„Da geht noch mehr“ – Bürgermeisterin Vanessa Gattung im Interview zur Kommunalwahl 2026

Anzeige

Papenburg im Wandel: Was hat sich seit 2021 wirklich verändert – und wohin geht der Weg? Im Interview spricht Bürgermeisterin Vanessa Gattung über eine modernisierte Verwaltung, offene Baustellen und ihre Vision für die Stadt.

Zwischen Stolz und Verantwortung

RegionalUpdate.de: Sie kandidieren erneut als Bürgermeisterin. Was hat sich in Papenburg seit 2021 konkret verändert – und worauf sind Sie persönlich am stolzesten?

Vanessa Gattung: Seit 2021 ist Papenburg deutlich mehr in Bewegung gekommen. Wir haben Themen angepackt, die lange offen waren, Strukturen neu aufgestellt und viele Projekte umgesetzt oder endlich auf den Weg gebracht.

Besonders stolz bin ich darauf, dass wir heute anders arbeiten: Unsere Verwaltung versteht sich stärker als Möglichmacher. Seit zwei Jahren leben wir neue Strukturen, arbeiten digitaler, schneller und lösungsorientierter. Dafür wurden wir sogar bundesweit ausgezeichnet.

Konkret sieht man Veränderung an vielen Stellen: Der alte Güterbahnhof ist heute eine Eventlocation, das Giese-Gelände konnten wir nach jahrelangem Stillstand sichern, der Nordhafen entwickelt sich weiter. Neue Unternehmen investieren, und gleichzeitig ist durch Stadtparkfestival, Papenburger Meilen, Bike Park oder neue Treffpunkte wieder mehr Leben in der Stadt entstanden.

Die letzten Jahre waren geprägt von Corona, Energiekrise und steigenden Kosten. Welche Entscheidung war in dieser Zeit die schwierigste für Sie?

Die schwierigsten Entscheidungen waren für mich die, bei denen klar war: Sie sind notwendig, aber nicht sofort beliebt. Wir mussten viele Dinge neu ordnen – Satzungen, Gebühren, Strukturen, Abläufe. Das sind keine Themen, mit denen man Applaus gewinnt. Aber sie sind wichtig, damit eine Stadt verlässlich funktioniert.

Gerade in Krisenzeiten war es nicht immer leicht, ehrlich zu sagen: Wir können nicht alles gleichzeitig machen. Aber genau das gehört zu Verantwortung dazu – Prioritäten setzen, erklären und trotzdem den Blick nach vorne behalten. Vor allem beim Thema Infrastruktur und dem damit verbundenen Investitionsstau ist es in diesen Zeiten unmöglich, allen gerecht zu werden.

Verwaltung als Möglichmacher

Sie beschreiben Ihre Verwaltung heute als „Möglichmacher“. Was genau hat sich intern verändert – und wie merken Bürgerinnen und Bürger das im Alltag?

Früher wurde Verwaltung oft so wahrgenommen: kompliziert, langsam, viele Zuständigkeiten. Genau daran haben wir gearbeitet. Mit der Einführung des Projektmanagements gibt es nun klare Verantwortungen und bereichsübergreifende Zusammenarbeit.

Wir haben intern Strukturen verändert, Prozesse digitalisiert und Zuständigkeiten klarer gemacht. Heute arbeiten wir papierlos und deutlich moderner. Das klingt erstmal technisch, macht aber im Alltag viel aus. Bürgerinnen und Bürger merken das daran, dass Abläufe einfacher werden, Dinge schneller bearbeitet werden und Verwaltung ansprechbarer wird. Unternehmen merken es daran, dass Verwaltung nicht nur prüft, sondern begleitet.

Für mich ist der entscheidende Satz: weniger „Das geht nicht“, mehr „Wie machen wir es möglich?“ Mit unserer Digitalisierungsstrategie und den geschaffenen Grundlagen sind wir nun in der Lage, Themen wie KI oder Smart City zielorientiert einzusetzen.

Der alte Güterbahnhof ist zur Eventlocation geworden, das Giese-Gelände wurde gesichert. Welches Stadtentwicklungsprojekt hat noch keinen Namen, liegt Ihnen aber besonders am Herzen?

Mich reizt besonders die Frage, wie wir unsere Innenstadt und unsere Ortskerne weiterentwickeln – also nicht nur einzelne Gebäude, sondern das Gefühl: Da ist Leben. Da hält man sich gerne auf. Da entstehen neue Ideen.

Das betrifft Leerstände am Hauptkanal genauso wie neue Nutzungen, Aufenthaltsqualität, Begegnungsorte und die Frage, wie Handel, Gastronomie, Kultur und Wohnen künftig zusammenpassen. Innenstadtentwicklung ist heute viel mehr als „ein paar Geschäfte ansiedeln“. Wir müssen aktiv auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Genau das ist eine der spannendsten Aufgaben der nächsten Jahre.

Sicherheit, Inklusion und Infrastruktur

Sie setzen sich für einen kommunalen Ordnungsdienst ein. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf in Papenburg?

Im Alltag. Genau dort, wo kleine Dinge schnell großen Frust auslösen: illegale Müllablagerungen, zugeparkte Gehwege, fehlende Rücksichtnahme, Unsicherheit bei Veranstaltungen oder Situationen, in denen Bürgerinnen und Bürger einfach jemanden brauchen, den sie ansprechen können.

Mir geht es nicht um einen Kontrolltrupp. Mir geht es um Prävention – also darum, früher da zu sein, hinzuschauen und Dinge anzusprechen, bevor sie sich festsetzen. Sicherheit und Ordnung sind für mich keine harten Schlagworte, sondern Teil von Lebensqualität.

Inklusion ist Ihnen ein persönliches Anliegen. Wo steht Papenburg ehrlich gesagt noch am Anfang – und was ist der nächste konkrete Schritt?

Ehrlich gesagt stehen wir an vielen Stellen noch am Anfang. Wir haben erste wichtige Schritte gemacht: eine Interessengemeinschaft für Menschen mit Behinderungen gegründet, Barrieren abgebaut und erste inklusive Spielgeräte geschaffen.

Aber Inklusion ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Es muss in jeder Planung mitgedacht werden: auf Spielplätzen, in Gebäuden, bei Veranstaltungen, in der Verwaltung und im öffentlichen Raum. Der nächste konkrete Schritt ist für mich, unsere Spielplätze Schritt für Schritt inklusiver zu gestalten und gleichzeitig einfache Sprache sowie niedrigschwellige Zugänge zur Verwaltung weiter auszubauen.

Viele Straßen sind sanierungsbedürftig, bei der Stadtentwässerung gibt es Nachholbedarf. Wie wollen Sie das finanzieren, ohne die Bürgerinnen und Bürger zu stark zu belasten?

Zunächst einmal, indem wir ehrlich sind. Viele dieser Herausforderungen sind nicht über Nacht entstanden und sie werden auch nicht über Nacht verschwinden. Bei Straßen und Stadtentwässerung sprechen wir über Infrastruktur, die teilweise Jahrzehnte alt ist.

Deshalb setzen wir auf langfristige Planung. Wir priorisieren dort, wo der Handlungsdruck am größten ist, nutzen Fördermittel konsequent aus und versuchen, Maßnahmen intelligent miteinander zu verbinden. Wenn eine Straße ohnehin geöffnet wird, schauen wir beispielsweise, ob Leitungen oder Entwässerung gleich mitgemacht werden können. Kommunalpolitik besteht manchmal auch darin, die Dinge zu machen, die man später kaum sieht – die aber dafür sorgen, dass eine Stadt funktioniert.

Fachkräfte, Jugend und Social Media

Fachkräfte entscheiden sich heute für eine Stadt, nicht nur für einen Job – sagen Sie selbst. Was macht Papenburg für Zuziehende attraktiv, was fehlt noch?

Ich glaube, Papenburg hat etwas, das man nicht planen kann: ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Wir haben tolle Vereine, kurze Wege, viel Engagement und eine Stadt, in der man Menschen kennt und schnell Anschluss findet.

Gleichzeitig müssen wir ehrlich bleiben: Wir stehen im Wettbewerb mit vielen anderen Regionen. Deshalb brauchen wir mehr Wohnraum, eine starke medizinische Versorgung, gute Kinderbetreuung und moderne Infrastruktur. Fachkräfte kommen nicht wegen eines Imagefilms nach Papenburg. Sie kommen, wenn sie hier gut leben können.

Sie haben das Jugendforum und ein Kinder- und Jugendbüro eingerichtet. Was war das konkreteste Ergebnis, das aus dieser Beteiligung entstanden ist?

Das Wichtigste ist für mich, dass Beteiligung heute nicht mehr vom Zufall abhängt. Früher mussten junge Menschen oft selbst herausfinden, an wen sie sich wenden können. Heute gibt es feste Strukturen und Ansprechpartner.

Der Bike Park ist ein gutes Beispiel für ein konkretes Ergebnis. Aber auch Veranstaltungen für junge Menschen oder die Weiterentwicklung von Treffpunkten gehen immer wieder auf Rückmeldungen aus Beteiligungsformaten zurück. Mir geht es dabei gar nicht darum, jeden Vorschlag sofort umzusetzen. Sondern darum, dass junge Menschen merken: Ihre Meinung ist erwünscht und hat Gewicht. Das ist für mich gelebte Demokratie.

Sie kommunizieren sehr direkt über Social Media – bewusst nahbar, manchmal mit Humor. Wo liegt für Sie die Grenze zwischen Persönlichkeit und Amt?

Ich glaube, die Zeit, in der Politikerinnen und Politiker nur perfekt inszenierte Pressefotos veröffentlicht haben, ist vorbei. Menschen möchten wissen, wer Verantwortung übernimmt. Deshalb zeige ich mich auf Social Media bewusst so, wie ich auch im echten Leben bin: direkt, manchmal mit einem Augenzwinkern und ohne komplizierte Verwaltungssprache.

Die Grenze liegt für mich dort, wo das Amt selbst betroffen ist. Nicht jede private Situation gehört ins Internet. Aber wenn ein bisschen Humor dazu beiträgt, dass sich Menschen überhaupt mit Kommunalpolitik beschäftigen, dann finde ich das eher eine Chance als ein Problem.

Region und Ausblick

Bei der Papenburger Meile waren Sie gemeinsam mit Landratskandidatin Greta Aussel unterwegs. Wie eng ist die Zusammenarbeit – und was versprechen Sie sich davon für die Region?

Sehr viele Themen enden nicht an der Stadtgrenze. Ob medizinische Versorgung, Mobilität, Wirtschaft, Ehrenamt oder Fachkräfte – vieles funktioniert nur, wenn Stadt und Landkreis gemeinsam denken. Deshalb ist mir ein enger Austausch wichtig.

Mit Greta verbindet mich vor allem ein ähnliches Verständnis von Politik: nah bei den Menschen, lösungsorientiert und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Am Ende geht es aber nicht um Personen. Es geht darum, dass wir für die Menschen in unserer Region die besten Lösungen finden. Und das gelingt meistens dann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht.

Ein Satz, der beschreibt, warum Papenburg am 14. September 2026 eine andere Stadt sein wird als heute?

Weil wir dann entschieden haben, ob Papenburg den begonnenen Weg mutig weitergeht – mit Verlässlichkeit, neuen Ideen und dem klaren Anspruch: Da geht noch mehr.

Weiterlesen

Jetzt den kostenlosen Regionalupdate-Newsletter abonnieren.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel