Robin Schulz, Hugel, Alle Farben: Drei der international erfolgreichsten deutschen Dance-Acts haben denselben Manager im Hintergrund. Im Podcast „People of Ibiza“ spricht Frank Klein, der gemeinsam mit Stefan Dabruck die Frankfurter Agentur SDM (Stefan Dabruck Management) führt, über Gagen, gescheiterte Songs und die Wirtschaft hinter der Ibiza-Clubszene.
Eine Residency auf Ibiza ist die Champions League der DJs
Eine sogenannte Residency bedeutet, dass ein DJ über eine ganze Saison hinweg fest an einen Club gebunden ist, meist mit 14 bis 16 Terminen, und mit seinem Namen für den Abend wirbt. Hugel spielt seit diesem Jahr jeden Donnerstag im Hï Ibiza unter dem Format „Make the Girls Dance“, Robin Schulz legt bereits seit rund zehn Jahren regelmäßig im Pacha auf. Laut Klein ist Ibiza dabei nicht der Ort, an dem DJs gemacht werden, sondern der Ort, an dem sichtbar wird, wer es bereits geschafft hat. Wer dort über Jahre eine Residency hält, gilt in der Branche als etabliert.
Auf Ibiza wird kaum ein DJ reich
Klein widerspricht einem verbreiteten Mythos deutlich: Die Gagen auf der Insel seien im Branchenvergleich sehr niedrig, auch für die bekanntesten Namen, und DJs seien dort in aller Regel nicht an den Ticketeinnahmen beteiligt. Der eigentliche Wert einer Ibiza-Residency liege woanders: Sie steigert das Ansehen und damit die Gagen bei Auftritten im Rest der Welt, etwa in Las Vegas oder Toronto. Eine vergleichbare Wirkung habe laut Klein in den USA nur eine Residency in Las Vegas selbst.
Wie Hugel entdeckt wurde: mit dem letzten Geld nach Amsterdam
Die Geschichte, wie Hugel zu SDM kam, erzählt Klein als Beispiel dafür, wie viel Beharrlichkeit am Anfang zählt: Vor rund 13 Jahren reiste der damals noch unbekannte DJ aus Marseille mit seinen letzten Ersparnissen zum Amsterdam Dance Event, der größten Fachmesse der elektronischen Musikbranche. Dort sprach er Stefan Dabruck direkt auf offener Straße an und wollte ihm noch vor Ort einen Track vorspielen, statt ihn wie vorgeschlagen per E-Mail zu schicken. Dabruck hörte sich den Song an und sagte ihm laut Klein noch am selben Abend zu. Die erste gemeinsame Veröffentlichung, „Coming Home“, wurde kein großer Erfolg, doch 2018 gelang Hugel mit „Bella Ciao“ der internationale Durchbruch.
Corona als Bruch: Neuerfindung in London und Portugal
Nach dem Höhepunkt mit „Bella Ciao“ brach für Hugel wie für die gesamte Branche mit der Corona-Pandemie das Geschäftsmodell zusammen. Er verließ Frankreich, auch aus steuerlichen Gründen, und zog zunächst nach London, um sich musikalisch mit anderen Produzenten weiterzuentwickeln, später auch nach Portugal. Aus der Krise heraus besann er sich auf die Latin- und Afro-Einflüsse seiner früheren Zeit als Resident-DJ an der Côte d’Azur und begann, seine alten Platten neu zu interpretieren. Tracks wie „Morenita“ oder „Sueno“ trafen ab etwa 2022/23 zunächst in der lateinamerikanischen Community in den USA einen Nerv, bevor er mit „Adoro“ auch international wieder im Mainstream ankam. Heute betreibt Hugel nach Kleins Angaben ein eigenes Label mit rund 150 Veröffentlichungen im Jahr, über das auch andere Nachwuchskünstler eine Plattform erhalten.
Der Fall „Waves“: Wie aus einem Bootleg ein Welthit für Robin Schulz wurde
Ein zentrales Beispiel für die frühen Jahre von Robin Schulz ist der Song „Waves“. Die Vorlage stammte vom niederländischen Sänger Mr. Probz, Schulz produzierte dazu ohne Erlaubnis eine eigene, deutlich langsamere Deep-House-Version und lud sie bei SoundCloud hoch, wo sie sich schnell verbreitete. Erst als die Version bereits populär war, nahm das Management Kontakt zu den Rechteinhabern auf, um sie offiziell freizugeben. Nach Kleins Schilderung erhielt Schulz für die Rechte an der eigenen Bearbeitung nur eine geringe, einmalige Zahlung, der eigentliche Gewinn habe in der internationalen Bekanntheit gelegen, die der Song ihm brachte. Offiziell erschien der Remix 2014 über das Label Ultra Music und erreichte unter anderem Platz eins der britischen Singlecharts.
Warum das Geld heute im Live-Geschäft liegt
Klein beschreibt eine Umkehrung des klassischen Musikgeschäfts: Früher sei eine Tour dazu da gewesen, ein Album zu bewerben, mit dem das eigentliche Geld verdient wurde. Heute sei es umgekehrt, ein Album diene vor allem dazu, die Tour zu bewerben, mit der das Geld verdient wird. Nach seinen Worten verdient Robin Schulz mit drei Live-Shows so viel wie mit seinen Musikrechten im gesamten Jahr. Bei einem einzelnen Stream verteilen sich zudem oft nur Bruchteile eines Cents auf teils fünf bis zehn Beteiligte, wenn mehrere Songwriter, Produzenten und weitere Künstler am Stück mitgewirkt haben.
Braucht man heute noch ein großes Label?
Für junge DJs sei die exklusive Bindung an ein großes Major-Label heute oft ein Nachteil, so Klein, weil sie am Anfang der Karriere Flexibilität brauchen, um auf verschiedenen spezialisierten Labels zu veröffentlichen. Große Labels seien strukturell zu unbeweglich für das schnelle Tempo, das der Markt inzwischen verlangt. SDM selbst betreibt mit Famouz Records seit 2019 ein eigenes Label, das als Joint Venture mit Sony Music läuft, für Künstler wie Hugel, die eigene Struktur aufzubauen, hält Klein dagegen für ein Zeichen unternehmerischer Reife.
Kann KI eines Tages Manager oder DJs ersetzen?
Auf die Frage, ob Künstliche Intelligenz seinen Beruf oder den von Künstlern eines Tages ersetzen könnte, ist Klein skeptisch, zumindest kurzfristig. Das „People Business“ zwischen Management und Künstler beruhe auf persönlichem Vertrauen, das lasse sich mit heutiger KI nicht ersetzen. Auch bei der Musik selbst fehle KI-generierten Tracks bislang das, was viele Hits ausmache: der Zufall, etwa ein ungeplanter, schräger Sound beim Produzieren, aus dem am Ende ein Welthit wird. Wichtiger als früher sei für Nachwuchskünstler heute vor allem die eigene Persönlichkeit und der sichere Umgang mit Social Media, sagt Klein, ohne die komme selbst die beste Musik kaum noch durch.
Die vollständige Folge mit Frank Klein ist im Podcast „People of Ibiza“ zu hören.

