HIV-Versorgung: Perspektiven für 2030 beim Science Slam

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Digitale Realität

Bei den Münchner AIDS-Tagen 2026 diskutierten Experten und Community-Mitglieder auf einem Science Slam, wie die HIV-Versorgung bis 2030 verbessert werden kann. Sechs Fachleute beleuchteten in kurzen Beiträgen zentrale Herausforderungen und formulierten klare Appelle für eine patientenzentrierte Versorgung.

Sechs Perspektiven für eine bessere HIV-Versorgung

Die Veranstaltung ‚Gemeinsam wirksam – Was braucht es jetzt?‘ beim Science Slam der Münchner AIDS- und Infektiologie-Tage konzentrierte sich auf die Frage, wie die HIV-Versorgung bis 2030 optimiert werden kann. Von Experten der Medizin, Community und Industrie wurden unterschiedliche Ansätze skizziert, um grundlegende Veränderungen zu erreichen.

Frühe Tests und Zugang zu Versorgung

Ein zentrales Thema war der Zugang zu Tests und Behandlungen. Dr. André Fuchs, Oberarzt am Universitätsklinikum Augsburg, wies auf die besorgniserregenden Zahlen späte Diagnosen hin, besonders in ländlichen Gebieten. ‚Wir müssen das Bewusstsein für HIV-Tests erhöhen und sie als Teil der medizinischen Routine etablieren, um Verzögerungen bei Diagnosen zu verhindern‘, so Fuchs. Melike Yildiz von der BeKAM – Berliner Aids-Hilfe e.V. forderte eine gezielte Ansprache vulnerabler Gruppen: ‚Angebote müssen die Lebensrealitäten der Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigen, um eine inklusive Versorgung sicherzustellen.‘ Carsten Gehrig, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Frankfurt, ergänzte, dass queere Menschen in den bestehenden Versorgungsstrukturen oft vernachlässigt werden. ‚Wir benötigen innovative, queersensible Modelle, die niedrigschwellige Testangebote in die Regelversorgung integrieren‘.

Soziale Teilhabe und Therapievielfalt

Über die medizinische Versorgung hinaus betonten die Experten die Wichtigkeit sozialer Teilhabe und mentaler Gesundheit. Dr. Christina Engelhard, niedergelassene Ärztin einer HIV-Schwerpunktpraxis, erklärte: ‚Empowerment ist mehr als medizinische Behandlung. Wir müssen die soziale Vernetzung von Menschen mit HIV fördern.‘ Der Diskurs um Therapiefreiheit war ebenfalls von großer Bedeutung. Claudia Neuhaus von der DAHKA warnte vor einem Verlust an Therapievielfalt: ‚Wir müssen sicherstellen, dass die Errungenschaften der HIV-Medizin nicht gefährdet werden.‘ Nadine Stryewski von ViiV Healthcare betonte, dass die Lebenssituationen der Patienten unterschiedlich sind und eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten entscheidend ist. ‚Unsere Aufgabe ist es, diese Vielfalt zu bewahren und an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen.‘

Der Science Slam unterstrich, dass eine zukunftsfähige Versorgung von Menschen mit HIV das Zusammenwirken aller Akteure erfordert – von der Politik über medizinische Praxen bis hin zur Community.

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