Wie lassen sich historische Kulturgüter im Katastrophenfall vor der Zerstörung retten? Genau das hat der Notfallverbund Aurich gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Aurich bei einer groß angelegten Übung am Sammlungszentrum für historisches ostfriesisches Kulturgut der Ostfriesischen Landschaft geprobt. Simuliert wurde eine Überschwemmung im Sammlungszentrum.
„Bei der Übung geht es darum, Abläufe zur Kulturgutrettung für den Ernstfall einzustudieren. Aber mindestens genauso wichtig ist uns, herauszufinden, welche Abläufe gut funktionieren und welche verbessert werden können“, erklärte Einsatzleiter Dr. Welf-Gerrit Otto, Leiter der Regionalen Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft, zu Beginn der Übung. Beteiligt waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Historischen Museums und der Stadtbibliothek Aurich, des Niedersächsischen Landesarchivs (Abteilung Aurich) sowie der Landschaftsbibliothek, der Archäologie, der Museumsfachstelle und der Regionalen Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft.
Von der Bergung bis zum Einfrieren
Nach der Freigabe des Gebäudes durch die Feuerwehr barg eine Gruppe Objekte, eine zweite Gruppe brachte sie zu verschiedenen Stationen. Dort wurde jeweils entschieden, ob Objekte beschädigt sind und wie sie weiterbehandelt werden. „Wenn wir zum Beispiel größere Mengen durchnässtes Papier haben und sie nicht binnen weniger Tage trocknen können, frieren wir ein. Das stoppt den Schimmel und verhindert, dass die Buchseiten aufquellen oder Tinte verläuft“, erläuterte Dr. Heiko Suhr, Leiter der Landschaftsbibliothek. Für solche Fälle wird eigens Lagerfläche in einem Kühlhaus vorgehalten, um später Zeit für die restauratorische Behandlung zu gewinnen.


Angesichts der hunderttausenden im Sammlungszentrum eingelagerten Objekte müsste man sich im Ernstfall zunächst auf die wichtigsten oder empfindlichsten Kulturgüter konzentrieren, betonte Otto. Für das Historische Museum liegen dafür laut Museumsleiter Dr. Christopher Galler für jeden Ausstellungsraum Listen bereit, welche Objekte im Notfall zuerst zu sichern sind.

„Anfangs stockte es ein wenig“
Sein Fazit zog Otto so: „Anfangs stockte es ein wenig, aber nachdem alle in ihre Rolle gefunden hatten, ist die Maschinerie gut angelaufen.“ Aufgefallen sei, dass bei der Erstversorgung der Objekte mehr Personal eingeplant werden müsse, um einen Flaschenhals in der Rettungskette zu vermeiden. Als positiven Nebeneffekt wertete er die Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen: „Diese Art der ‚Nachbarschaftshilfe‘ über verschiedene Institutionen hinweg ist ein guter Weg der Vernetzung und geht schon in Richtung Teambuilding.“

