Mit den ersten kühlen Herbsttagen füllen sich in vielen Büros wieder die Schubladen mit Nasenspray und Halstabletten. Die ayurvedische Lehre erklärt diese jahreszeitliche Anfälligkeit mit einem geschwächten Agni, dem sogenannten Verdauungsfeuer, das im Zentrum der ayurvedischen Gesundheitslehre steht. Der auf Ayurveda-Reisen spezialisierte Veranstalter aytour hat fünf Maßnahmen zusammengestellt, die sich auch im Büroalltag umsetzen lassen.
Was Ayurveda unter einer Erkältung versteht
Im ayurvedischen Jahreszeitenkalender, der Ritucharya, gilt der Übergang vom Spätsommer in den Herbst als Zeit des Vata, jener Energie aus Luft und Raum, die für Trockenheit, Kälte und Wechselhaftigkeit steht. Diese Eigenschaften kennzeichnen aus ayurvedischer Sicht auch das Wetter dieser Wochen und reizen die Schleimhäute, wodurch sie anfälliger für Viren werden. Mit den ersten kalten Tagen sammelt sich zugleich Kapha an, die Energie aus Erde und Wasser, die sich in Schwere, Müdigkeit und Schleimbildung zeigt.
Im Zentrum der ayurvedischen Betrachtung steht Agni, das Verdauungsfeuer. Es verarbeitet nach diesem Verständnis nicht nur die Nahrung, sondern auch Eindrücke und Stress. Ist Agni geschwächt, entsteht nach ayurvedischer Lehre Ama, unverdaute Rückstände, die als Basis für Krankheitsanfälligkeit gelten. Ayurveda betrachtet Gesundheit als Zusammenspiel aus Verdauung, Tagesrhythmus, Ernährung und mentaler Verfassung – wissenschaftlich belegt ist dieses Konzept nicht, es handelt sich um eine traditionelle Lehre.
Wärme auf dem Teller statt Rohkost in der Mittagspause
Salat oder ein kaltes Sandwich zwischendurch mögen praktisch sein, aus ayurvedischer Sicht kosten sie das Verdauungsfeuer jedoch unnötig Energie. Gedünstetes Gemüse oder ein Teller Reis mit Mung-Dal, gelben Linsen, sind mittlerweile in vielen Kantinen und Supermärkten ebenso leicht zu bekommen. Wer vorgekochtes Essen mitbringt, kann es kurz erwärmen, statt es kalt aus dem Kühlschrank zu essen. Auch langsames Essen zwischen zwei Terminen soll das Verdauungsfeuer stärken, da Hektik es zusätzlich schwächen soll.
Ingwerwasser statt der dritten Tasse Kaffee
Ein Thermobecher mit warmem Ingwerwasser lässt sich morgens in wenigen Minuten vorbereiten: ein paar Scheiben frischer Ingwer, mit heißem Wasser übergossen und über den Tag verteilt in kleinen Schlucken getrunken. Die enthaltenen Scharfstoffe Gingerol und Shogaol gelten in der Ernährungsmedizin als entzündungshemmend. Im Ayurveda zählt Ingwer zu den klassischen Mitteln, um das Verdauungsfeuer anzuregen.
Kurkuma als Gewürz für zwischendurch
Der enthaltene Pflanzenstoff Curcumin wirkt laut Verbraucherzentrale entzündungshemmend und antioxidativ, die belastbarsten Belege dafür stammen aber bislang aus Laborstudien, klinische Nachweise am Menschen stehen noch aus. Die Aufnahme im Körper lässt sich mit etwas Fett und schwarzem Pfeffer verbessern. In der ayurvedischen Küche wird Kurkuma traditionell zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt, etwa als Prise im Reis oder in der Suppe.
Licht tanken in der Mittagspause
Mit sinkender Sonnenintensität geht ab Oktober auch die körpereigene Vitamin-D-Produktion zurück. Der Nährstoff ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung an der Regulation des Immunsystems beteiligt; ohne ausreichende Eigenproduktion durch Sonnenlicht empfiehlt die DGE eine tägliche Zufuhr von 20 Mikrogramm. Ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause, auch bei bewölktem Himmel, liefert zugleich Bewegung und frische Luft.
Bewusstes Atmen zwischen zwei Terminen
Wenige Minuten ruhiges, tiefes Atmen am Schreibtisch sollen im Ayurveda Kreislauf und Verdauungsfeuer in Schwung bringen. Eine bewusste, verlangsamte Bauchatmung über zwei bis drei Minuten kann helfen, Stress abzubauen, der im Ayurveda als einer der stärksten Schwächer des Verdauungsfeuers gilt.
Was bei den ersten Symptomen hilft
Auch die sorgfältigste Vorbereitung schützt nicht immer vor der ersten Erkältung der Saison. Ein warmer Sud aus Kurkuma und schwarzem Pfeffer in warmer Milch oder Pflanzenmilch, im Ayurveda als Haldi Doodh bekannt, gilt traditionell als beruhigend für gereizte Atemwege und wird bevorzugt vor dem Schlafengehen getrunken. Tulsi, das Heilige Basilikum, wird in der ayurvedischen Lehre mit den Atemwegen in Verbindung gebracht und lässt sich als Tee mehrmals täglich trinken. Ein leichtes Reis-Linsen-Gericht mit Mung-Dal, im Ayurveda Kitchari genannt, soll das Verdauungsfeuer weniger belasten als schwere oder stark gewürzte Speisen. Eine kurze Dampfinhalation mit ein paar Tropfen Eukalyptusöl kann zusätzlich gegen verstopfte Nebenhöhlen helfen, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf kalte Getränke geben dem Körper zusätzliche Erholung.

