Die Tischlerei Beckermann war das erste Unternehmen im Niedersachsenpark an der Grenze von Neuenkirchen-Vörden und Rieste. 2005 zog sie dorthin, 2006 lief die Produktion an, mit sechs Mitarbeitern als erste Beschäftigte im Park. Heute arbeiten im Niedersachsenpark rund 3.500 Menschen, bei Beckermann sind es 14. Zum 20-jährigen Bestehen am Standort hat der Betrieb einen neuen Chef und ehrgeizige Pläne: Die Produktion soll mittelfristig doppelt so groß werden.
Vom Händler zum Hersteller
Anfangs spielte bei Beckermann der Handel mit Fertigbauteilen eine größere Rolle. Inzwischen fertigt der Betrieb rund 70 Prozent seiner Produkte selbst, vor allem individuell geplante Küchen und Einrichtungen. Zu den Aufträgen gehören eine gelbe Küche für ein ehemaliges Kesselwerk in Krefeld, das zum Eventhaus wird, eine Küche im 23. Stock eines Hamburger Hochhauses mit Blick auf den Hafen, ein Haus auf Mallorca und ein Hotel auf dem Darß. Ein Kunde brachte alte Eichendielen aus einem Schloss mit, aus denen Küchenfronten werden sollten.
Generationswechsel und neuer Auftritt
Geführt wird das Unternehmen inzwischen von Frederick Sommerei, dem Sohn von Gründer Vincenz Beckermann, der weiter mithilft. Sommerei hat in Münster drei Jahre Projektgestaltung im Handwerk studiert, in Freiburg seinen Meister gemacht und danach bei den Oldenburger Möbelwerkstätten in Dinklage gearbeitet. Bisher kommen die meisten Kunden über Empfehlungen. Mit einem neuen Corporate Design will Sommerei auch Menschen erreichen, die den Betrieb noch nicht kennen. Erstmals bildet Beckermann zwei Lehrlinge aus, zudem kam ein weiterer Geselle dazu. Ein erstes Kochevent mit einer Gruppe kam so gut an, dass es weitere geben soll.
Kein Gas mehr, eigener Solarstrom
Gas kauft die Tischlerei nach eigenen Angaben nicht mehr zu, der Stromverbrauch wurde gesenkt, und ein Teil des Stroms kommt von der Solaranlage auf der Produktionshalle. Produktionsabfälle werden wiederverwertet, durch die eigene Fertigung fällt weniger Verpackung an, und im Fuhrpark fahren drei Elektroautos. Außerdem ist Beckermann an einem Architektenstützpunkt für nachhaltiges Bauen in Groß Görnow zwischen Rostock und Schwerin beteiligt. Für mehr Tempo in der Werkstatt sollen künftig Digitalisierung und Automatisierung sorgen, ohne die Einzelanfertigung zu ersetzen.
Niedersachsenpark-Geschäftsführer Uwe Schumacher freut sich über die Entwicklung. Im Park siedelten Betriebe aller Größen, vom Kleinunternehmer bis zum Konzern.

