Die Wirtschaft in Deutschland sieht sich aktuell mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. In einer gemeinsamen Sitzung der IHK-Fachausschüsse wurden die Auswirkungen der Nahost-Krise auf die Industrie und die De-Industrialisierung in Deutschland thematisiert.
Wirtschaftliche Belastungen durch geopolitische Spannungen
Die Wirtschaft leidet unter verschiedenen Belastungen, darunter die aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Experten aus der Industrie, vertreten durch die Fachausschüsse der IHK, betonten in ihrer Sitzung bei der meurer Verpackungssysteme GmbH, dass die Lage vieler Unternehmen angespannt bleibt. Dietmar Hemsath und Bernard Storm, die Vorsitzenden der Ausschüsse, verwiesen auf den rückläufigen IHK-Konjunkturklimaindex, der die Unsicherheit vieler Betriebe widerspiegelt.
Elisabeth Strahl von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) wies darauf hin, dass international tätige Unternehmen zunehmend mit störenden Handelswegen, steigenden Transportkosten und Investitionsunsicherheiten zu kämpfen haben. Engpässe bei Energie und Rohstoffen sind eine weitere Sorge. „Die wirtschaftlichen Folgen durch Störungen in den Transportwegen und Schäden an den Energieinfrastrukturen werden für die Unternehmen länger spürbar bleiben“, betonte Strahl.
Wettbewerbsdruck und De-Industrialisierung in Deutschland
Diese Entwicklungen erhöhen den ohnehin bestehenden Wettbewerbsdruck auf die Industrie. Christopher Meisner von den Unternehmerverbänden Niedersachsen (UVN) erklärte, dass hohe Energiepreise und langwierige Genehmigungsverfahren die Wettbewerbsfähigkeit bedrohen. Dies führt zu einer wachsenden De-Industrialisierung in Deutschland, wobei viele energieintensive Unternehmen Investitionen zurückfahren oder ihre Produktion ins Ausland verlagern. In Niedersachsen verlor die Industrie seit 2022 etwa 2.500 Arbeitsplätze, was die besorgniserregende Lage verdeutlicht.
Dennoch zeigte Geschäftsführer Jens Gozian von der meurer Verpackungssysteme GmbH, dass De-Industrialisierung nicht unvermeidbar ist. Sein Unternehmen, das Verpackungsmaschinen für die Getränkeindustrie herstellt, verfolgt ein erfolgreiches Geschäftsmodell, das auf einer engen Bindung zu einer kleinen Anzahl großer Hauptkunden basiert. Seit der Übernahme durch die US-amerikanische ITW-Gruppe hat sich die Kundenbasis von 2.500 auf etwa 250 reduziert, was eine stabile Auslastung zur Folge hat. Zudem investiert meurer kontinuierlich in Automatisierung und Standardisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Austausch über Lösungen und Strategien
Die IHK-Fachausschüsse Industrie, Energie und Umwelt sowie International setzen sich aus ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen und treffen sich dreimal jährlich. Bei diesen Treffen diskutieren sie mit Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft, um Konzepte und Positionen für die IHK-Vollversammlung zu erarbeiten. Diese regelmäßigen Diskurse sind entscheidend, um die Herausforderungen der zeitgenössischen Industrie zu bewältigen.

