen identifiziert worden und belegen, dass Hunde schon lange vor dem Sesshaftwerden von Menschen existierten.
Dabei war es bisher schwierig, Knochen von frühen Hunden und ihren Vorfahren, den Wölfen, sicher zu unterscheiden. Die genetischen Untersuchungen an über 1.000 modernen und antiken Hunden und Wölfen ermöglichten diese wissenschaftliche Durchbruch. Laut den Forschenden aus 17 Instituten aus Europa und Großbritannien könnte die Domestizierung somit schon während der letzten Eiszeit stattgefunden haben.
Vielfalt der Hundestämme weltweit bereits vor 15.000 Jahren
Die Studienergebnisse zeigen, dass die ältesten Hunde genetisch eng mit heutigen europäischen und nahöstlichen Hunderassen verwandt sind, wie zum Beispiel dem Boxer und dem Saluki. Arktische Rassen wie der Siberian Husky stehen dagegen genetisch weiter entfernt. Die wichtigsten Hundestammlinien waren demnach schon im Jungpaläolithikum vielfältig verteilt.
„Die genetische Identifizierung von zwei paläolithischen Hunden aus der Gough’s Cave und Pinarbasi stellt einen Wendepunkt in unserem Verständnis der frühesten Hunde dar“, sagte Dr. William Marsh vom Natural History Museum in London.
Die Forschenden vermuten, dass Hunde in den damaligen Jäger- und Sammlergruppen eine wichtige Rolle spielten. Ein aktiver Austausch von Hunden zwischen unterschiedlichen Gemeinschaften wiederum weist auf ihre soziale und kulturelle Bedeutung hin.
Zukünftige Forschungsfragen zur Rolle der Hunde in der Eiszeit
Noch bleibt unklar, welche Funktionen die Hunde in den frühen menschlichen Gemeinschaften erfüllten. Die Wissenschaftler spekulieren, dass sie möglicherweise als Alarmsysteme dienten und somit zur Sicherheit beitrugen. Die Erkenntnisse werfen außerdem neue Fragen zur genauen sozialen Vernetzung und Nutzung von Hunden während der Eiszeit auf.
Geplante weitere Studien sollen nun die Rolle der Hunde genauer erforschen und weitere paläolithische Fundstellen genetisch untersuchen, um die Verbreitung und Domestizierung besser einordnen zu können.
Mehr zu aktuellen archäologischen und genetischen Entdeckungen finden Sie bei regionalupdate.de in der Rubrik Wissenschaft. Für vertiefende Informationen zum Thema Hunde-Domestizierung bietet die Ludwig-Maximilians-Universität München ausführliche wissenschaftliche Ressourcen.
Informationen zum Forschungsstand über Tiere während der Eiszeit gibt das Natural History Museum London.
Früheste Hunde-DNA: Bedeutung der ältesten genetischen Belege
Die Entdeckung der ältesten Hunde-DNA erweitert das Verständnis über die frühe Geschichte der Mensch-Hund-Beziehung erheblich. Die Ergebnisse legen nahe, dass sich die Domestizierung nicht erst nach Beginn der Landwirtschaft, sondern schon während der letzten Eiszeit vollzog.
Diese neue zeitliche Einordnung ermöglicht eine Neubewertung archäologischer Funde in Europa und Vorderasien. Künftige Untersuchungen werden zeigen, wie diese frühen Hundegemeinschaften zur Kulturgeschichte des Menschen beitrugen.
