Im Kreis Coesfeld sind massive Missstände in der Hühnerhaltung aufgedeckt worden. Tierschutzorganisation ANINOVA berichtet von Bildern, die illegale Käfighaltung dokumentieren, obwohl diese ab 2026 verboten ist.
Verschärfte Kontrollen notwendig
Die Tierrechtsorganisation ANINOVA hat alarmierende Bilder eines großen Legehennenbetriebs im Kreis Coesfeld veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen tausende Hühner, die in engen Drahtkäfigen, bekannt aus der sogenannten Kleingruppenhaltung, leben. Diese artwidrige Haltungsform wird in Deutschland ab dem 1. Januar 2026 nicht mehr geduldet.
Auf den Bildern sind zahlreiche Tiere zu erkennen, die unter starkem Gefiederschaden und Stress leiden. Die Überfüllung der Käfige, die einen Rückzugsort sowie Beschäftigungsmöglichkeiten vermissen lassen, macht artgerechtes Verhalten unmöglich. Dieses Bild wirft ernsthafte Fragen über die aktuellen Kontrollmechanismen in der Tierhaltung auf.
Ausnahmegenehmigungen und anhaltende Missstände
Wie die zuständige Behörde, der Landkreis Coesfeld, mitgeteilt hat, verfügt der betroffene Betrieb über eine Ausnahmegenehmigung zur Weiterführung der Käfighaltung. Dies ermöglicht es, die Hühnerhaltung bis April 2026, mit einer weiteren Verlängerung bis September 2026 in einem anderen Stall, fortzusetzen. Solche Ausnahmeregelungen stehen jedoch in starkem Kontrast zu den Zielen des Tierschutzgesetzes.
Der Betrieb, der rund 150.000 Hühner hält, sieht sich seit Jahren Kritik ausgesetzt. Frühere Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und von der Behörde angeordnete Auflagen belegen, dass diese Problematik nicht neu ist. Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA e.V., äußerte sich besorgt: „Die Bilder zeigen deutlich, dass hier ein System bis zum letzten Moment ausgereizt wird. Es ist unverständlich, dass trotz der gesetzlich festgelegten Übergangsfristen eine derartige Haltungsform weiterhin zulässig bleibt.“
Egg-Chemie: Bunte Ostereier aus fragwürdiger Haltung?
Besonders zu Ostern wird eine hohe Nachfrage nach Eiern beobachtet. ANINOVA macht aufmerksam darauf, dass Eier aus der kritisierten Haltung in der Industrie verarbeitet oder für Ostereier verwendet werden, ohne dass Verbraucher:innen die Haltungsform erkennen können. „Gerade zu Ostern kaufen viele Menschen Eier, ohne zu wissen, woher sie stammen“, warnt Peifer.
Die Tierschutzorganisation fordert eine Abkehr von industrieller Tierhaltung und appelliert an die Verbraucher:innen, verstärkt auf pflanzliche Alternativen zu setzen. Mit einer veganen Ernährungsweise könne jeder Einzelne aktiv dazu beitragen, Tierleid zu vermeiden und sich von einem System zu distanzieren, das Tiere lediglich als Produktionsmittel betrachtet.
