Das Geologische Freilichtmuseum Gildehaus liegt am Romberg im Bad Bentheimer Ortsteil Gildehaus. Auf einem etwa 200 Meter langen Rundweg können Besucher mehr als 50 Exponate und 16 verschiedene Gesteinsarten entdecken. Die Ausstellung unter freiem Himmel verbindet Erdgeschichte, Steinverarbeitung und Regionalgeschichte und ist jederzeit kostenlos zugänglich. (Quelle: badbentheim.de)
Naturgeschichte unter freiem Himmel
Im Mittelpunkt des Freilichtmuseums stehen Natursteine aus verschiedenen Regionen der Erde. Die geologische Zeitreise reicht vom vergleichsweise jungen, rund 30.000 Jahre alten Travertin bis zu einem etwa 1,4 Milliarden Jahre alten indischen Granit. Damit zeigt die Anlage, wie unterschiedlich Gesteine hinsichtlich Alter, Farbe, Struktur und Entstehung sein können.
Ein Rundgang durch das Gelände macht geologische Zeiträume anschaulich, die für Menschen kaum vorstellbar sind. Während ein Menschenleben nur wenige Jahrzehnte umfasst, entstehen Gesteine über Hunderttausende, Millionen oder sogar Milliarden Jahre. Die großen Steinblöcke machen diese Dimensionen greifbarer als eine rein schriftliche Darstellung.
An den einzelnen Stationen lassen sich verschiedene Gesteinsarten miteinander vergleichen. Manche Steine weisen eine feine, gleichmäßige Oberfläche auf, andere zeigen deutlich sichtbare Körner, Schichten oder Einschlüsse. Auch Farben und Verwitterungsspuren unterscheiden sich. So wird erkennbar, dass Naturstein keineswegs ein einheitlicher Werkstoff ist.
Der Bentheimer Sandstein
Der regionale Bezug des Freilichtmuseums liegt im Bentheimer Sandstein. Er prägt die Landschaft und die Architektur rund um Bad Bentheim und Gildehaus. Die Burg Bentheim, historische Gebäude, Mauern und zahlreiche Bauteile der Region wurden aus dem charakteristischen Sandstein errichtet.
Das Geologische Freilichtmuseum liegt in unmittelbarer Nähe des einzigen noch in Betrieb befindlichen Steinbruchs der Grafschaft Bentheim. Dadurch lässt sich der ausgestellte Naturstein mit der regionalen Gewinnungsgeschichte verbinden. Besucher sehen nicht nur verschiedene Gesteinsproben, sondern können auch nachvollziehen, warum der Bentheimer Sandstein für die Entwicklung der Region so wichtig war.
Der ehemalige Steinbruch am Romberg ist als Geotop und Naturdenkmal bekannt. In dem Gebiet wurden Sandsteine der Unterkreide abgebaut, genauer aus dem Zeitalter des Valanginiums. Das Gelände erinnert damit an die Zeit, in der der Abbau des Gildehauser und Bentheimer Sandsteins ein wichtiger Wirtschaftszweig war. (Quelle: Wikipedia)
Steinbruch und Handwerk
Zur Anlage gehört eine Steinmetzhütte. Sie verweist auf die handwerkliche Verarbeitung des Gesteins. Aus den Steinbrüchen kamen zunächst große Rohblöcke, die anschließend mit Werkzeugen bearbeitet und für unterschiedliche Zwecke vorbereitet wurden.
Steinmetze fertigten aus Sandstein unter anderem Bauteile, Säulen, Fenster- und Türgewände, Taufsteine, Grabmale und Skulpturen. Für diese Arbeit waren genaue Kenntnisse des Materials notwendig. Der Stein musste so gespalten und behauen werden, dass er die gewünschte Form erhielt, ohne zu brechen oder unbrauchbar zu werden.
Die Steinmetzhütte macht deutlich, dass zwischen dem Abbau im Steinbruch und dem fertigen Gebäude zahlreiche Arbeitsschritte lagen. Der Naturstein war zugleich Rohstoff, Baumaterial und kunsthandwerkliches Ausgangsmaterial. Diese Verbindung von Geologie, Wirtschaft und Handwerk gehört zu den wichtigsten Themen der Anlage.
Ein Rundgang für Familien
Das Freilichtmuseum ist besonders für Familien geeignet. Der Rundweg ist überschaubar, verläuft im Freien und lässt sich gut mit einem Spaziergang verbinden. Kinder können unterschiedliche Steine unmittelbar betrachten, anfassen und miteinander vergleichen. Die Exponate sind größer und anschaulicher als kleine Gesteinsproben in einer Vitrine.
Auch für Schulklassen bietet das Gelände zahlreiche Anknüpfungspunkte. Themen wie Erdgeschichte, Gesteinskreislauf, Rohstoffgewinnung, Handwerk und Denkmalschutz können direkt vor Ort behandelt werden. Die Ausstellung eignet sich außerdem als Ergänzung zum Besuch des Sandsteinmuseums in Bad Bentheim.
Während das Sandsteinmuseum die Entstehung, Eigenschaften und historische Verwendung des Bentheimer Sandsteins in Innenräumen erläutert, bietet das Freilichtmuseum eine praktische und offene Ergänzung. Der Vergleich verschiedener Gesteinsarten erweitert den Blick über den regionalen Sandstein hinaus.
Verbindung mit Rad- und Wandertouren
Das Geologische Freilichtmuseum lässt sich gut in einen Ausflug durch Gildehaus und die Umgebung einbinden. Es liegt an der Gildehaus-Dinkel-Route und ist über das Radwegenetz der Grafschaft Bentheim erreichbar. Deshalb eignet sich die Anlage besonders für Radfahrer, die eine kurze kulturelle Station in ihre Tour einplanen möchten. (Quelle: grafschaft-bentheim.de)
In der Umgebung befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen die Gildehauser Ostmühle, ein historischer Mühlenstandort, sowie die Landschaft rund um den Gildehauser Berg. Auch das Sandsteinmuseum in Bad Bentheim und die Burg Bentheim sind mit einem regionalen Ausflug kombinierbar.
Wer das Freilichtmuseum besucht, sollte festes Schuhwerk tragen. Je nach Wetter können die Wege feucht oder uneben sein. Da es sich um eine Anlage unter freiem Himmel handelt, empfiehlt sich außerdem wetterangepasste Kleidung. Sitzgelegenheiten ermöglichen eine kurze Pause während des Rundgangs.
Öffnungszeiten und Eintritt
Das Geologische Freilichtmuseum ist ganzjährig und täglich zugänglich. Der Eintritt ist frei. Die Anlage befindet sich am Romberg, 48455 Bad Bentheim-Gildehaus. Als Kontakt für weitere Auskünfte wird die Touristinformation beziehungsweise die zuständige Museumsinformation unter der Telefonnummer 05924 6349 genannt; außerdem ist [email protected] angegeben.
Da das Gelände frei zugänglich ist, können Besucher ihren Rundgang zeitlich flexibel planen. Anders als bei einem klassischen Museum müssen keine festen Einlasszeiten beachtet werden. Bei Führungen oder speziellen Veranstaltungen können jedoch gesonderte Termine und Anmeldebedingungen gelten.
Fazit
Das Geologische Freilichtmuseum Gildehaus ist ein kleines, aber ungewöhnliches Ausflugsziel in der Grafschaft Bentheim. Der rund 200 Meter lange Rundweg führt an mehr als 50 Exponaten vorbei und zeigt 16 verschiedene Gesteinsarten aus unterschiedlichen Teilen der Erde. Die zeitliche Spanne reicht von jungem Travertin bis zu sehr altem Granit.
Besonders wertvoll ist die Verbindung mit der regionalen Sandsteingeschichte. Der nahegelegene Steinbruch, die Steinmetzhütte und die Lage im Umfeld des historischen Sandsteinabbaus machen verständlich, welche Bedeutung das Gestein für Bad Bentheim und Gildehaus hatte. Der Besuch ist kostenlos, jederzeit möglich und lässt sich gut mit einer Wanderung, einer Radtour oder einem Besuch der Burg Bentheim und des Sandsteinmuseums verbinden.
