Die Elektromobilität steht an einem Wendepunkt. Der BearingPoint Attraktivitätsindex 2026 zeigt, dass Vertrauen und Infrastruktur entscheidend sind, um den Massenmarkt zu erreichen.
Attraktivität von BEVs im Aufschwung
Im globalen Vergleich gewinnen batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) zunehmend an Popularität. Laut dem BearingPoint Attraktivitätsindex Elektromobilität 2026, der über 10.000 Konsumenten in verschiedenen Ländern befragte, zeigen immer mehr Käuferinnen und Käufer Interesse an E-Autos. Insbesondere in Märkten wie Indien, wo die Kaufkraft niedriger ist, steigt die Offenheit gegenüber Elektromobilität. Doch der Übergang in den Massenmarkt hängt von mehreren entscheidenden Faktoren ab, einschließlich Vertrauen, Ladeinfrastruktur und einem robusten Gebrauchtwagenmarkt.
Infrastruktur bleibt entscheidend
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die unzureichende Ladeinfrastruktur, die in vielen westlichen Märkten der größte Engpass ist. In Deutschland geben 45 %, in Großbritannien 52 % und in den USA 41 % an, keinen verlässlichen Zugang zu Lademöglichkeiten zu haben. Um das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen, müssen diese infrastrukturellen Hürden dringend adressiert werden. „Der größte Hebel liegt aktuell klar bei der Infrastruktur“, erklärt Manuel Schuler von BearingPoint. “Solange eine verlässliche Lademöglichkeit nicht zur Norm wird, bleibt die Kaufzurückhaltung bestehen.”
Vertrauen durch Erfahrung steigern
Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass persönliche Erfahrungen mit Elektroautos entscheidend für die Kaufentscheidung sind. Viele Befragte haben noch kein E-Fahrzeug gefahren. Dies führt zu einer Hemmschwelle im Kaufprozess. „Probefahrten sind weit mehr als eine Marketingmaßnahme. Sie sind ein zentraler Hebel für den Marktdurchbruch der Elektromobilität“, betont Schuler. Die Kaufentscheidung wird zunehmend zur Risikoprüfung, bei der Batteriequalität und -lebensdauer, Reparierbarkeit und Sicherheit an vorderster Stelle stehen.
Gebrauchtwagenmarkt als Hindernis
Ein bedeutendes Hindernis für die Akzeptanz von E-Autos ist der Gebrauchtwagenmarkt. Die Studie zeigt, dass Käufer deutlich weniger bereit sind, gebrauchte BEVs zu erwerben, da Unsicherheiten über den Zustand der Batterie und mögliche Folgekosten bestehen. Trotz des Preisvorteils entscheiden sich viele Interessierte für Neufahrzeuge, um Risiken zu vermeiden. „Ohne transparente Standards zur Batteriegesundheit droht der Gebrauchtwagenmarkt zum Nadelöhr der Elektromobilität zu werden“, warnt Schuler. Verlässliche Zertifikate für die Batteriegesundheit könnten hier Abhilfe schaffen und die Marktakzeptanz erhöhen.

