Dirk Lüerßen: „Wir haben eine Lebensqualität, um die uns andere Regionen beneiden“

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Im Interview: Dirk Lüerßen, Geschäftsführer der Wachstumsregion Ems-Achse

Die Wachstumsregion Ems-Achse feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Über 950 Mitglieder, ein eigener Lobbyverein für die E233 und ein neues E-Paper: Das Bündnis hat sich weit entwickelt. Dirk Lüerßen ist seit 2011 Geschäftsführer und kennt die Region wie kaum ein anderer. Im Interview spricht er über wirtschaftliche Stabilität, internationale Fachkräfte, Infrastrukturpolitik und den Wandel der Unternehmenskultur im Emsland.

20 Jahre Ems-Achse: Eine Region im Wandel

Dirk Lüerßen ist seit 2011 Geschäftsführer der Ems-Achse. Das Bündnis zählt heute über 950 Mitglieder und konzentriert sich auf drei Kernbereiche: Fachkräfte finden und binden, Netzwerk und Lobbying für die Region.

Zum 20-jährigen Bestehen zieht Lüerßen eine klare Bilanz:

Das ist kein Selbstlob ohne Substanz. Das Emsland und die angrenzenden Landkreise gelten bundesweit als wirtschaftsstarke Region mit niedrigen Arbeitslosenquoten, gewachsenen Familienunternehmen und einer Infrastruktur, die kontinuierlich ausgebaut wird. Dass die Ems-Achse dabei eine koordinierende Rolle spielt, ist in der Region längst anerkannt.

Fachkräfte aus Mexiko und Südafrika: Gezielte Zuwanderung statt Gießkannenprinzip

Der Fachkräftemangel ist das beherrschende Thema für Unternehmen in der Region. Die Ems-Achse verfolgt dabei einen Ansatz, der sich von klassischer Arbeitsmigration unterscheidet: gezielte Rekrutierung aus wenigen ausgewählten Ländern.

„Wir brauchen qualifizierte Zuwanderung“, sagt Lüerßen. „Oft kommen Menschen hier gut an, fühlen sich in Deutschland wohl und ziehen dann aber in die Ballungszentren, um dort Community zu finden.“ Genau das soll vermieden werden. Der Ansatz der Ems-Achse setzt darauf, gezielt aus wenigen Herkunftsländern zu rekrutieren, damit Fachkräfte vor Ort ihre eigene Community aufbauen können.

Die Idee dahinter ist einleuchtend: Wer in einer neuen Region nicht vollständig isoliert ist, weil andere Menschen aus dem gleichen Kulturkreis bereits dort leben und arbeiten, bleibt länger. Das reduziert Fluktuation und schafft nachhaltige Strukturen, von denen Arbeitgeber und Zuwandernde gleichermaßen profitieren.

Gleichzeitig verändert der Fachkräftemangel die Unternehmenskultur grundlegend. Lüerßen ist direkt:

Flexiblere Arbeitsmodelle, offenere Führungskulturen und eine stärkere Auseinandersetzung mit den Erwartungen jüngerer Generationen sind keine optionalen Extras mehr. Sie sind Voraussetzung dafür, im Wettbewerb um qualifizierte Menschen überhaupt noch mitzuspielen.

E233: Dickes Brett, aber Optimismus bleibt

Die E233 ist seit Jahrzehnten das vielleicht wichtigste und gleichzeitig frustrierendste Infrastrukturthema im Emsland. Die Verbindung zwischen den Niederlanden und der A1 bei Osnabrück fehlt als durchgehend ausgebaute Trasse bis heute. Die Ems-Achse hat das Lobbying für dieses Projekt nun in eigene Hände genommen und einen eigenen Förderverein gegründet.

„Der Förderverein wollte das Lobbying in Hannover und Berlin weiter verstärken, und da bot es sich an, Synergien zu bilden und gemeinsam dieses wichtige Infrastrukturprojekt nach vorne zu bringen“, erklärt Lüerßen.

Für eine Region, die wirtschaftlich stark ist, aber verkehrlich an ihre Grenzen stößt, wäre der Ausbau der E233 ein erheblicher Standortvorteil. Die direkte Anbindung an das niederländische Autobahnnetz würde Pendler, Logistiker und Unternehmen gleichermaßen entlasten. Dass die Ems-Achse dieses Thema nicht delegiert, sondern aktiv treibt, zeigt, wie ernst das Bündnis seine Lobbyingfunktion nimmt.

Das neue E-Paper: Ergänzung, keine Konkurrenz

Mit dem emUpdate startet die Ems-Achse 2026 ein eigenes E-Paper. Die Frage liegt nahe, ob das regionale Medien unter Druck setzt. Lüerßen sieht das anders:

Unternehmerische und kommunale Kommunikation füllt einen anderen Raum als investigativer oder nachrichtlicher Journalismus. Beide können nebeneinander existieren und sich gegenseitig stärken, wenn sie ihre Rolle klar definieren. Für die Mitglieder der Ems-Achse bietet das E-Paper eine weitere Plattform, um Sichtbarkeit in der Region zu gewinnen.

Die Wachstumsregion Ems-Achse bleibt nach 20 Jahren ein Bündnis mit klarem Fokus: Fachkräfte, Netzwerk, Lobbying. Mit über 950 Mitgliedern, einem aktiven Engagement für zentrale Infrastrukturprojekte und neuen Formaten wie dem emUpdate ist die Ems-Achse gut aufgestellt für die nächsten 20 Jahre.

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