Eine neue Studie der Boston Consulting Group zeigt, dass deutsche Unternehmen ihre digitalen Strategien anpassen, um geopolitischen Risiken zu begegnen. 43 Prozent der Führungskräfte investieren bereits in die Reduzierung ihrer Abhängigkeit von nicht-europäischen Technologieanbietern.
Geopolitische Spannungen und digitale Strategien
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und strengerer EU-Regulierungen reagieren Unternehmen in Deutschland mit einer Neuausrichtung ihrer digitalen Strategien. Laut der aktuellen BCG-Studie investieren bereits 43 Prozent der befragten Führungskräfte aktiv in Maßnahmen zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von nicht-europäischen Technologieanbietern. Weitere 36 Prozent beabsichtigen dies in naher Zukunft.
Verschiebungen in den Partnerschaften
Derzeit sind nordamerikanische Partner für deutsche Unternehmen noch von großer Bedeutung, mit einer Quote von 42 Prozent für KI- und Technologiekooperationen, gefolgt von Europa mit 40 Prozent. Zukünftig erwarten die Umfrageteilnehmer jedoch, dass Europa mit 42 Prozent Nordamerika (34 Prozent) als wichtigsten Partner ablöst. Diese Einsicht zeigt einen klaren Trend, sich auf europäische Technologielösungen zu konzentrieren.
Uneinheitliche Ansichten zur Souveränität
Trotz des wachsenden Interesses an technologischer Souveränität gibt es unterschiedliche Auffassungen über deren Bedeutung. Während 68 Prozent der deutschen Unternehmen sie eher als Risiko- und Compliance-Thema betrachten, sehen 61 Prozent der Befragten in Osteuropa in der Souveränität einen strategischen Wettbewerbsvorteil. Hier könnte eine unterschiedliche strategische Auffassung über die Relevanz der Souveränität langfristige Wettbewerbsunterschiede zur Folge haben.
Auf die Frage nach ihrer Fähigkeit, die Auswirkungen technischer Souveränität realistisch einzuschätzen, äußerten 91 Prozent der deutschen Führungskräfte Vertrauen. Ihre Zuversicht schwindet jedoch, wenn es um strategische Investitionsentscheidungen geht: Nur 58 Prozent fühlen sich dabei wirklich sicher. Dies offenbart ein gewisses Maß an Unsicherheit und Herausforderungen bei der Umsetzung strategischer Ziele im Bereich der Souveränität.
Strukturelle Grenzen und Optimismus für die Zukunft
Die Studie zeigt, dass deutsche Unternehmen technologische Souveränität breiter angehen als andere europäische Märkte, während Wettbewerber wie Frankreich und das Vereinigte Königreich strikter fokussiert sind. Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten sind 48 Prozent der Befragten optimistisch, dass in den kommenden fünf Jahren ein wettbewerbsfähiges KI- und Technologie-Ökosystem in Europa entstehen kann.
Besonders wichtig für den Aufbau dieses Ökosystems ist die technische Grundlage für KI. 53 Prozent der Befragten nennen diesen Bereich als Schlüssel, während 52 Prozent die technische Skalierbarkeit und wirtschaftliche Nutzung von KI als entscheidend erachten. Zusätzlich fordern 42 Prozent schnellere und innovationsfreundlichere Regulierung.

