Im ehemaligen Bundeswehrdepot in Itterbeck könnten schon ab November niederländische Rekruten ausgebildet werden. Nach ersten Planungen soll dort ein 14-wöchiges Feldtraining mit rund 250 Teilnehmern stattfinden. Ab 2028 ist für zunächst fünf Jahre eine Trainingseinrichtung für bis zu 500 Menschen im Gespräch. Das geht aus einer Absichtserklärung hervor, die Landrat Uwe Fietzek und Erwin Hoogland, Regionalminister der niederländischen Provinz Overijssel, am 1. Oktober in Nordhorn unterzeichnet haben.
Grundausbildung für das niederländische „Dienjaar“
Die niederländischen Streitkräfte suchen ein Gelände für die militärische Grundausbildung im Rahmen des freiwilligen Dienstjahres („Dienjaar“) und des „Nationale Weerbaarheidstraining“. Das Depot in Itterbeck, das heute der privaten EURO-ITTER GmbH gehört, bietet nach Angaben des Landkreises mit seiner Größe, den Hallen, der Infrastruktur und der Lage direkt an der Grenze gute Voraussetzungen. Eigentümer und niederländisches Militär sind im Gespräch, entschieden ist noch nichts.
Landrat Fietzek betont, dass die Grafschaft keine Rüstungsregion werden solle: „Es geht ausdrücklich nicht darum, Panzer oder schwere Waffen nach Itterbeck zu holen. Im Mittelpunkt stehen Ausbildung und Training.“ Für Itterbeck und Uelsen sieht er eine Chance für Handel, Dienstleister und Infrastruktur. Langfristig könne das Vorhaben auch eine Bahnverbindung von Itterbeck in die Niederlande voranbringen.

Sicherheit und Verteidigung als neuer Schwerpunkt
Landkreis und Provinz arbeiten schon lange zusammen, etwa bei Mobilität, Bildung, Katastrophenschutz und Naturschutz. Mit der Absichtserklärung, der ein Beschluss des Grafschafter Kreistags vorausging, wollen sie nun ausloten, wie sie bei Sicherheit und Resilienz mit Schwerpunkt Verteidigung kooperieren können. Hoogland, früher Oberst der niederländischen Streitkräfte und eine Zeit lang in Münster stationiert, verweist auf die hohen Investitionen beider Länder in Verteidigung. Das biete auch Chancen für die Grenzregion.
Über das Depot hinaus sollen Unternehmen, Kommunen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen beiderseits der Grenze enger vernetzt werden. Die Wirtschaftsvereinigung der Grafschaft Bentheim hat ihre Unterstützung signalisiert. Rückendeckung kommt auch aus Hannover: Niedersachsens Europaministerin Melanie Walter begrüßte die Initiative.

