Kritik an Videoüberwachung in Schlachthöfen wächst

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Die Tierrechtsorganisation Animal Equality kritisiert den Gesetzentwurf zur Videoüberwachung in deutschen Schlachthöfen. Sie bezeichnet die geplanten Regelungen als unzureichend und fordert umfassendere Maßnahmen zum Tierschutz.

Animal Equality fordert lückenlose Videoüberwachung

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat einen Gesetzesentwurf zur verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen vorgestellt. Die Tierrechtsorganisation Animal Equality äußert jedoch massive Bedenken und weist darauf hin, dass Millionen Tiere weiterhin ungeschützt bleiben. Nach ihren Angaben sollen nur größere Schlachtbetriebe betroffen sein, die einem EU-Recht unterliegen. Dies bedeutet, dass allein in Deutschland jährlich etwa drei Millionen Tiere ohne wirksame Überwachung getötet werden.

Fehlende Auswertungsstandards kritisch betrachtet

Ein weiterer Kritikpunkt liegt in der fehlenden Verbindlichkeit bei der Auswertung der Videoaufzeichnungen. Der Entwurf sieht lediglich stichprobenartige und anlassbezogene Auswertungen vor. Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland, bezeichnet dies als „Symbolpolitik“ und fordert verbindliche Standards, um tierschutzwidrige Verstöße zuverlässig aufzudecken. Sie schlägt vor, dass besonders tierschutzrelevante Aspekte bei der Auswertung priorisiert werden sollten.

Künstliche Intelligenz als Unterstützung

Animal Equality plädiert zudem für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Vorselektion und Mustererkennung in Videoaufnahmen. Raith erklärt, dass KI dabei helfen könne, Auffälligkeiten zu erkennen, ohne die menschliche Bewertung zu ersetzen. Dies sei besonders wichtig, um sicherzustellen, dass Tiere während des Schlachtprozesses ordnungsgemäß betäubt werden. Aktuelle Schätzungen zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Rinder und Schweine nicht ausreichend betäubt wird, was zu erheblichem Leid führt.

Kritik an Dokumentationsfristen

Die geplante Speicherfrist für die Videoaufnahmen von nur 30 Tagen wird ebenfalls als unzureichend angesehen. Animal Equality fordert eine Verlängerung auf mindestens ein Jahr, um Missstände rechtzeitig dokumentieren und analysieren zu können. Raith sieht hierin einen wesentlichen Punkt, um die Transparenz in den Schlachthöfen zu erhöhen und mögliche Verstöße zu verfolgen.

Strukturelle Probleme der Tierhaltung ansprechen

Die Kritik am Gesetzesentwurf schließt auch strukturelle Probleme in der industriellen Tierhaltung mit ein. Raith fordert langfristige und nachhaltige Lösungen, die hin zu einem Abbau der Tierhaltung und der Förderung von pflanzlichen Ernährungssystemen führen. Sie betont, dass der aktuelle Gesetzentwurf zwar ein erster Schritt sei, aber nicht ausreiche, um die grundlegenden Probleme im Tierschutz anzugehen.

Zusammenfassend fordert Animal Equality eine umfassende Videoüberwachung in allen Schlachtstätten, die gesetzlich festgelegte Auswertungsstandards und die Einbeziehung von Tierschutzverbänden, um sicherzustellen, dass Tierschutzvorschriften auch tatsächlich eingehalten werden.

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